Veranstaltungs­tipps

Tipps für Genuss-Events in der Pfalz: Das VielPfalz-Team recherchiert für Sie empfehlenswerte Veranstaltungen in der Pfalz, die vielfältigen Genuss versprechen – von der Weinprobe über die Städteführung bis zum Fest, Markt oder Konzert. Welches Event Sie auch immer anspricht, wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei!

Pfälzer Bärlauch

Auf Schnupperkurs im Frühlingswald

Grün, aromatisch duftend und gesund: Im Frühjahr ist Bärlauch in der Pfalz ein aufstrebender Star am Waldboden. Die Nachfrage nach dem wilden Knoblauch steigt – nicht nur bei Privatsammlern. Betrachtungen rund um einen Frühblüher mit perfektem Timing.

Blühender Bärlauch
Foto: Norman Krauß

Je nach Witterung lässt Bärlauch schon kurz vor Frühlingsbeginn die ersten zarten Blätter aus dem Boden schießen. Im April steht er voll im Saft, im Mai präsentiert er seine weißen Blüten. Bärlauch – mit Knoblauch, Küchenzwiebel, Schnittlauch und Gemüselauch eng verwandt – ist ein sogenannter Frühblüher oder Geophyt. Damit hat er das perfekte Timing für die Erhaltung seiner Art gefunden. Sobald die ersten wärmenden Sonnenstrahlen den Waldboden kitzeln, wird er aktiv, lange bevor die Bäume austreiben. Wenn sich im Mai das Blätterdach im Wald schließt und nur noch wenig Licht auf den Boden fällt, hat er bereits die meiste Arbeit getan und ausreichend Nährstoffe produziert. Die lagert er in den im Boden liegenden Zwiebeln ein. So halten die Pflanzen problemlos bis zum nächsten Frühjahr durch.

Teppichartige Ausbreitung

Was die Platzwahl betrifft, bevorzugt Bärlauch nährstoffreiche und gut wasserversorgte Böden. In der Pfalz bieten ihm vor allem die Auenwälder entlang des Rheingrabens oder Laubwälder, die auf Schwemmfächern – etwa der Queich – stehen, optimale Lebensräume (siehe auch Beitrag „Sonntagstour“ auf Seite 54). Ein Schwemmfächer besteht aus angespülten Sedimenten, die sich sammeln, wenn ein Fließgewässer sein Gefälle verändert und nicht mehr alles mitreißen kann. Rundum behaglich fühlt sich Bärlauch insbesondere in Mulden und Schluchten, wo sich die Feuchtigkeit besonders lange halten kann. Dort breitet er sich gerne teppichartig aus. Während der Blütezeit bildet Bärlauch Samenkapseln, die ihm bei der Verbreitung helfen. Zum Beispiel, indem sie sich an vorbeistreifende Waldtiere heften.

Die Handstrauß-Regel

Spätestens seit die Gastronomie mit leckeren Bärlauch-Gerichten den wilden Knoblauch immer beliebter macht, weckt die grüne Pracht beim Waldspaziergang auch menschliche Sammelinstinkte. Was es dabei zu beachten gilt, weiß Förster Philipp Richter. Er ist als Mitarbeiter bei Landesforsten für das Revier Queichwaldungen-Herxheim zuständig. Dort gibt es große Bärlauch-Bestände. „Die Entnahme von Waldprodukten beziehungsweise sogenannten forstlichen Nebenerzeugnissen ist über das Landeswaldgesetz geregelt“, erläutert er und ergänzt: „Für Privatpersonen, die Bärlauch sammeln möchten, ist die Handstrauß-Regel verpflichtend. Sprich, eine Menge für den eigenen Bedarf darf gepflückt werden, aber nicht mehr. Das bezieht sich auf die oberirdischen Pflanzenbestandteile, Blätter und Blüten. Die Entnahme von kompletten Pflanzen ist aus Naturschutzgründen grundsätzlich verboten.“

Förster Philipp Richter
BERÄT Philipp Richter ist als Förster für das Revier Queichwaldungen-Herxheim zuständig. Dort gibt es große Bärlauch-Bestände. Foto: Landesforsten RLP.de

Riechzellen einschalten

Beim Sammeln sollten Laien sämtliche Sinne parat haben, um Bärlauch eindeutig zu erkennen. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem giftigen Maiglöckchen, das ebenfalls im Frühjahr wächst und ähnliche Standorte bevorzugt. Der Förster erklärt: „Bärlauch hat langstielige und weiche Blätter, die nach außen hängen und eine matte Unterseite aufweisen. Die Blätter des Maiglöckchens sind dagegen fester und haben eine glänzende Unterseite, die sich wachsartig anfühlt.“ Das beste Unterscheidungsmerkmal ist der scharfe Geruch, der von den Bärlauchbeständen im Wald aufsteigt. Maiglöckchen riechen nämlich nicht. Wer dennoch unsicher ist, kann vor Ort ein bis zwei Blätter des potenziellen Sammelguts zwischen den Fingern verreiben. Wenn es jetzt intensiv nach Knoblauch duftet, handelt es sich um Bärlauch. Dieser Trick funktioniert allerdings nur einmal, da sich der Duft an den Fingern nicht so leicht neutralisieren lässt.

Landwirt sucht Bärlauch

Die Nachfrage nach Bärlauch steigt. Das dokumentiert nicht zuletzt die Fülle an Bärlauch-Spezialitäten, die es mittlerweile zu kaufen gibt. Bärlauch-Pesto, Bärlauch-Käse, Bärlauch-Bratwurst oder Bärlauch-Nudeln – der Fantasie scheinen hier kaum Grenzen gesetzt zu sein. Doch wo kommt der ganze Rohstoff her? Auf Äckern wächst Bärlauch noch selten. Der Anbau ist sehr aufwändig. Daher sind die Bestände im Wald auch für den Handel verlockend. So kam es 2023 im Rohrbacher Gemeindewald zu einer Premiere. Ein landwirtschaftlicher Betrieb aus der Vorderpfalz fragte an, ob er dort Bärlauch in gewerblichen Mengen ernten könne. Landesforsten als Waldbewirtschafter waren von Anfang an beratend eingebunden in die Verhandlungen zwischen der Gemeinde Rohrbach als Waldbesitzer und dem Landwirt.

Nahaufnahme Bärlauchpflanze
VERLOCKEND Der Handel hat auch Interesse an den Beständen im Wald, weil der Anbau auf Ackerflächen zu aufwändig ist. Foto: Norman Krauß

Naturschutz im Blick

„Bei der Waldbewirtschaftung geht es nicht allein um Holz“, so Jakob Franz, kommissarischer Leiter des Forstamts Haardt in Landau, zu dem das Revier gehört. Man kümmere sich auch um forstliche Nebenerzeugnisse, die es im Wald gibt. Dazu zählten der Bärlauch ebenso wie Weihnachtsbäume, Schmuckreisig oder Saatgut. „Im engen Austausch mit der Gemeinde haben wir geholfen, die gewerbliche Entnahme in die Wege zu leiten. Später waren wir bei der Ernte dabei, um sicherzustellen, dass alles vereinbarungsgemäß abläuft“, berichtet Franz.

ENGAGIERT Jakob Franz, kommissarischer Leiter des Forstamts Haardt in Landau, hat mitgeholfen gewerbliche Entnahme in die Wege zu leiten und diese zu überwachen. Foto: Landesforsten RLP.de

Besondere Herausforderung

Vereinbarung ist ein wichtiges Stichwort: Um alles auf rechtssichere Füße zu stellen, musste zuerst die Gemeinde Rohrbach der gewerblichen Entnahme des Bärlauchs in ihrem Wald offiziell zustimmen. Sie hat hierzu einen Gestattungsvertrag mit dem landwirtschaftlichen Betrieb abgeschlossen. Ebenso musste der interessierte Landwirt die Erlaubnis der oberen Naturschutzbehörde einholen, was eine besondere Herausforderung darstellte. Denn die angefragten Bärlauch-Flächen liegen in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH), für das besondere Auflagen gelten. Dies erforderte eine FFH-Vorprüfung, bei der Experten bewerten, ob die Einwirkungen durch die geplante Entnahme und den Abtransport des Ernteguts mit dem Erhalt des Schutzstatus in Einklang stehen.

Eine „Win-Win-Win-Situation“

Letztlich war klar: Alles passt. Der Ernte im Wald stand formell nichts mehr im Weg. Schweres Gerät kam dabei natürlich nicht zum Einsatz. Die Mitarbeiter des landwirtschaftlichen Betriebs haben die Blätter des Bärlauchs in Handarbeit geerntet und auf den zulässigen Fahrwegen per Kleintransporter aus dem Wald gebracht. „Die Firma ist stark interessiert an einer kontinuierlichen Nutzung und damit an einem nachhaltigen Umgang mit dem Bärlauchbestand“, erklärt Franz, was das Vorhaben für Landesforsten und die Gemeinde besonders interessant gemacht hat. Franz weiter: „Dadurch profitieren wir alle von der gewerblichen Entnahme. Die Gemeinde erzielt zusätzliche Einnahmen, wir können ein weiteres Naturprodukt vermarkten und der Landwirt erhält Bärlauch in Bioqualität. Das ist quasi eine Win-Win-Win-Situation.“

PFLANZENTEPPICH In Mulden und Schluchten, wo sich Feuchtigkeit lange hält, breitet sich Bärlauch gerne aus. Foto: Norman Krauß

Zweite Ernte in diesem Frühjahr

Die Einnahmen, die aus dem Wald kamen, hat die Gemeinde Rohrbach zurück in den Wald investiert. Es wurden erste Teile eines Forstwegs ertüchtigt, der nicht mehr befahrbar gewesen war. So soll es auch weitergehen. „Ende Februar war ich mit einem Mitarbeiter des landwirtschaftlichen Betriebs wieder im Revier unterwegs“, sagt Revierleiter Richter. Zusammen habe man Flächen ausgewählt, die dieses Jahr für die Entnahme in Frage kommen. Ein wichtiges Kriterium sei dabei gewesen, dass die Pflanzen an den potenziellen Ernteplätzen einen gesunden Eindruck machen und in einer ausreichend großen Menge auf der Fläche vorhanden sind. „So stellen wir sicher, dass das Bärlauch-Vorkommen vor Ort durch die Ernte nicht merklich beeinträchtigt wird oder gar gänzlich verschwindet. Was uns überrascht hat: Aufgrund des warmen Winters waren die Pflanzen schon sehr aktiv und hatten vor Frühjahrsbeginn bereits reichlich Blätter ausgetrieben. Die Entnahme konnte so schon früh im März starten“, berichtet Richter.

GENUSSMENSCH Die Apothekerin Katja Friedrich kennt sich mit Wildkräutern und Heilpflanzen aus. Foto: Yasmin Mineo

Bärlauch in Eigenproduktion

Weil er schmeckt und zudem gut für die Gesundheit sei, hat auch Katja Friedrich Freude am Bärlauch. Die Apothekerin bringt viel Wissen um essbare Wildkräuter und Heilpflanzen mit. So hat sie sich ein zweites Betätigungsfeld erschlossen. Friedrich bietet Kräuterwanderungen an und vermittelt Kräuterheilkunde mit dem Ziel, Menschen zu Gesundheit, Lebensfreude und Vitalität zu verhelfen. Im heimischen Garten in Höheischweiler (Landkreis Südwestpfalz) hat sie den wilden Knoblauch im Frühjahr quasi griffbereit stehen. „Wenn er ein gutes, halbschattiges Plätzchen findet und ausreichend Kraft hat, vermehrt er sich sehr gut und verbreitet sich stark. Manchmal braucht er im Garten eine etwas längere Eingewöhnungszeit. Es kann daher sein, dass er erst im zweiten Jahr sichtbar austreibt“, sagt sie. Wenn er aber einmal loslege, dann so richtig. Gartenbesitzer müssen das mögen, denn Bärlauch hält sich dabei nicht an Platzeinteilungen. Die Pflanzen gibt es bei vielen Gärtnereien, Gartencentern und im Online-Gartenversand.

BLÜTENPRACHT Wärmende Sonnenstrahlen lassen den Bärlauch schnell aktiv werden. Foto: Norman Krauß

Rohstoff in der Küche

In die Küche bringt Bärlauch ordentlich Würze. „Prinzipiell lässt er sich überall dort verwenden, wo man sonst Knoblauch nimmt“, so Katja Friedrich, „der Geschmack ist ähnlich. Bärlauch ist allerdings besser verdaulich und der Geruch strömt nach dem Essen nicht so stark über die Haut aus.“ Die gesundheitsfördernde Wirkung sei identisch mit der von Knoblauch. Bärlauch wirke reinigend, entgiftend und durchblutungsfördernd und sei somit perfekt fürs Entschlacken im Frühjahr geeignet. „Beispielsweise kann er helfen, Ablagerungen, wie sie beim Verkalken der Arterien entstehen, aufzulösen und die Entfernung von Abfallstoffen aus dem Bindegewebe unterstützen. Dafür sorgen unter anderem die im Bärlauch enthaltenen Senföle, die ihm auch den scharfen Geruch verleihen“, so die Kräuterexpertin.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Bärlauch-Pflanzen – Blätter wie Blüten – sind komplett essbar und können viele Gerichte veredeln. „Wenn man mit ihm kocht, sollte man darauf achten, ihn möglichst spät dazu zu geben“, erklärt Friedrich. Ihr Tipp: „Wenn ich eine Kartoffelsuppe mache, kommt er erst dann gehackt dazu, wenn die Kartoffeln bereits weich und püriert sind. Bärlauch ist nämlich als Rohkost besonders effektiv in seiner Wirkung.“ Ebenso lässt sich der wilde Knoblauch als herzhafte Würze über Pizza streuen, in Lasagne-Soße mischen, in Quark einrühren oder als Zutat für Pesto verarbeiten. „Der Fantasie sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt“, findet Apothekrin Friedrich, „ich gebe Bärlauch in kleineren Mengen sogar in einen Kräuter-Smoothie und mische dazu Ingwer und Zitrone als gegensätzliche Geschmackskomponenten.“

Essigsaure Knospen

Und wie verspeist Katja Friedrich Bärlauch am liebsten? „Ich liebe Löwenzahnsalat mit Bärlauch“, schwärmt sie. Ihre Empfehlung: „Dazu passt ein Dressing aus gekochten und pürierten Kartoffeln mit Gemüsebrühe, Balsamico-Essig, Öl, Senf und Kristallsalz. Alternativ harmoniert auch ein fruchtig-süßes Dressing gut, etwa mit Mango.“ Die Knospen vom wilden Knoblauch lassen sich auch einlegen, wie man es von den Blüten des Kapern-Strauchs kennt. Wie einfach sich diese Delikatesse herstellen lässt, ist im Rezept unten nachzulesen. „Natürlich schmecken die eingelegten Bärlauch-Knospen anders als Kapern, die typische Knoblauch-Note bleibt erhalten“, betont Friedrich. In kleine Schraubgläschen verpackt, seien sie auch ein schönes Mitbringsel.

EINFACH LECKER Bärlauch-Kapern aus Blütenknospen. Foto: Julia Reichelt

Zutaten/Material

Bärlauch-Knospen (vollständig geschlossen)
Salz, idealerweise Kristallsalz-Stücke
heller Balsamico oder Weinessig
Schraubgläser

Anleitung

Zunächst die Salzsole herstellen. Kristallsalz ist hierfür besonders wertvoll, da es viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthält. Einfach einige Stücke in Wasser legen und ein paar Tag warten.
Dann ist eine ausreichend gesättigte Lösung entstanden. Die verbliebenen Salzstücke entnehmen.

Ist die Salzsole fertig, die Bärlauch-Knospen waschen, trocken tupfen und die sterilisierten Schraubgläser locker damit befüllen.

Salzsole mit dem Essig mischen – ein Teil Salz, neun Teile Essig. Die Flüssigkeit in die Gläser füllen und diese fest verschließen.

Ein Rezept von Katja Friedrich

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Pfälzer Perspektiven

Die Magie des Irgendwo

Betrachtungen von Janina Huber rund um die Frage, was einen guten Wein ausmacht – jenseits von allgemeinen Geschmacksprofilen und spröden Tabellen. Vielmehr geht es um die „Somewhereness“, die schmeckbare Herkunft.

Foto: DWI

Was ist für Sie ein richtig guter Wein? Eine Frage, die in der Pfalz bestimmt häufig und heiß diskutiert wird. Die Antworten fallen vielfältig aus – und das dürfen sie auch! Denn das vorab: Gut ist doch am Ende, was einem selbst am besten schmeckt. Hört man sich in Fachkreisen um, gibt es da allerlei Ansätze, die Qualität objektiv zu bestimmen. Trainierte Gaumen arbeiten sich durch Tabellen mit Attributen und errechnen Zahlen, die zu einem Qualitätsurteil führen. Das ist hilfreich, ein gutes Kräftemessen, aber am Ende auch manchmal etwas spröde.

Wein schmeckt nach einem „Irgendwo“

Höre ich abseits der Zahlen zu, was unter Profis gerne als Qualitätsmerkmal genannt wird, ist mir schon oft ein Begriff aus dem Englischen ins Ohr gekommen: „Somewhereness“. Das müsse ein Wein haben! Gemeint ist, grob übersetzt, dass der Wein nach einem „Irgendwo“ schmeckt. Und eben nicht nach einem „Nirgendwo“. Ein guter Wein vermittelt den Eindruck, dank seiner Herkunft so zu sein, wie er ist.

Mich gibt’s nur einmal

Dabei muss das nicht unbedingt der Lagenwein für den großen Geldbeutel sein – auch ein Wein im Einstiegsbereich kann mir sagen: Hey, ich bin ein Pfälzer! Und selbst wenn wir mal nicht wissen, woher ein Wein kommt – Stichwort Blindprobe – zeigt er doch seine „Somewhereness“. Er fühlt sich individuell, charakterstark und authentisch an. Er sagt: Mich gibt’s nur einmal! Ich gebe zu, etwas schwer in Worte zu fassen ist dieses Konzept schon. Und doch steckt für mich dahinter viel von der Magie, die einen herausragenden Wein ausmacht.

Etwas Unkopierbares erleben

Nun geht es hier um Genuss im Allgemeinen – wie steht es da mit der „Somewhereness“? Ich würde sagen: Genau das ist es, was wir immer wieder suchen! Vielleicht geht es hier etwas weniger um den Herkunftsort. Wir wollen das Gefühl haben, dass jemand eine Vision hat. Zum Beispiel ein Koch, der seine Zutaten sorgsam auswählt, dabei gerne regional einkauft und mit seiner Küche seine Persönlichkeit transportiert. Dazu kommt ein Serviceteam, das gemeinsam ein Genusskonzept vermittelt. Im Zusammenspiel wird so aus einem Restaurant ein charaktervolles „Irgendwo“ statt eines austauschbaren „Nirgendwo“. Gleiches gilt für allerlei Genuss-Erlebnisse: Ein Besuch im Spa, eine Waldwanderung, eine Stadtführung, eine Reise und dergleichen. Erst in dem Moment, in dem wir fühlen, dass wir hier etwas Unkopierbares erleben, fängt authentischer Genuss an. Genau wie bei einem Wein, der uns spüren lässt, dass er unter einzigartigen Gegebenheiten entstanden ist. Also: Wer will schon „nirgendwo“? Erst mit einem spürbaren „Irgendwo“ ist es wirklich Genuss!

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Die Autorin

Janina Huber, 1989 in Bad Dürkheim geboren, hat Geschichte, Latein und Philosophie studiert. Ihre Leidenschaft für Wein machte die pfälzische Weinkönigin 2013/2014 und Deutsche Weinkönigin 2014/2015 längst zum Beruf. 2018 startete sie als selbstständige Weinfachfrau mit den Schwerpunkten Moderation und Kommunikation. Weinkurse und Workshops für Profis und Liebhaber bei der Weinschule „Grape skills“ in Heidelberg sind jetzt ihre Hauptbeschäftigung.

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Die Pfalz in Worten

Eine Region voller Geschichten

Die Pfalz ist unbeschreiblich schön. Das stimmt nicht ganz. Es gibt Menschen, die treffliche Worte finden, um die Region auf den Punkt genau zu beschreiben. Wir begegnen der Pfalz in Büchern auf eine neue und doch vertraute Weise. Mal ist sie Hauptfigur und die Texte sind Spiegel ihrer Zeit. Mal ist sie Schauplatz fantastischer Handlungen. Mal ist sie Inspiration oder Begegnungsort für Literatur, Malerei und Grafik. Sie ist auf jeden Fall eine literarische Reise wert.

ROMANTISCH Bilder und Worte sind Spiegel ihrer Zeit. Die Schäferszene am Fuße des Trifels ist eine der Illustrationen aus „Die romantische und malerische Pfalz“ von Franz Weiß, die den Reiseführer so einzigartig machen. Der Landschaftsmaler Leopold Rottmann fertigte das Aquarell um 1839 an. Repro: Gerhard Hofmann

Wir steigen hinab. Mit jeder Treppenstufe wird es kühler. Die Härchen auf meinen Unterarmen stellen sich. Mit der Temperatur verändert sich die Lichtfarbe. Kaltweiß strahlen die Wände, die Decke, die Regale. Mein Stift kratzt steif über das Papier. Versucht, Worte und Gedanken zu fassen. Irgendwo in diesem Labyrinth klackert ein Rollwagen. Wir biegen rechts ab, links, noch zwei Mal rechts. Blanke Regalfronten ziehen vorbei wie nackte Hochhäuserfassaden. Die weiß-lackierte Stahlbetontür steht offen. Die Luft ist rein. Wir ducken uns, gehen durch den engen Zwischenraum. Achtung, Stolperfalle! Ein Schritt noch und – ich erstarre.

Verborgen im Tresorraum

„Hier bekomme ich sie alle“, sagt Claudia Germann, Diplom-Bibliothekarin und Leiterin der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern, mit einem schelmischen Gesichtsausdruck. Wir stehen im Tresorraum des ehemaligen Bankgebäudes, in dem die Pfalzbibliothek untergebracht ist. Mit subtiler Hartnäckigkeit hat die Bibliotheksleiterin darauf bestanden, mich hierher in den Keller zuführen. Ich bin ihr dafür dankbar. Denn wo einst Gold und Silber, Geld und Urkunden sicher verwahrt lagen, ruhen heute literarische und künstlerische Schätze der Pfalz. Verborgen im Dunkeln überdauern sie die Zeiten, die über ihnen hinwegrasen. Eine Bibel aus dem 16. Jahrhundert, gute 40 Zentimeter lang und 20 Zentimeter dick, mit reichverziertem, schwerem Ledereinband ist in der Mitte des Tresorraums platziert. Weiße Stoffhandschuhe liegen daneben. In den Regalen schlummern rund 200 historische Landkarten der Pfalz sowie eine Komplettausgabe der von Matthäus Merian angefertigten Pfalzstiche aus dem Jahr 1645.

KELLERSCHÄTZE Im Tresorraum bewahrt die Pfalzbibliothek literarisch und künstlerisch wertvolle Werke auf. Foto: Pfalzbibliothek

Die Macht des Wortes

Kein Wunder, dass Claudia Germann spätestens hier die Aufmerksamkeit aller ihrer Besucherinnen und Besucher hat, die sie durch die Pfalzbibliothek führt. Der Tresorraum macht zum einen nicht nur bei Schulklassen und Studierenden Eindruck. An diesem Ort spürt man die Wärme und die Macht des geschriebenen Wortes. Ich lade Sie ein, hier im Untergrund Kaiserslauterns mit mir die literarische Reise durch die Pfalz zu beginnen. Wir werden erleben, wie das eine das andere bedingt, die Pfalz die Literatur und die Literatur die Pfalz. Auf geht’s! Zurück durch die Gänge und Flure des Kellers, die Treppe rauf, am Tresen vorbei und Platz nehmen in der Ruhe des Lesesaals.

Im Lesesaal der Pfalzbibliothek

Leiterin der Pfalzbibliothek Claudia Germann. Foto: Privat

„Was Sie schon immer über die Pfalz wissen wollten, finden Sie bei uns“, heißt der Slogan der Pfalzbibliothek. Mehr als 100.000 Medien überwiegend über die Pfalz oder von pfälzischen Autorinnen und Autoren geschrieben umfasst die Sammlung. Wahnsinn! Der Großteil davon befindet sich im unterirdischen Magazin. Die gängigsten und aktuellsten Titel sind im Lesesaal frei zugänglich und nach verschiedenen Themen sortiert, zum Beispiel „Sellemols“ (Geschichte), „Pälzer Leit“ (Volkskunde) oder „Ur-Bagaasch“ (Genealogie). Die meisten Beschriftungen sind zweisprachig. „Als regionale Spezialbibliothek des Bezirksverbandes Pfalz hat die Einrichtung eine kleinere Zielgruppe als beispielsweise Stadtbibliotheken“, sagt Claudia Germann. Es seien oft Heimat- oder Familienforschende älter als 50 Jahre, die Zeit haben das Angebot zur Recherche zu nutzen. In Büchern aus dem Bestand vor Ort zu schmökern oder sie auszuleihen, ist nach vorheriger Anmeldung kostenlos. „Nur für die Fernleihe erheben wir eine geringe Gebühr. Die Fernleihe wird von allen Altersgruppen genutzt. Studierende schätzen das ruhige Ambiente und kommen gerne zum Lernen oder für Gruppenarbeiten hierher.“

Hungrig auf Bücher

Sie kennen sicher das Gefühl, wenn Sie hungrig durch den Supermarkt gehen. Auf einmal sieht jedes Produkt unglaublich lecker aus und Sie könnten einfach alles in den Einkaufswagen werfen. So ergeht es mir zwischen all den Büchern. Hier mal die Nase reinstecken, dort den Einband befummeln, oh, „Hexenverfolgung“ – da steckt bestimmt eine spannende Idee für eine Geschichte drin… Professionelle Selbstbeherrschung und der Druck, dass das Parkticket bald abläuft, lassen mich nicht heimlich zwischen den Regalen verloren gehen. „Bibliotheken waren früher der Ort, an dem ich Informationen erhalten habe. Heute bekomme ich viele davon schneller und unmittelbarer. Dennoch ist in vielen Fällen eine Buchrecherche immer noch unerlässlich, auch können beispielsweise historische Zeitungen gute Quellen sein.

GESCHMACKSSACHE Heute erscheinen Reiseführer mit unterschiedlichen Schwerpunkten – für jedes Hobby der passende. Foto: Kathrin Engeroff

Bibliotheken prägen Orte

Auf unserer pfälzischen Literaturreise steht die Pfalzbibliothek stellvertretend für die vielen großen und kleinen Bibliotheken und Büchereien in der Pfalz. Sie sind Orte der Begegnung mit der Geschichtenwelt wie auch mit anderen Buchfreundinnen und -freunden. Sie sind fixe Literaturpunkte und prägen Teil des öffentlichen Lebens jeder größeren Gemeinde. Halten wir fest: Literatur prägt also durch Bibliotheken das Erscheinungsbild der Pfalz sowie das kulturelle Leben. Auf den letzten Punkt kommen wir später noch genauer zu sprechen.

PFÄLZISCH Mundart wird in der Pfalzbibliothek liebevoll gepflegt und in den Mittelpunkt gestellt. Foto: Kathrin Engeroff

Events kommen gut an

Um noch mehr Menschen für die Pfalz und Bücher zu begeistern, setzt die Pfalzbibliothek seit einigen Jahren auf Einzelevents mit verschiedenen Schwerpunkten. Von der klassischen Krimilesung bis zur Ausstellung zu einem historischen Thema. Bis zum 27. April 2024 ist momentan die Schau zur Revolution 1848/49 „… überall weht die schwarz roth goldene Freiheitsfahne“ zu sehen. 14 Tafeln sowie Anschauungsmaterial aus dem Bestand der Pfalzbibliothek im Lesesaal beschreiben die Vorgeschichte, den Verlauf und die Folgen der Revolution auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Es sind die Schriftstücke aus jener Zeit, die den Aufbruch in die demokratische Moderne auf verschiedene Weise nachempfinden lassen.

Umzug in neue Räume

Apropos Aufbruch: Die Pfalzbibliothek zieht vermutlich noch in diesem Jahr in die Fischerstraße in Kaiserslautern um. Die neuen Räume bieten mehr Platz für Ausstellungen, Veranstaltungen und vor allem für Medien: „Wir möchten den strengen Pfalzbezug erweitern, damit wir noch mehr Menschen mit unserem Angebot ansprechen. Im Bestand sollen künftig auch Themen Platz finden, die über die Pfalz hinaus politisch und gesellschaftlich wichtig sind, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit“, sagt Claudia Germann. Für die Diplom-Bibliothekarin ist es außerdem wichtig, etwa durch Gaming-Angebote auch Jugendlichen einen Raum in der Pfalzbibliothek zu bieten und – so der Wunsch – sie darüber für Bücher zu begeistern. Falls das nicht klappt, könnte sie die Kids wieder in den Keller führen. Nur ein Vorschlag am Rande, denn die Pfalzbibliothek zieht von einer ehemaligen Bank in die nächste – Tresorräume inbegriffen.

SCHÖN-SCHROFF Dem Romantiker Franz Weiß gefällt das wilde Land bei Falkenstein am Donnersberg besonders gut. Illustriert wurden seine Worte mit einem Aquarell des Landschaftsmalers Theodor Verhas. Repro: Gerhard Hofmann

Die romantische Pfalz

Doch wir gehen nun durch die hohe und nicht minder schwere Holztür nach draußen und schnuppern Stadtluft. Kaiserslautern liegt in der Pfalz so strategisch zentral, dass schon immer viel Durchgangsverkehr herrschte. Zum Leidwesen der Einwohner waren es viele Jahrhunderte lang vor allem Armeen, die hier zu diversen Kriegsschauplätzen durchzogen und die Stadt heimsuchten. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen dann auch die ersten Touristen dazu, die neugierig auf ein Abenteuer in diesem unbekannten Westen waren. Wir unternehmen nun bei unserer literarischen Reise einen Abstecher in diese Zeit und machen Bekanntschaft mit drei Literaten, die auf unterschiedliche Weise die Pfalz und Kaiserslautern beschrieben:

Georg Friedrich Blaul, 1838

Franz Weiß, 1840

August Becker, 1858

Ein Bild, das bleibt

Hier haben wir es mit zwei Spätromantikern und einem Realismus-Vertreter zu tun. Wie erging es Ihnen beim Lesen der Zitate? Ich musste bei Blaul herzhaft lachen, von Weiß‘ Sprache war ich entzückt und Becker verblüffte mich mit feinstem Marketing für die gesamte Pfalz. Während Bibliotheken sichtbar die Pfälzer Landschaften prägen, erschaffen Autorinnen und Autoren durch ihre Texte ein noch viel weitreichenderes Bild der Region in unseren Köpfen. So halten sich manche romantischen Motive bis heute. Oder?

DETAILFÜLLE Das Aquarell von Richard Höfle zeigt das Leben rund um Burg und Ort Frankenstein im 19. Jahrhundert. Repro: Gerhard Hofmann

Das Interesse nimmt zu

Wieso wir mit dem Pfalzbild in der Romantik starten und nicht schon vorher? Wenn doch bereits große Namen der deutschen Dichtkunst wie Schiller, Goethe oder Hölderlin viel früher mehr oder weniger charmante Worte für die Pfalz fanden? Zum einen sprechen wir historisch gesehen von der „Pfalz“ erst seit dem Jahr 1837 als der „Rheinkreis“ bei der Bildung der bayerischen Regierungsbezirke umbenannt wurde. Mit dem Hambacher Fest 1832 und der Revolution 1848/49 fallen zum anderen zwei bedeutende Ereignisse in diese Zeit, die neben der Namensgebung prägend für die neue Pfälzer Identität waren. Drittens wuchs mit dem allgemeinen auch das künstlerische Interesse an der Pfalz, wodurch sie erstmals im besonderen Maße selbst Gegenstand in der Literatur wurde. Mit den Werken von Blaul, Weiß und Becker haben wir Texte vor uns, die von Pfälzern mit viel Herz für Pfälzer geschrieben wurden.

KUNSTDRUCK-EXPERTE Gerhard Hofmann in seinem Atelier in Neustadt an der Weinstraße. Foto: Michael Dostal

Ein Ort für Romantiker

„Nicht als sachlicher Dokumentarist, sondern als sinnlicher Beobachter durchwanderte Blaul seine Heimat“, wie der Klappentext von „Träume und Schäume vom Rhein“ verkündet. Lesende empfinden die subjektiven Schilderungen als sehr authentisch. Die Pfalz bietet alles, was das Romantiker-Herz damals (und heute) höherschlagen ließ: dunkle Wälder, alte Burgen, Ruinen, Höhlen, Moore und andere Naturlandschaften. Ehrlich und humorvoll bis in die Federspitze sind auch die Schilderungen, die bis heute wenig an Aktualität eingebüßt haben und nicht in das romantische Bild passen:

Georg Friedrich Blaul, 1838:

Stahlstiche bei Franz Weiß

„Blaul nimmt die Leute mit seiner Art richtig mit“, sagt der Neustadter Künstler Gerhard Hofmann. Seine größere Bewunderung gilt allerdings dem Werk „Die malerische und romantische Pfalz“ von Franz Weiß, an dem namhafte Künstler mitwirkten. Diese Pfalzdarstellung ist laut Hofmann deshalb so attraktiv, weil hier erstmals nicht nur Wörter, sondern auch Illustrationen die Fantasie anregten. Die erste Auflage des 1840 im Verlag von August Hermann Gottschick in Neustadt an der Haardt erschienenen Buches enthielt 24 Stahlstiche. In der zweiten Auflage waren es neben dem Titelbild schon 62 Stahlstiche und in der dritten kamen noch zwei weitere hinzu. „Die Bebilderung war damals technisch eine richtige Herausforderung und finanziell eine große Unternehmung für den Verleger, so etwas zu riskieren“, beschreibt Hofmann. „Deshalb wurden für das Buch vor der Produktion zunächst Subskribenten gesucht, um zu sehen, wie viel Interesse da ist.“ Der poesievolle Reiseführer traf den Nerv der Zeit. „Die Ausstattung des Buchs mit 24 anspruchsvollen Stahlstichen bot einen besonderen Reiz bei der Lektüre“, schreibt Hofmann im Katalog zur am Buchtitel orientierten Ausstellung „Die malerische und romantische Pfalz“ in der Villa Böhm.

Franz Weiß, 1840

Herausforderung: Buchproduktion

BUCHDRUCK Im 19. Jahrhundert war die Buchproduktion technisch und finanziell eine Herausforderung. Foto: Marco Djallo/Unsplash

Franz Weiß stimmt seine Leserschaft schon mit den ersten Zeilen in der typischen romantischen Manier auf die Beschreibung seines Wander- und Reiseführers ein. Das Buch ist in der digitalen Bibliothek des Münchner Digitalisierungszentrums frei zugänglich. Mit ein paar Klicks kann es heruntergeladen werden. Als ich mich in das Lesen der Kurrentschrift reingefuchst hatte, fand ich richtig Spaß an der schwülstigen Sprache des Autors. Eines hatte ich, als sogenannter Digital Native, dabei im Wortsinn nicht auf dem Schirm: wie viel Arbeit damals alle Beteiligten in die Buchproduktion steckten. Klar kann ich die Schreibstunden des Autors am ehesten nachempfinden, aber dass das Buch in mehreren Teilen ausgeliefert wurde und man erst zum Buchbinder ging, als es komplett war, ist weit weg vom heutigen Verlagswesen. „Es ist schwierig sich vorzustellen, wie mühsam es war, ein Buch herzustellen. Die Bebilderung war damals technisch eine richtige Herausforderung“, ist Künstler Gerhard Hofmann, der selbst eine Radier- und Druckwerkstatt betreibt, von den damaligen Tiefdruckverfahren des Stahlstiches begeistert.

Die Branche im Wandel

Beeindruckend ist auch die rasante Entwicklung der Branche. Während Blaul noch ganz ohne bildhafte Unterstützung die Pfalz nur in Worten zeichnete, kamen bei Weiß die hochwertig und minutiös gearbeiteten Stahlstiche zum Einsatz und August Beckers Werk „Die Pfalz und die Pfälzer“ wurde wenige Jahre später mit Holzstichen bebildert, da die „billiger zu drucken waren“, sagt Hofmann und ergänzt: „Sie weisen aber nicht die Qualität von Stahlstichen auf.“ Ganz deutlich erkennt man daran, dass Schreibende und Künstlerinnen und Künstler immer vom Geist ihrer Zeit geprägt sind – inhaltlich, technisch und wirtschaftlich. August Becker war sich dahingehend seiner Aufgabe als Autor bewusst:

August Becker, 1858

Fragen, die bleiben

Sie haben wahrscheinlich gemerkt, dass ich ganz verliebt in die Art und Weise bin, wie diese drei Autoren vor rund 200 Jahren die Pfalz beschrieben haben. Sicherlich auch, weil mir bei ihren Schilderungen so vieles Vertrautes begegnet. Auf meine Frage, ob die drei Literaten mit ihren Werken den Grundstein für das heutige Bild der Pfalz legten, gibt es keine eindeutige Antwort. Einen gewissen Beitrag haben sie dazu geleistet – ja. Aber wie so oft ist das Thema vielschichtiger. Bevor wir uns auf unserer Reise in der Vergangenheit und in den „alten“ Geschichten verlieren, springen wir wieder zurück in die Gegenwart und sehen Parallelen.

WISSENSSCHATZ Das Erzählen von Geschichten spielt eine entscheidende Rolle für den evolutionären Erfolg und die kulturellen Errungenschaften des Menschen. Foto: Pierre Bamin/Unsplash

Von der Pfälzer Muse geküsst

„Die vielfältigen Eindrücke in der Pfalz lösen sofort den Impuls aus, das Erlebte kreativ verarbeiten zu wollen. Die Begegnung mit der Pfälzer Landschaft macht dich nicht sprachlos, sondern im Gegenteil, es fällt dir leicht, Worte zu finden“, beschreibt Autor Michael Landgraf das Verhältnis Pfälzer Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu ihrer Heimat. „Natürlich spielt beim Schreiben das, was du kennst und deine Heimat immer mit hinein.“ Der evangelische Theologe und Leiter des Religionspädagogische Zentrums der Evangelischen Kirche der Pfalz ist Autor von 140 Büchern. Neben Sach-, Schul- und Kinderbüchern schreibt er vor allem über die Pfalz. Diesen April erscheint von Michael Landgraf im Dudenverlag der Sprachführer „Pfälzisch: Alla hopp un uffbasse“. Darin spürt er auch der Frage nach, ob die Pfalz der Ausgangspunkt des Deutschen ist. „Im 9. Jahrhundert übersetzte der Mönch Otfrid von Weißenburg erstmals Teile der Bibel ins Rheinfränkische und nannte in einer Verteidigungsrede seine Sprache ,lingua teodisca’, also Deutsch“, berichtet Michael Landgraf. Otfrid von Weißenburg als erster namentlich bekannter deutscher Dichter nehme daher eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der frühen deutschen Literatur ein. Es wird vermutet, dass er aus der heutigen Südpfalz stammte und „er hat die Region auch beschrieben“.

Für jeden das passende Buch

Das Schreiben in einer gemeinsamen „Volkssprache“ ermöglicht es uns erst, Gedanken und Ideen festzuhalten, sie zu organisieren und mit anderen zu teilen. Das Geschriebene dient als Mittel zur Reflexion, zur Unterhaltung, zur Bildung und zur Dokumentation. Dafür wählen Autorinnen und Autoren bis heute unterschiedliche Genres und Darstellungsformen. Bei Michael Landgraf ist aktuell zum Beispiel der Reiseführer „Weinorte in der Pfalz“, der 2025 erscheint, in Arbeit. „Neustadt an der Weinstraße und seine Weindörfer. Der Reiseführer“, „Pfalz – Radeln für die Seele“ sowie „Glücksorte an der Deutschen Weinstraße. Fahr hin und werd‘ glücklich“ lauten die Titel seiner neuesten Bücher. All diese Reiseliteratur reiht sich in das Vermächtnis sämtlicher Veröffentlichungen seit Otfrid von Weißenburg in dem Punkt ein, dass auch dort die Schönheit der Pfalz belobigt wird. Die Leiterin der Pfalzbibliothek Claudia Germann macht bei modernen Werken jedoch folgenden Unterschied aus: „Heute werden Bücher und vor allem Reiseführer sehr zielgerichtet verfasst. Früher waren es eher subjektive, allgemeine Reisebeschreibungen, heute sind die Titel sehr speziell und es gibt für viele Bedürfnisse und Hobbys eigene Veröffentlichungen.“

Autor und Generalsekretär von PEN Deutschland Michael Landgraf. Foto: Foto: Juan Müller

Neuer Player: PEN Rhein-Neckar

Das Interesse an diesen regionalen Büchern für alle Fälle – von Reiseführern, über Krimis, Kochbücher und Romane – sei groß, bestätigen Germann und Landgraf. Die Pfalz ist dabei Hauptfigur, Schauplatz oder Inspirationsquelle. Und sie ist das Zuhause von vielen Autorinnen und Autoren. Kann man also von einer regen Literaturszene sprechen? „Rege auf jeden Fall. Die Literaturszene in der Pfalz ist recht groß und sehr engagiert“, sagt Bibliothekarin Germann. Michael Landgraf ergänzt: „Es ist etwas im Aufbruch. Wir haben vereinzelt sehr rege Gruppen, in Kirchheimbolanden oder Neustadt zum Beispiel. Es gibt in der Pfalz zwei klassische Player: den Literarischen Verein der Pfalz, ein Zusammenschluss von Literaturfreunden, auf der einen Seite und den Verband der deutschen Schriftsteller auf der anderen.“ Ganz neu ist seit einem Jahr die PEN-Regionalgruppe Rhein-Neckar. Das PEN-Zentrum Deutschland, die älteste Schriftstellervereinigung im Land, setzt sich für Literatur, Meinungsfreiheit und Völkerverständigung ein. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. „Um bei PEN aufgenommen zu werden, brauchst du bereits ein gewisses Standing als Schriftsteller sowie zwei Bürgen“, sagt Michael Landgraf, der seit 2018 Mitglied und seit zwei Jahren PEN-Generalsekretär ist. Ganz bewusst habe man bei der Regionalgruppe die Grenze nicht am Rhein gezogen, sondern die rechtsrheinische Kurpfalz dazu genommen. „Wir schätzen gerade diesen den Austausch, denn wir verstehen uns als eine pfälzische Kulturregion.“

POESIE ZUM PFLÜCKEN An verschiedenen Plätzen in Landau gibt es Gedichte und Kunst direkt zum Mitnehmen. Der rund 120 Mitglieder zählende Literarische Verein der Pfalz veröffentlicht jährlich drei Publikationen. Neben der Mitgliederzeitschrift sind es das Jahrbuch und der literarische Adventskalender. Foto: Literarischer Verein Pfalz/Peter Herzer

Der Literarische Verein der Pfalz

Feedback geben und nehmen ist dabei eine Kunst, die wie das Schreiben geübt sein will. Jeder, der einen literarischen Text verfasst oder ein Bild zeichnet, gibt in diesem Moment etwas sehr Persönliches von sich preis. Gefühle, Gedanken, Erfahrungen werden zu Wörtern und Farbe. Umso nervöser ist man vor einer Bewertung, wenn zum ersten Mal der Text oder das Bild von anderen Kunstschaffenden besprochen wird. „Sich diesem Austausch zu stellen, gehört zum kreativen Prozess dazu“, sagt Birgit Heid, erste Vorsitzende des Literarischen Vereins der Pfalz. Die Textbesprechung ist einer der Schwerpunkte des Vereins. Die Mitglieder treffen sich dafür regelmäßig, da „im persönlichen Miteinander sensibler auf die Autorinnen und Autoren eingegangen werden kann“. Die Landauerin Birgit Heid begann 2001 mit dem Schreiben und stieß 2013 zum Literarischen Verein. Er wurde 1878 als „Verein pfälzischer Schriftsteller, Künstler und Freunde von Kunst und Wissenschaft“ in Neustadt gegründet und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Wegzug von Literaten

Autorin und 1. Vorsitzende des literarischen Vereins der Pfalz. Foto: Privat

Heute gibt es Sektionen in Landau, Kaiserslautern und Speyer. „Wir nehmen jeden auf. Ganz gleich, auf welchem Niveau er schreibt. Der Verein möchte die vielseitige Literatur in der Pfalz fördern und pflegen“, betont Heid. „Je länger eine Gruppe besteht, desto besser wird das Niveau.“ In der Pfalz gebe es weitere Literatenzusammenschlüsse wie die Autorengruppe Zweibrücken oder die Literaturgruppe Wachtenburg-Donnersberg. Daneben gebe es eine ganze Reihe Pfälzer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im „Brot-und-Butter-Genre“, dem Krimi, zu Hause sind und leichte Unterhaltungsgeschichten schreiben. „Die Pfalz hatte historisch betrachtet nicht die Möglichkeit, eine richtige literarische Hochburg zu werden“, schildert Birgit Heid. „Das Leben hier war lange geprägt von Kriegen, Besatzungen, Armut und Auswanderungswellen. Das alles hat nicht zu ruhigeren Fahrwassern beigetragen, um sich eingehend und kreativ mit den Fragen des Lebens zu beschäftigen.“ Michael Landgraf ergänzt, dass die Pfalz bis heute einen „Provinzialität-Touch“ habe und viele Pfälzer Literaten daher in größere Städte, allen voran nach Berlin, wegziehen.

Lesen ist Genuss

Wenn man sich wie wir auf eine literarische Reise durch die Pfalz begibt, findet man dennoch für jeden Geschmack eine „Einkehrmöglichkeit“. Es gibt nicht allzu viele, aber es gibt sie, die literarischen Sternerestaurants. Die Wahl-Pfälzer Rafik Shami oder Guido Dickmann bereiten beispielsweise erstklassige Romane zu. Pfälzer Urgesteine wie Wolfgang Diehl, der 2023 den Lebenswerkpreis für Literatur des Bezirksverbands Pfalz erhielt, kocht mit viel Liebe und Scharfsinn überaus schmackhafte, regionale „Buchstabeneintöpfe“. Mundart-Autoren wie Norbert Schneider servieren „Typisch Pfalz“ und Krimi-Autoren wie Harald Schneider oder Gina Greifenstein reichen Pfälzer Häppchen für Zwischendurch. Es entsteht ein reichhaltiges Menü, das so variantenreich wie der Literatur-Begriff selbst ist.

Pfälzer Literaturfeste

Das Schreiben wird in der Pfalz gefördert und gefeiert: bei der literarischen Reihe „Speyer.Lit – Lesung. Performance. Livemusik“, bei den Landauer Büchereitagen, beim Literaturfestival in Kaiserslautern, bei den Donnersberger Literaturtagen oder beim Burgund-Literatur-Stipendium im Künstlerhaus Edenkoben. Seit 1978 gibt es außerdem in Deidesheim die Turmschreiberei. Die „Stiftung zur Förderung der Literatur in der Pfalz“ fördert Autorinnen und Autoren, die vier Wochen in Deidesheim wohnen, „pfalzbezogen“ arbeiten und das Ergebnis publizieren. Durch diese Events und Förderungen wird das Bild der Pfalz literarisch weiter fortgeschrieben. Sie sind eine Bereicherung für das kulturelle Leben der Region.

ORT DER BEGEGNUNG Das Freinsheimer Backhaus war beim literarischen Spaziergang 2023 in mehrfacher Hinsicht ein Ort, an dem sich Menschen und Geschichten begegneten. Foto: Kathrin Engeroff

Unterwegs in den Gassen

Die Tulpen blühen gelb und rosa im Retzerpark. Die Amsel singt vom Giebel laut ihr Lied, Meisen zwitschern dazwischen. Es ist ein milder Frühlingsabend im Mai – wie er im Buche steht. An der alten Sandsteinmauer im Schatten der austreibenden Bäume begegnen sich zwei Dutzend Literaturfreunde. Manche das erste Mal, manche sind seit Jahrzenten Weggefährten. Gemeinsam gehen sie nun durch die historischen Gassen Freinsheims. Die Orte, die sie besuchen werden, sind Ausgangspunkte für noch tiefer gehende Begegnungen. Die Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Waltraud Amberger nimmt mich 2023 während der Freinsheimer Lese mit auf diesen literarischen Spaziergang.

Begegnungen in der Literatur

„In der Literatur eröffnet sich uns ein Geflecht an Begegnungen: mit uns selbst, mit den Figuren, mit den Autorinnen und Autoren, mit Orten und Zeiten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geben sich dort die Hand“, sagt Waltraud Amberger. Um den Bogen zur realen Welt zu spannen, machen wir auf der Runde bewusst Station an Begegnungsorten wie der protestantischen Kirche, der ehemaligen Synagoge oder am Backhaus an der Stadtmauer. Wir suchen Antworten auf die Frage: Was macht eine Begegnung zu einer Begegnung? Wir treffen auf fiktive Romanfiguren, Geschichten, Poesie und Prosa aus zwei Jahrhunderten. Waltraud Amberger trägt Texte, Ideen und Gedanken vor oder lässt eigens eingespielte Aufnahmen für sie sprechen. Hilde Domin kommt zu Wort, Christa Wolf und Jean Paul Sartre, Stanislaw Lec, Herta Müller und natürlich Hermann Sinsheimer.

BEWEGT Der literarische Spaziergang führt durch die historischen Gassen Freinsheims. Foto: Kathrin Engeroff

Im Mai verbindet sich in Freinsheim Literaturgenuss mit Kunst, Musik und Bewegung. Letzteres ist auch das diesjährige Motto der Veranstaltungen. Um „Bewegungen“ aller Art geht es bei der Weinbergwanderung mit Hasan Özdemir, Hans Till und Barbara Zeman, bei der Schreibwerkstatt, die Selene Mariani und Danilo Fioriti leiten, beim begleitenden Textwettbewerb, bei den vielen Lesungen, etwa mit Rafik Schami, oder beim Kindertheater und Literaturfest mit Musik. Die Literarische Lese ist Teil des Kultursommers Rheinland-Pfalz.

Info
Literarische Lese, verschiedene Orte in Freinsheim, 10. bis 26. Mai, das komplette Programm sowie weitere Infos finden sich unter literarische-lese-freinsheim.de

Weltoffenes Kulturprogramm

Durch den gebürtigen Freinsheimer Hermann Sinsheimer ist der Weinort in der literarischen Welt bekannt. Der Jurist, Journalist, Theaterkritiker und Schriftsteller musste wegen seiner jüdischen Herkunft aus Nazideutschland fliehen. „Zu seinen Ehren verleiht die Stadt Freinsheim seit 1983 den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik und die gleichnamige-Plakette im Wechsel. Dieser Kontext spielt bei der literarischen Lese stets eine besondere Rolle“, heißt es im Veranstaltungskonzept. „Hermann Sinsheimers Werken und seine anspruchsvollen Texte prägen die Freinsheimer Lese noch immer“, sagt Mitorganisatorin Waltraud Amberger. Die Veranstaltungsreihe verbinde heute darüber hinaus Literatur mit Film, Bildender Kunst und Musik, sodass ein zeitgenössisches, fröhliches und weltoffenes Kulturprogramm entstehe. Passend zur Fortentwicklung der literarischen Landschaft (der Pfalz) lautet das diesjährige Motto der Literarischen Lese „Bewegungen“.

Warum lesen wir?

Immer wenn sich die Gruppe an jenem Abend im Mai wieder in Bewegung setzt und sich aufmacht zur nächsten unerwarteten Begegnung, fühle ich mich, als würde ich zum ersten Mal durch Freinsheim ziehen. Dabei ging ich die Straße in etlichen Mittagspausen oder bei sämtlichen Festen oft auf und ab. Doch nun sind sie eingebettet wie eine Brücke in verschiedene Gedankenwelten. Ich merke, wie viele der Teilnehmenden sich wie ich eine Zeitlang darin verlieren und die gehörten Worte nachklingen lassen. Waltraud Amberger stellt während des Spaziergangs auch die Frage: „Warum lesen wir?“ Eine Antwort darauf: „Wir suchen die Begegnung mit dem Unbekannten, mit den anderen. In Büchern begegnen wir uns an Orten, an denen wir nie waren. Literatur verbindet Orte mit Geschichten.“

Foto: Pricilla du Preez/Unsplash

In der Pfalz sein

In dieser Titelgeschichte sind Sie mir und meinen Gedanken an literarische Orte der Pfalz gefolgt, haben Pfälzer Autoren und ihr Bild der Pfalz aus dem 19. Jahrhundert kennengelernt, haben einen Eindruck von der zeitgenössischen Literaturlandschaft bekommen. Bei weitem haben wir nicht alle Ecken erkundet. Doch unsere literarische Reise muss an dieser Stelle nicht enden. Denn in der Welt der Bücher finden wir nicht nur Geschichten, sondern auch Erkenntnis, Inspiration, Trost und die Essenz dessen, was es bedeutet, Mensch – und in der Pfalz – zu sein.

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Hirtenwege

Naturschützer auf vier Beinen

Eine einzigartige Kulturlandschaft erhalten. So lässt sich ein zentrales Ziel des Projektes „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ kurz und knapp beschreiben. Bald beginnt die Umsetzungsphase. Eine zentrale Rolle spielen dabei „tierische Rasenmäher“, die gleichzeitig als „Samentaxis“ unterwegs sind.

Schafherde im Pfälzerwald
Foto: Norman Krauß

Wiesen und Weiden sind wertvolle Lebensräume. Hier gedeihen seltene Gräser, Kräuter oder Orchideen. Hier leben Bienen, Libellen, Schmetterlinge, Heuschrecken und Käfer in großer Zahl. Diese enorme Vielfalt ist jedoch bedroht, weil solche Orte verbuschen oder mit Wald überwachsen. Mit dem Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ wird gegengesteuert (siehe auch unsere Titelgeschichte „Ein neuer Anfang am Ende des Weges“ in der Ausgabe 5/2019). Die Organisatoren des Projektes, dessen offizieller Start im April 2018 war, sind jetzt in den Startlöchern, um mit der Umsetzung zu beginnen.

Landschaft offenhalten

Ein Blick zurück: Um dem Pfälzerwald als besonderem Naturraum Schutz zukommen zu lassen, machte ihn die Unesco 1992 zum Biosphärenreservat. Im Pfälzerwald soll so eine nachhaltige Entwicklung vorbildlich verwirklicht werden. 1998 ist das in Schutz genommene Gebiet grenzüberschreitend ausgeweitet und so zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen geworden. Dessen Status wurde zuletzt 2022 geprüft, bestätigt und 2023 um weitere zehn Jahre verlängert. Eines der Ziele ist dabei die Offenhaltung der Landschaft. Träger der damit verbundenen Aktivitäten ist auf deutscher Seite der Bezirksverband Pfalz. Die Umsetzungsarbeiten organisiert ein Team in Lambrecht. Zu den wichtigsten Vorhaben gehört dabei das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“.

AUF WANDERSCHAFT Christian Ruther ist regelmäßig mit seiner Herde im Pfälzerwald unterwegs. Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen

Biotope vernetzen

Mit dem Beginn der Umsetzungsphase soll es ab Frühsommer 2024 darum gehen, in einem 8200 Hektar großen Fördergebiet neue Offenlandbiotope freizulegen und miteinander zu vernetzen. Es geht konkret um die Weideflächen Dahn-Annweiler Felsenland, Dahner Felsenland, nördliche Oberhaardt und Neustädter Gebirgsrand, südliche Oberhaardt und Queichtal, Tal Pfälzerwald, Unterhaardt und Grünstadter Berg sowie um Gebiete im westlichen und südwestlichen Pfälzerwald. Verbuschte und zugewachsene Flächen sollen wieder zu dem werden, was sie einmal waren: Streuobstwiesen, Feuchtwiesen, Blumenwiesen und Auen mit großer Artenvielfalt.

Schäfer und Schafe als Helfer

Wichtige Partner und Akteure sind dabei Schäfer, die mit ihren Herden für eine großflächige Beweidung sorgen. Vorgesehen sind ergänzend auch extensive Beweidungen mit Rindern und Ziegen. Zu den Maßnahmen, die das Hirtenwege-Team plant, gehören das Sichern, der Wiederaufbau und die Freilegung von zugewachsenen Trockenmauern. Damit schützt und kreiert man Lebensräume für Farne, Zwergglockenblumen sowie Zaun- und Mauereidechsen. Projektleiter Helmut Schuler erklärt: „Als zuverlässige und verbindliche Handlungsorientierung haben wir einen ausführlichen Pflege- und Entwicklungsplan ausgearbeitet.“ Er enthalte zum Beispiel eine Biotoptypenkartierung mit Lebensräumen von Vögeln, Fledermäusen, Käfern, Libellen und anderen Insekten. Zudem gebe der Leitfaden vor, was, wo und wann unternommen werden soll. Dazu zählten, so Schuler weiter, etwa das Abholzen und Umwandeln von Vorwald in Grünland sowie „die Erstpflege von Brachen durch Entbuschen, Mulchen und Initialbeweidung“.

IN WARTESTELLUNG Sobald der Vorwald in Grünland umgewandelt ist, können die Schafe loslegen. Foto: Norman Krauß

Die Suche nach Beweidern

Bei den Vorbereitungsarbeiten waren viele Details zu beachten. So musste die Projektleitung beim Erwerb und der Anpachtung von circa 80 Einzelflächen mit vielen unterschiedlichen Eigentümern korrespondieren und entsprechende Einigungen erzielen. Zu den Herausforderungen zählte und zählt es auch, innerhalb des Fördergebietes geeignete Beweider zu finden. Schuler erläutert: „Es gibt Regionen, in denen sich mehrere Tierhalter, darunter auch Hobbytierhalter, mit ihren Weidetieren gerne aufhalten und sich zum Teil Konkurrenz machen, während andere Regionen unversorgt bleiben, weil niemand dorthin will. Da müssen wir durch entsprechende Angebote und Abstimmungsbemühungen ausgleichend steuern.“

Ausgedehnte Weidegebiete

Regelmäßig mit seiner Herde im Pfälzerwald unterwegs ist zum Beispiel Wanderschäfer Christian Ruther aus Iggelbach (Landkreis Bad Dürkheim). Wenn er sich mit rund 400 Tieren auf den Weg macht, ergibt dies beeindruckende Bilder. Auch Georg Dauber hat mit seinen 66 Jahren als Wanderschäfer viele Kilometer zu Fuß hinter sich gebracht. Er wohnt im Örtchen Nothweiler (Landkreis Südwestpfalz) an der deutsch-elsässischen Grenze. Bis ins Jahr 2008 half seine Frau Astrid bei der Schafhaltung mit. Nach schwerer Erkrankung ging das nicht mehr. Seither ist der Alltag Daubers von frühmorgens bis spätabends mit Arbeit gefüllt. Im Jahr 2004 lag das erste Weidegebiet auf der Strecke von Bruchweiler über Salzwoog, Münchweiler und weiter Richtung Rodalben, Clausen, Merzalben, Leimen bis ins Tal Richtung Johanniskreuz. Heute läuft er so weite Strecken nicht mehr.

SAMENTAXIS Auch Schafe von Georg Dauber tragen zur Artenvielfalt bei. Foto: Norman Krauß

Schafswolle als Samenspeicher

Dauber will am Projekt der neuen Hirtenwege teilnehmen und mit seinen Schafen für die Flächenfreihaltung von 50 Hektar sorgen. Als Kenner der Natur ist ihm der Nutzen dieses Hirtenweg-Projekts sofort präsent: „Die Schafe laufen durch hohes Gras und nehmen dabei Samen in die Wolle auf. So transportieren sie Millionen von Samen in andere Gebiete. Bei den kleinen Bäumen fressen Schafe die Triebe ab und verhindern so, dass Täler und Wiesen zuwachsen. Somit entsteht mehr Lebensraum für Insekten, und die locken wiederum Vögel an.“ Mittlerweile haben die meisten Schäfer ihr Revier aber nahe am eigenen Wohnort, um das harte Leben von Wanderschäfern zu meiden. Man merkt schnell, dass Wiesen und Täler das wirkliche Zuhause von Georg Dauber sind. Maßgaben, die er von den Behörden, Veterinärämtern und Förderstellen befolgen muss, beschimpft er vehement als „Überregulierung“. Und man will es ihm glauben. Auch der Preisverfall der Wolle macht ihm zu schaffen. Das Scheren der Schafe koste oft mehr, als die geschorene Wolle später einbringe. Dem Biosphärenreservat gegenüber äußert Georg Dauber Dank für Zuschüsse, die sein Leben mit den Schafen erleichtern würden.

Idylle als Trugschluss

Auch die junge Wanderschäferin Anne Mottl aus Rumbach (Landkreis Südwestpfalz) weiß, dass alle idyllischen Vorstellungen in Bezug auf ihren Beruf trügen. Als Kind einer Schäferin und eines Schäfers ist sie mit allen Licht- und Schattenseiten dieses Berufs vertraut. Er bedeute nicht, „dass man sich den ganzen Tag seines Lebens freut und auf den Schäferstock gelehnt den Tag genießt.“ Es gelte vielmehr, tagein und tagaus mit den Tieren zu sein – bei Wind, Regen und eisiger Kälte und bei brütender Hitze.“ Für den Winter müsse Heu und Getreide im Stall eingebracht werden. Auch beim Lammen und der frühen Aufzucht in den Winter- und Frühlingsmonaten seien Aufmerksamkeit und Hilfe des Schäfers und der Schäferin gefragt. Das Scheren im Frühjahr koste ebenfalls Zeit und Geld.

BEI DER ARBEIT Die Schafe von Anne Mottl im „Rasenmäher“-Einsatz. Foto: Norman Krauß

Bürokratie als Zeitfresser

Als besondere Bürde empfindet Anne Mottl aber vor allem die zunehmende Bürokratie. „Büroarbeiten mit Meldepflichten, Antragsformularen, erforderlichen Nachweisen und anderem Papierkram fressen einen viel zu großen Teil meiner Zeit“, kritisiert sie. So musste Mottl eine Herde von 500 Mutterschafen auf derzeit 250 Tiere reduzieren, wofür sie hauptsächlich den Mangel an zusammenhängender Weidefläche verantwortlich macht. Außerdem habe sie es mehrmals erlebt, dass „Hobbytierhalter einem die bitternötige Weidefläche, die man jahrelang bewirtschaftete, nicht gönnen.“ Deshalb verbindet sie mit dem Projekt „Neue Hirtenwege“ auch etwas Hoffnung auf eine positive Wende. Trotz aller Widrigkeiten liebt und lebt sie ihren Beruf: „Auch wenn mein Weg bisher recht steinig war, macht mir das Leben mit den Tieren Mut und Spaß. Ich erlebe eigentlich täglich sehr schöne Momente. Zum Beispiel dann, wenn ich bei Geburten behilflich sein kann, oder auch, wenn im Frühling die Tiere ins saftige Grün ausschwärmen und sichtbar zufrieden sind.“

Warten auf grünes Licht

Zu den Kernpunkten der nun anstehenden Umsetzungsphase des Projekts „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ gehören die Sicherung der Maßnahmenflächen durch Ankauf oder Pacht sowie die Abstimmung und Entwicklung der Umsetzung mit allen Projektbeteiligten. Projektleiter Schuler freut sich über „die hohe Akzeptanz, die das Projekt bei allen Akteuren gewinnen konnte“. So sei die Vernetzung und Flächensicherung für eine anschließende Beweidung mit den betroffenen Kommunen einvernehmlich abgestimmt. Regelmäßige Besuche von Gruppen aus anderen Regionen Deutschlands würden deutlich zeigen, dass dem Projekt im Pfälzerwald eine Vorbildfunktion zukomme. Jetzt erwartet man freudig das grüne Licht für die Umsetzungsphase.

Termintipp: Schäferfest

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Natürlich gärtnern

„Was passt zu mir?“

Ein Duft von Lavendelthymian begleitet uns durch das Gespräch mit dem Biogärtner und Kräuterexperten Yves Frey. Im Interview erfahren wir, wie man die perfekten Kräuter für den eigenen Garten oder Balkon auswählt, und erhalten praktische Tipps für den Anbau. Denn Kräuter machen optisch nicht nur was her, sie sind auch als Mischkultur ideal, um Gemüsepflanzen zu stärken. Außerdem sind sie einfach lecker.

Foto: Elias Morr Unsplash

Herr Frey, wie wählt man am besten Kräuter für den eigenen Garten aus?

Am sinnvollsten ist es, zu überlegen: Welche Gerüche mag ich? Was koche ich am liebsten? Bin ich Fleischesser? Ich finde es wichtig, dass die Kräuter, die ich anbaue, auch in der Küche Verwendung finden. Ein Lavendelthymian passt zum Beispiel super zum Braten. Da sind wir beim nächsten Punkt: Allein beim Thymian gibt es zwölf verschiedene Sorten. Die Kräutervielfalt ist vielen gar nicht bewusst. Ich ermutige meine Kunden immer, an den Kräutern zu riechen und sie zu probieren. Wenn ich weiß, was zu mir passt, dann kann ich anschließend meine Pflanzen zusammenstellen oder in Gartenbaubetriebe gehen und mich noch genauer beraten lassen.

Wo baue ich denn Kräuter am besten an? Im Garten? Auf dem Balkon?

Auf jeden Fall nah am Haus, damit ich beim Kochen kurz rausgehen, Kräuter holen und direkt weitermachen kann. Die meisten Kräuter haben keine tiefe Wurzelbildung, weswegen ich sie im Topf oder in der Schale anbauen kann. In eine mittelgroße Schale passen drei bis vier Kräuter – Oregano, Thymian und Pimpinelle zum Beispiel. Von Rosmarin oder Salbei wiederum habe ich mehr, wenn ich sie ins Beet pflanze. Die südländischen Kräuter stelle oder setze ich an sonnige Standorte. Schnittlauch, Minze oder Petersilie wollen etwas weniger Sonne.

Biogärtner Yves Frey bei der Kräuterbewässerung. Foto: Privat

„Hier geht alles Hand in Hand mit der Natur“, lautet das Motto von Yves Frey aus Höheinöd. Der Gärtner hat in einem ökologischen Betrieb gelernt und sich 2016 im Gartenbau mit „Kräuter-Art“ selbstständig gemacht. Zwei Jahre später erhielt er die Biozertifizierung. Mit seinen Kräutern ist der Westpfälzer auf den Wochenmärkten in Rockenhausen und Pirmasens unterwegs. Er hält Vorträge über naturnahes Gärtnern, bietet Kräuterführungen und Seminare an oder gestaltet naturnahe Gärten. Wildkräuter und Vielfalt spielen für ihn eine große Rolle und er setzt sich für deren Erhalt ein – unter anderem als Mitglied im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. [ayß]

Info: kraeuter-art.de

Gibt es ähnlich wie beim Gemüse Kräuter, die sich nicht verstehen?

VOLLES AROMA Beim Trocknen von Kräutern konzentrieren
sich ätherische Öle in den Pflanzen. Foto: Priscilla du Preez/Unsplash

Wer sich gar nicht mit anderen verträgt, ist Petersilie. Sie steht gerne allein. Hier lässt man am besten 60 Zentimeter Platz zum Nachbarn. Ich hatte schon mal Schnittlauch und Petersilie testweise zusammen in einem Kübel. Das ging ein Jahr lang gut, dann war es vorbei. Die anderen Kräuter passen zusammen.

Kräuter eignen sich auch gut für die Mischkultur mit Gemüse, oder?

Ja, genau. Kräuter können eine positive Wirkung auf Gemüsepflanzen und ihr Wachstum haben. Gute Kombinationen sind zum Beispiel: Bohnenkraut zu Bohnen, Basilikum und Kerbel zu Tomaten, Dill zu Gurken. Im Bioanbau werden Kräuter auch bewusst zur Schädlingsabwehr gepflanzt. Kapuzinerkresse, in Töpfe gepflanzt und zwischen die Reihen gestellt oder direkt mit ins Beet, fängt Schädlinge wie Läuse ab und die Kultur bleibt sauber.

Welche Ansprüche stellen Kräuter noch?

Sie sind eigentlich ganz pflegeleicht. Wenn man Gemüsebeete mit Kompost oberflächlich anreichert oder Kompost mit ins Pflanzloch gibt, sind die Nährstoffe für die Saison ausreichend. Kräuter brauchen wenig Wasser und kommen in der Regel mit trockenen Phasen gut zurecht. Lieber einmal gut unten reingießen, im Sommer am besten frühmorgens, und die Kräuter dann wieder für eine Weile vergessen. Die Pflanze merkt sich das, wenn sie öfter gegossen wird, und bildet dann keine tiefen, stabilen Wurzeln aus. Sollten Kräuter von Schädlingen befallen sein, setzen wir im ökologischen Landbau nur Brennnesseljauche zur Abwehr ein.

Thymian
Thymian. Fotos: Anja Junghans/Unsplash
Schnittlauch. Foto: Brittney Strange/Unsplash
Ringelblume. Foto: Hans/Pixabay

Welche Kräuter eignen sich zum Trocknen?
Estragon | Kamille | lavendel | Majoran | Minze |
Oregano | Salbei | Thymian | Ysop

Welche Kräuter besser NICHT trocknen?
Borretsch | Kresse | Liebstöckel (Maggikraut) |
Pimpinelle | Tripmadam | Sauerampfer

Welche Kräuter eignen sich zum Einfrieren?
Bohnenkraut | Borretsch | Dill | Koriander |
Liebstöckel | Petersilie | Schnittlauch

Welche Kräuter besser NICHT einfrieren?
Basilikum | Brunnenkresse | Oregano |
Pimpinelle | Salbei | Thymian

Gute Kräuter-Gemüse-Mischkulturen:
Basilikum: zu Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini
Bohnenkraut: zu Bohnen, Salat, rote Bete
Dill: zu Gurken, Möhren, rote Bete, Zwiebeln, Salat, Erdbeeren
Knoblauch: zu Tomaten, Salat, Erdbeeren, Rosen
Pfefferminze: gut für Kohlarten
Ringelblumen: geeignet für nahezu alle Gemüsesorten und Salate
Rosmarin: zu Kohl und Möhren
Salbei: gut für alle Kohlarten
Thymian: zu Kohl und Salat

Wann ist der ideale Zeitpunkt, Kräuter zu pflanzen?

April und Mai ist absolute Hochsaison. Alles Einjährige und auch Mehrjähriges kann jetzt frisch ausgesetzt werden. Im September beginnt dann noch mal die Saison für die mehrjährigen Kräuter wie Rosmarin, Oregano oder Majoran. Die Kräuter, die über den Winter grün bleiben wie Salbei, können weiter geerntet werden. Rosmarin muss man auch nicht mehr unbedingt einpacken. Denn unsere Winter sind zu nass, weshalb die Pflanzen eher zerfallen, statt erfrieren. Pflanzen leiden mittlerweile auch im Winter extrem.

Rosmarin. Babette Landmesser/Unsplash

Apropos Winter: Wie konserviere ich am besten meine Sommerernte, um von den Kräutern im Winter etwas zu haben?

Einige Kräuter lassen sich gut einfrieren: Petersilie, Schnittlauch, Liebstöckel, Dill, Koriander oder Bohnenkraut. Die Kräuter dafür ernten, waschen, trocken tupfen und luftdicht ganz frisch einfrieren. Eine der schonendsten Varianten zur Konservierung ist das Trocknen. Einige Kräuter entfalten ihr volles Aroma sogar erst nach dem Trocknen, da sich während des Trocknungsprozesses die ätherischen Öle in den Pflanzen konzentrieren. Dazu gehören Rosmarin, Minze, Thymian oder Salbei. Andere Kräuter verlieren nach dem Pflücken schnell ihr Aroma, zum Beispiel Pimpinelle oder Borretsch, und eignen sich daher nicht zum Trocknen.

Was ist Ihr Tipp für Kräuteranfänger oder neu Biogärtner?

Sich trauen, etwas Neues auszuprobieren – auch in der Küche – und sich immer fragen: Was passt zu mir?

„Natürlich gärtnern“ heißt die VielPfalz-Serie. Experten aus der Pfalz geben Tipps, wie der Ein- oder Umstieg zum naturnahen Gärtnern gelingt. Bereits erschienen: Gemüseanbau (Ausgabe 2/2022), Schädlinge und Krankheiten (3/2022), eigenes Saatgut vermehren (4/2022), Bäume und Gehölze pflanzen (5/2022), Der Garten im Winter (6/2022), Hühner und Co. im Garten halten (1/2023), Permakultur (2/2023), Wassermanagement (3/2023), Das heimische Wildstaudenbeet (4/2023), Bokashi und Kompost (5/2023), Microgreens (6/2023) und Gartengestaltung (1/2024).

Mehr Natürlich Gärtnern

Veranstaltungs­tipps

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Pfälzer Außenposten

Überall viel Pfalz

Berlin, Detmold, Dresden, München oder Eckernförde: Hier werden mit viel Herzblut traditionsreiche Pfälzer Weinstuben geführt. Die Gastronominnen und Gastronomen bringen Pfälzer Lebensfreude in die Städte, süddeutschen Genuss ins Glas und auf den Teller. Eine Rundreise.

Foto: Cornelia Herber

Herzliches Lachen, munteres Stimmengewirr – ein Gefühl von Wärme empfängt jeden Gast beim Betreten der Weinstube „Römer und Wein“ in Eckernförde. Hier sitzt die nördlichste pfälzische Weinstube Deutschlands. Genauso hatte Inhaber Uwe Römer sich das vorgestellt. Einen Ort zum Wohlfühlen. Einen Ort der Geselligkeit. „Hier, wo Weinstube ein Fremdwort ist und kulinarische Wüste herrscht“, meint der 60-Jährige mit einem Augenzwinkern. Natürlich gibt es auch eine gute Küche im Norden, weiß der gebürtige Ludwigsburger. Pfälzer Spezialitäten findet man jedoch eher selten bis gar nicht. Das änderte er vor nunmehr 16 Jahren und eröffnete seine Weinstube direkt an der Ostsee. „Bei uns vereinen sich süddeutsche Lebensfreude und norddeutsches Temperament. Genau wie meine Frau und ich“, sagt der Gastronom schmunzelnd. Seine Frau Astrid stammt aus Kiel und hat die Weinstube gemeinsam mit ihm aufgebaut. „Ohne ihre Unterstützung hätte das nicht geklappt.“

Astrid und Uwe Römer in Eckernförde
Astrid und Uwe Römer in Eckernförde. Foto: Römer und Wein Eckernförde

Römer, Wein und der Norden

Uwe Römer ist weder gebürtiger Schleswig-Holsteiner noch gebürtiger Pfälzer. Eckernförde kannte er aus dem Urlaub. Sein Herz schlägt schon lange für die Pfalz, wie er selbst sagt. „Ich habe seit ich denken kann Verwandtschaft dort gehabt und selbst zwölf Jahre in Burrweiler und Nußdorf gelebt. Die Menschen in der Pfalz sind einfach sehr herzlich“, schwärmt er. Bis heute würden seine engsten Freunde an diesem besonderen Fleckchen Erde leben. Römer reist nach wie vor mehrmals pro Jahr in die Südpfalz. Nicht nur, um seine Freundschaften zu pflegen, sondern auch die engen Kontakte zu seinen befreundeten Winzern. Von ihnen bezieht er den Wein für seine Weinstube direkt und verkauft ihn teilweise auch dort. Ebenso wie die typischen Pfälzer Dubbegläser. 90 Prozent der Weine, die er anbietet, sind aus der Pfalz – alle aus Biolandanbau. Das war Uwe Römer von Anfang an wichtig. Genau wie das Arbeiten ohne Zwischenhändler.

Innenansicht vom "Römer und Wein" Eckernförde
AUSLESE Uwe Renner kennt fast alle Winzerinnen und Winzer persönlich, deren Wein er ausschenkt. Foto: Römer und Wein Eckernförde

Selfmade-Gastgeber

Der gelernte Mediengestalter hat sich als Quereinsteiger alles selbst beigebracht. Das Weinwissen eignete er sich bei Winzern und Kellermeistern in der Pfalz sowie über Fachliteratur an. Und auch in der Küche probiert er sich aus. Ob Schmalz, Quiche oder Flammkuchen: Die Speisekarte des „Römer und Wein“ beinhaltet ein festes Stammrepertoire. Dazu gehören natürlich auch Bratwurst und Saumagen. Hinzu kommt eine an Jahreszeiten angepasste Karte sowie immer mal das eine oder andere Extra. „Ich probiere gerne was Neues aus“, erzählt der Gastwirt. „Letztendlich zählt für mich, dass es schmeckt.“

FLAGGE ZEIGEN Der gebürtige Pfälzer bringt den Geschmack seiner Heimat auf den Teller und ins Glas. Foto: Römer und Wein Eckernförde

Weinstube mit Auszeichnung

2010 wurde das „Römer und Wein“ sogar mit dem goldenen Rebblatt beim Gastronomiewettbewerb der Südlichen Weinstraße ausgezeichnet. Trotz großer Beliebtheit und vieler Stammgäste hofft der Gastwirt, dass sein Betrieb die kommenden Jahre weiter Bestand hat. Denn für so eine kleine Weinstube sei die Kostensteigerung massiv. In einem Urlaubsort wie Eckernförde würden dazu saisonal Arbeitskräfte fehlen. Das seien Herausforderungen, die bei allem Schönen ebenso dazugehören. Doch Uwe Römer lässt sich immer wieder etwas einfallen. So bietet er regelmäßig Weinproben an. Es gibt Feste und Konzertspecials. Ein guter Freund und Gast ist Musiker Willi Brausch aus Frankenthal in der Pfalz. Seit mehr als zehn Jahren pflegen die beiden eine enge Verbindung.

Ehrlichkeit ohne Schnickschnack

Eine Sache gab es im Römer und Wein allerdings noch nie: Softdrinks. Stattdessen gibt es die Pfälzer Schorle im Schobbeglas. Die Stammgäste lieben die Ehrlichkeit ohne Schnickschnack. Die Gemütlichkeit. Die Möglichkeit, ein gutes Glas Pfälzer Wein und etwas Leckeres zu essen zu genießen. 35 Plätze bietet der Innenbereich. Im Sommer lässt es sich auch gut draußen vor der Weinstube und im Innenhof verweilen. Und wenn der Wind vom Meer zu sehr aufkommt, gibt es auch mal eine extra Decke. Persönlich überreicht vom Chef. Das ist Service mit Herz. So lebt und liebt es Uwe Römer. „Wir sind hier in Eckernförde eine kleine Institution geworden“, die der Pfalzliebhaber gerne noch eine ganze Zeit aufrechterhalten möchte. Sein Traum: Irgendwann einen Nachfolger zu finden und dann, ja dann spielt er mit dem Gedanken, seinen Lebensabend in der Pfalz zu genießen.

STANDFEST Die Kurpfalz-Weinstuben in Berlin haben in den vergangenen 90 Jahre so mancher Wende in Berlin getrotzt. Foto: Kurpfalz Weinstuben

Zu Gast in Berlin

Vom Norden geht es in die Hauptstadt. Genauer gesagt an den Adenauerplatz. Hier behaupten sich die Kurpfalz-Weinstuben seit fast 90 Jahren. Seit acht Jahren liegt ihr Schicksal in den Händen von Vincenzo Berényi. „Das war schon eine Nummer, als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, die Weinstuben zu übernehmen. Da habe ich ernsthaft überlegt: Trau ich mich da dran?“, erinnert sich der gebürtige Westberliner. Er traute sich. Mit der Unterstützung seiner Frau, wie er betont. Die ihm nach wie vor nicht nur mit der Buchhaltung, sondern auch in der Weinstube tatkräftig zur Seite steht. Denn dem gelernten Sommelier war von Beginn an klar: „Das wird keine kleine Nummer, das wird eine Langstrecke.“ Eine Weinstube mitten in Berlin. Einem Ort, an dem ständig neue Restaurants eröffnen und gleichzeitig ein anderes wieder schließt. Bei dem Massenangebot an Lokalen sei es in der Hauptstadt als Gastronom die größte Herausforderung, über lange Zeit bestehen zu bleiben. Doch die Kurpfalz-Weinstuben seien mit ihren 100 Plätzen, verteilt auf fünf Räume plus den Außenbereich, ein Schlachtschiff, meint Vincenzo Berényi.

Treffpunkt der Stars

Ursprünglich wurden die Kurpfalz-Weinstuben von Bruno und Aenne Müller 1935 gegründet. Aenne kam aus der Kurpfalz. Daher auch der Name. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie ein beliebter Treffpunkt der Stars Westberlins. 1975 übernahm der Hamburger Gastronom Rainer P. S. Schulz die Leitung. Er führte das „Pfälzer Dorf in Berlin“, wie er selbst sagte, mit Leidenschaft und aus Liebe zum Wein. Also nicht verwunderlich, dass er seinen Nachfolger Vincenzo Berényi bei dessen Übernahme vor acht Jahren die ersten Monate ganz genau beobachtete und unter seine Fittiche nahm, erinnert der sich noch heute gut.

GEMÜTLICH In den Kurpfalz-Weinstuben ist auch der Geist der Pfälzer Gemütlichkeit zu Hause. Foto: Kurpfalz-Weinstuben

Gelebte Pfälzer Geselligkeit

Ein Betrieb in der Größe der Kurpfalz-Weinstuben muss reibungslos funktionieren. „Man muss top organisiert sein. Es muss einfach alles laufen. Die Logistik. Die Küche. Der Service. Alle sollten an einem Strang ziehen“, meint Vincenzo Berényi und fügt hinzu: „Bei alldem muss natürlich auch die Qualität stimmen.“ Darauf legt der 53-Jährige großen Wert. Sein Küchenchef Robert Pucek ist seit Dezember 2022 Teil des Teams. Zuvor war er über Jahre die rechte Hand von Kolja Kleeberg. Der Fernsehkoch und Entertainer schaut übrigens selbst gerne mal als Gastkoch zu besonderen Events, wie dem unter Kollegen geschätzten Winzerdinner, in den Kurpfalz-Weinstuben vorbei. Alle paar Wochen kommen sonntags befreundete Winzer und Kollegen zusammen. Es wird erzählt, gut gegessen, getrunken; und es wird die Geselligkeit gelebt, die eine Pfälzer Weinstube so charmant und besonders macht.

EIN KENNER Mehr als 28.000 Flaschen Wein lagern im Keller von Sommelier Vincenzo Berényi. Foto: Kurpfalz-Weinstuben

Ein Keller voller Schätze

50 offene Weine bietet der Sommelier Berényi seinen Gästen an. Mehr als 28.000 Flaschen Wein lagern im Keller. Darunter auch einige Raritäten. Für den Berliner purer Genuss. Auch die Speisekarte kann sich sehen lassen. Zum Standardprogramm zählen Käseplatte, Winzerplatte, Flammkuchen, Pfälzer Saumagen, Leberknödel oder die in der Pfalz beliebte „Dreifaltigkeit“. Feinschmeckern bereiten die deutschen Weinbergschnecken oder das Sechs-Gang-Menü inklusive Lamm oder Kaninchenkeule Gaumenfreuden. Bei den Zutaten für die Gerichte ist es Vincenzo Berényi genauso wichtig wie beim Wein, dass er weiß, wo genau sie herkommen. So bezieht er den Käse von immer den gleichen Käsereien und den Wein von den Winzern, die er persönlich kennt. Großen Wert legt er auf den persönlichen Kontakt mit den Weingütern. 95 Prozent der angebotenen Weine bezieht er direkt. Einen Lieblingswein oder -gericht hat er selbst nicht: „Bei mir kommt es immer drauf an, worauf ich gerade Lust habe.“

Kurze Zeit Wahlpfälzer

Zweieinhalb Jahre lebte er mit seiner Frau und den beiden Töchtern selbst in der Südpfalz. Genauer gesagt in Albersweiler. Da hat er auch die besondere Lebensart der Pfälzer schätzen gelernt. „Das ist einfach ein anderes Gefühl, wie das Leben dort stattfindet“, schwärmt Berényi. Ein Stück davon gibt er nun in Berlin durch seine Weinstube weiter. Ein Drittel sei Stammkundschaft, aber auch viele internationale Gäste, die in die Kurpfalz Weinstuben kommen, schätzen den beliebten Treffpunkt.

Weinstube in Ostwestfalen

STAMMGÄSTE Die Weinstube in Detmold ist ein beliebter Anlaufpunkt. Stammgäste machen sogar jährlich gemeinsam Urlaub in der Pfalz. Foto: Andreas Müller

Zu einem beliebten Anlaufpunkt hat sich auch die Pfälzer Weinstube in Detmold entwickelt. Eine der wenigen Weinstuben in Ostwestfalen. Begrüßt wird man mit dem Motto „Alla Hopp“ bereits an der Tür. Für besonderen Charme sorgt das rund 300 Jahre alte und unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus, in dem sich die Weinstube befindet. Der Innenraum bietet rund 40 Gästen Platz, der Außenbereich nochmals 100 Plätze.

Mit Stammgästen in die Pfalz

Als Inhaber Andreas Müller im Jahr 2000 zufällig das Angebot bekam, die Gastronomie zu übernehmen, musste er lange überlegen, erinnert sich der 62-Jährige. „Ich habe intensiv abgewogen, ob ich das wirklich machen soll. Das Risiko war groß, aber ich habe es nie bereut“, sagt der gebürtige Bad Oeynhausener heute mit Stolz. Zu Recht. Denn die Leidenschaft für seine Weinstube und die enge Bindung zu seinen Stammgästen beweisen es. Jahr für Jahr organisiert er sogar eine Busfahrt nach St. Martin in der Pfalz mit rund 50 Personen, zumeist Stammgästen. „Wir haben schon viel zusammen gesehen, wie das Hambacher Schloss, die Burg Trifels oder natürlich diverse Hütten“, schwärmt der gelernte Koch und Restaurantfachmann.

45 offene Pfälzer Weine

Für ihn selbst fühlt sich die Pfalz wie eine zweite Heimat an. Jedes Jahr fährt er mehrmals an die Weinstraße, um den Wein für sein Lokal selbst zu holen. „Ich habe zu den Winzern ein freundschaftliches Verhältnis, schätze die Vielfalt an Rebsorten und die Familien, die hinter den Betrieben stehen. Das finde ich einfach klasse.“ Seine Gäste können immer aus 45 offenen Pfälzer Weinen wählen. Auch seine fünf Brüder, die früher eher Biertrinker waren, hätten den Pfälzer Wein kennen und lieben gelernt. „Die mussten oft genug probieren“, sagt Müller lachend. Er schätzt aber nicht nur den Wein an der Pfalz: „Sich in der Weinstube bei wildfremden Menschen dazuzusetzen und dass dabei so wunderbare Gespräche entstehen können, finde ich großartig. Genau wie die Pfälzer Hausmannkost.“

Andreas Müller
ROUTINIER Andreas Müller führt die Pfälzer Weinstube in Detmold seit fast 25 Jahren. Foto: Andreas Müller

Beliebte Pfälzer Klassiker

Die Karte in der Pfälzer Weinstube in Detmold wechselt ungefähr alle fünf Wochen und bietet eine kleine, aber feine Auswahl frisch gekochter Gerichte. Im Herbst kommen Kastaniensaumagen und Sauerkraut besonders gut an. Der Saumagen stammt von der Metzgerei Hambel aus Wachenheim. Und was ist Andreas Müllers Lieblingsgericht? „Saumagen, nein Leberknödel, nein, Fleischknepp mit Meerrettich“, da kommt der Pfalzliebhaber glatt ins Straucheln und gesteht augenzwinkernd: „Mir gefällt einfach so vieles an der Pfälzer Küche.“ Sein Wunsch ist, die Weinstube noch zumindest bis er 70 Jahre alt ist, weiterzuleiten und dann irgendwann hoffentlich mal an einen Nachfolger übergeben zu können, der mit ebenso viel Freude und Herzblut für die vielen Stammgäste und Besucher da ist. „Wenn die Leute abends mit einem Lächeln gehen, ist das für mich das Schönste“, sagt Müller.

„Pälzer Stubb“ in Dresden

Zufriedene Gäste, die sich wohl fühlen und immer wieder gerne kommen, sind für Cornelia Herber großes Glück. Die 52-Jährige betreibt seit Oktober vergangenen Jahres eine Pfälzer Weinstube in Dresden. „Ich bin mit vollem Herzblut und einem super Team dabei, ohne das nichts gehen würde“, erzählt die studierte Instandhaltungstechnikerin. Doch auch wenn Cornelia Herber eigentlich etwas ganz anderes gelernt hat, hat sie seit ihrem 13. Lebensjahr eine Verbindung zur Gastronomie. Neben der Schule und dem Studium kellnerte sie immer wieder und führte schließlich jahrelang mit ihrem Lebenspartner Restaurants in Dresden. Als die Beziehung im Sommer 2022 privat und geschäftlich auseinanderging, suchte Cornelia Herber nach einer neuen Aufgabe und fand sie zufällig in der „Pälzer Stubb“: „Ich war als ganz normaler Gast zum ersten Mal dort und habe mich sofort verliebt“, schwärmt die gebürtige Leipzigerin.

ZUFALLSFUND Gastronomin Cornelia Herber war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und fand sie in der Pälzer Stubb in Dresden. Fotos: Mamas Pälzer Stubb

Das Erbe der Genussbotschafter

Dann erfährt sie, dass die Betreiber seit Längerem einen Nachfolger suchen, der die Weinstube genau mit dem Konzept weiterführt. „Es hat ein paar Gespräche und Grübeleien gebraucht, bis ich mich entschieden und wir uns geeinigt haben“, erinnert sich Cornelia Herber. Vorbesitzer Claus Fröhlin hatte die urige und rustikale Weinstube direkt an der Elbe 17 Jahre gemeinsam mit seiner Frau betrieben. Beide kommen gebürtig aus der Pfalz und sahen sich mit ihrer „Pälzer Stubb“ in Dresden als Genussbotschafter für Wein und Pfälzer Spezialitäten. Das sei ihnen auf jeden Fall gelungen, meint Herber.

Wie bei Mama daheim fühlen

In die Pfälzer Küche musste sich Cornelia Herber erstmal reinfuchsen, wie sie selbst sagt. Gerne steht sie daher auch mal selbst mit am Herd, um alles genau kennenzulernen. „Das finde ich immens wichtig.“ Auf der Speisekarte stehen viele verschiedene Arten von Flammkuchen, typische Spezialitäten wie Leberknödel, aber auch Rouladen oder Gulasch. Saisonal sind die Kürbiskarte oder die Gänsekarte der Renner. Ihr Lieblingsgericht ist schlicht: „Fleischkäs mit Bratkartoffeln kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit essen“, sagt Cornelia Herber lachend. Seit ihrer Übernahme heißt die Weinstube übrigens „Mamas Pälzer Stubb“. Eben weil sich die Gäste ein bisschen wie bei Mama daheim fühlen sollen. Darauf gebracht haben sie ihre beiden erwachsenen Töchter, die ihr immer mental und teilweise auch mal als Aushilfe zur Seite stehen. „Das ist einfach total stärkend und toll“, freut sich Herber. Ebenso dankbar ist sie, dass sie als neue Betreiberin so gut akzeptiert wird. „Wir haben neue und alte Stammkunden, sind schnell und gut angenommen worden.“ Für diese Chance ist sie sehr dankbar.

Cornelia Herber. Fotos: Mamas Pälzer Stubb (2)

Mission: Gäste verkuppeln

Für dieses Jahr hat sich Cornelia Herber vorgenommen, auf jeden Fall die Weinstraße entlang zu reisen und die Winzer persönlich kennenzulernen, deren Wein sie ausschenkt. „Dazu hatte ich bislang noch keine Gelegenheit, freue mich aber sehr darauf.“ Erstmal gilt es aber, den ersten Winter zu überstehen. „Das wird jetzt kurz nach der Übernahme hart. Aber mit Geduld klappt es bestimmt“, hofft die Gastronomin. Auf jeden Fall sprüht sie vor Ideen, was sie alles noch umsetzen möchte – unter anderem Weinproben, Möglichkeiten für Familienfeiern und ein Herzensanliegen: noch mehr Pfälzer Lebensart in die Weinstube bringen. „Ich könnte mir gut vorstellen, die Gäste quasi miteinander zu verkuppeln“, sagt Herber verschmitzt und meint: „Also mehr zu animieren, mal von Tisch zu Tisch zu gehen, sich dazuzusetzen, mit anderen ins Gespräch zu kommen.“ Dadurch würde sicher eine besonders harmonische Atmosphäre entstehen.

Pfälzer Gastlichkeit in München

Zum Schluss werfen wir einen Blick in den Süden: nach München. Dort öffnet seit 1950 die Pfälzer Residenz Weinstube Tag für Tag in den Gasträumen der ehemals kurfürstlich und königlich-bayerischen Residenz ihre Türen. Das Besondere: Dahinter steht der Landesverband der Pfälzer in Bayern, der die Weinstube mit ihren rund 500 Sitzplätzen unterhält. „Im Bewusstsein gemeinsamer bayerisch-pfälzischer Geschichte die Verbindung mit der Pfalz unter den in Bayern lebenden Pfälzern pflegen und fördern. So steht es wörtlich in der Vereinssatzung“, erklärt einer der drei Vorsitzenden und für die Gastronomie zuständige Ralf Georg Marthaler die Idee dahinter. „Wir verstehen uns als Botschafter der Pfalz in Bayern.“ Marthaler ist gebürtiger Pfälzer. Seine Familie lebt seit Generationen im Landkreis Germersheim. Der 59-Jährige kommt immer wieder gerne und regelmäßig zu Besuch. Vor mittlerweile 36 Jahren zog es ihn jedoch fürs Studium nach München und er ist geblieben.

FÜRSTLICH Die Pfälzer Residenz Weinstube öffnet seit 1950 ihre Türen für Gäste. Foto: Pfälzer Residenz Weinstube

Echtes Pfalzgefühl

Für ihn, der Jura und an der Filmhochschule studierte, ist die Pfälzer Residenz Weinstube mehr als nur ein Hobby. Marthaler sieht es als seine Lebensaufgabe, sie zu erhalten und zu pflegen: „Wenn Sie zu uns reinkommen, ist da dieser große Saal mit den vielen langen Tischen. Da sitzen wildfremde Menschen zusammen in gesellig-freundlicher Atmosphäre.“ Das sei echtes Pfalzgefühl. Jeder ist willkommen. Oft sind Studenten aus der Pfalz unter den Gästen, die sich zum Stammtisch treffen. Meist bleiben sie in München und kommen dann immer wieder. So ist ein großer Teil des Kundenstammes mit der Weinstube älter geworden. „Bleibt wie ihr seid, sagen sie zu uns“, berichtet Marthaler. „Und wir sind bewusst eine echte Weinstube geblieben“, fügt er stolz hinzu. Vor Kurzem habe die Süddeutsche Zeitung sie als „wunderbar altmodisch“ betitelt. Ein Kompliment für die Pfälzer Residenz Weinstube, findet Marthaler.

Nur Wein, kein Bier

Die Speisekarte umfasst viele Pfälzer Klassiker wie Saumagen, Bratwurst und Leberknödel. Die Produkte werden alle von Familienbetrieben aus der Pfalz bezogen. Hinzu kommen kleinere, zu einem Glas Wein passende Speisen – darunter auch ein einfaches Butterbrot. Eine variierende Tageskarte bietet immer mal neue Gerichte und je nach Jahreszeit runden saisonale Speisen wie Kürbiscremesuppe oder sonntags Wildgerichte das Angebot ab. „Wir versuchen, die komplette Pfalz kulinarisch wiederzugeben.“ Bei den Speisen wie beim Wein. In der Pfälzer Residenz Weinstube gibt es ausschließlich Weine und Spirituosen zu trinken. Kein Bier. Dem hätten sie sich immer verweigert, obwohl sie in der selbsternannten Bierstadt München seien.

EXIL-PFÄLZER: Ralf Georg Marthaler. Foto: Pfälzer Residenz Weinstube

Germknödel mit Kruste = Dampfnudel

Marthaler selbst liebt ein Glas trockenen Riesling, dazu eine Dampfnudel. Mehr braucht es nicht. Apropos Dampfnudel: Die gibt es jeden Freitag mit Kartoffelsuppe und Weinsoße in der Weinstube. Inzwischen mit Foto und Erklärung in der Speisekarte zu finden, da schon zahlreiche Dampfnudeln zurückgegeben wurden, weil Gäste davon ausgingen, sie seien versehentlich verbrannt. Anders als in der Pfalz kennen die Bayern die salzige Variante nämlich nicht. Hier wird die Dampfnudel beziehungsweise der Germknödel für gewöhnlich süß und ohne krosse Kruste zubereitet. „Dabei ist das doch das Beste“, findet Marthaler. Dank des Bildes, das nun verdeutlicht, wie eine Pfälzer Dampfnudel im Optimalfall aussieht, gibt es mittlerweile aber keine Irritationen mehr.

FESTLICH In der Pfälzer Residenz Weinstube finden bis zu 500 Gäste Platz. Serviert wird ausschließlich typisch Pfälzischen – und kein Bier. Foto: Pfälzer Residenz Weinstube (PWS)

Gemeinnützige Weinstube

„Im Großen und Ganzen akzeptiert jeder das Haus so wie es ist. Wir sind stolz auf die Tradition und bemühen uns, das Alte zu bewahren“, erklärt Marthaler. Außerdem stehe das Wohl der Mitarbeiter an oberster Stelle. Rund 30 Servicekräfte und 20 Küchenhelfer zählt das Team. Sorgen um die Zukunft machen sich Ralf Georg Marthaler und der Verein nicht. Denn es gebe immer wieder neue Mitglieder. Zudem strömen regelmäßig am Abend 200 bis 300 Leute nach der Staatsoper in die Weinstube. Dennoch betont der Wahlmünchener, dass er das Entgegenkommen des Bayerischen Finanzministeriums, das der Verpächter ist, sehr wertschätze und es nicht selbstverständlich sei, dass der Landesverband der Pfälzer in Bayern so lange schon „geduldet würde“. Die Gewinne der Weinstube gehen in eine Stiftung und unterstützen junge Pfälzer beim Studium oder einer Weiterbildung. „Wir machen das als ‚Amateure von Herzen‘ ehrenamtlich“, meint Ralf Georg Marthaler und fügt hinzu: „Die Weinstube ist meine Ehefrau. Manchmal eben auch eine Knochenmühle wie in der Partnerschaft auch. Wenn ich dann aber hier bin und die zufriedenen Leute sehe, die mich manchmal sogar warmherzig zum Dank in den Arm nehmen, ist alles wieder gut.“

kurpfalz-weinstuben.de (Berlin) | roemerundwein.de (Eckernförde) ) | pfaelzer-weinstube.de (Detmold) | mamas-paelzerstubb.de (Dresden) | pfaelzerweinstube.de (München)

Veranstaltungs­tipps

Tipps für Genuss-Events in der Pfalz: Das VielPfalz-Team recherchiert für Sie empfehlenswerte Veranstaltungen in der Pfalz, die vielfältigen Genuss versprechen – von der Weinprobe über die Städteführung bis zum Fest, Markt oder Konzert. Welches Event Sie auch immer anspricht, wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei!

Was wissen

Wie beeinflusst der Klimawandel den Winzeralltag?

In unserer Rubrik zum Thema Weinwissen erläutert Rudolf Litty dieses Mal, wie Winzerinnen und Winzer ihre Weinberge für heißere und trockenere Sommer fit machen, welche Rebsorten und Bewässerungsmethoden sie wählen.

Trauben von der Sonne beleuchtet
Foto: Pixabay

Als die Mostgewichte bei den Trauben jedes Jahr höher ausfielen, hatte man das vor einigen Jahrzehnten nicht gleich mit dem sich veränderten Klima in Verbindung gebracht. Aber Winzer erkannten bald, dass bisher geringwertig eingestufte Weinbergslagen durch die steigenden Temperaturen höhere Weinqualitäten hervorbrachten. Durch die zunehmend wärmeren Temperaturen treiben die Reben früher aus, was zu einer früheren Weinlese führt. Dies ermöglicht den Winzern, die Trauben länger reifen zu lassen und höhere Mostgewichte zu erzielen. Allerdings erhöht das auch das Risiko von Schäden durch Spätfröste im Mai und Wasserstress aufgrund warmer und trockener Sommer.

Neue Umweltbedingungen

Die Weingüter müssen sich daher auf die neuen Umweltbedingungen einstellen. Das beginnt mit der Auswahl der Rebsorten. Hier muss der Winzer überlegen, auf welchem Standort zum Beispiel die Neupflanzung von Rieslingrebstöcken, die eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahre haben, in Zukunft noch sinnvoll ist. Den Rieslingtrauben bekommt ein langer warmer Sommer nicht gut. Der Wein entwickelt tendenziell mehr Alkohol und weniger seine charakteristische Säure. Besonders bei trockenen Standorten wird versucht, spätreifende Sorten zu pflanzen und sie früher zu ernten. Bei Neuanlagen wird zudem häufig eine Tröpfchenbewässerung mit installiert, um bei Bedarf den Boden gezielt bewässern zu können.

Pilzkrankheiten als Herausforderung

Während der Pflanzenschutzsaison sind aufgrund unbeständiger Witterungen besonders Pilzkrankheiten eine Herausforderung. Peronospora (falscher Mehltau) und Oidium (echter Mehltau) können bei einem Befall der grünen Blätter und an jungen grünen Beeren zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen. Denn nur aus gesunden, ausgereiften Trauben kann ein guter Wein ausgebaut werden. Dazu müssen die Reben vorbeugend gegen den Pilzbefall geschützt werden. Gerade hier eigenen sich neue pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwis), die mit wenigen Pflanzenschutzbehandlungen auskommen.

Intensive Sonderkultur

Weinbau war und ist eine intensiv zu bewirtschaftende Sonderkultur. Neben fachlicher Handarbeit ist ein hoher maschineller Einsatz für die Boden- und Laubarbeiten sowie das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln für die Erzeugung gesunder Trauben notwendig. Nicht nur Bio-Betriebe, sondern auch konventionell arbeitende Winzer wirtschaften mit Blick auf die Folgen des Klimawandels zunehmend umweltschonender und können mit einer Ökobilanz die Umweltbelastung ihres Weingutes genau ermitteln. Darin enthalten sind der Stromverbrauch für die Erzeugung je Liter Wein, der Dieselverbrauch, das Heizöl, der Wasserverbrauch und die Bodenbeanspruchung mit Maschinenstunden für die Bewirtschaftung je Hektar Rebfläche. Aus diesen verschiedenen Parametern lässt sich der CO₂-Ausstoß je Liter Wein berechnen.

Der Experte

Rudolf Litty ist ehemaliger Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Beim Weinbauamt Neustadt/Weinstraße war er für die amtliche Qualitätsweinprüfung verantwortlich. Litty, geboren 1951, lebt in Klingenmünster und organisiert Weinseminare.

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Weinstöberei

Crémant-Papst der Pfalz

In der Pfalz sind die Pioniere des deutschen Crémants zuhause. Familie Winterling aus Niederkirchen stellte als allererstes Weingut in Deutschland Crémant her. Bis heute spielen diese Schaumweine in der Spitze der deutschen Sektszene mit.

Fotos: Wein- und Sektgut Winterling

Wir Deutschen lieben es prickelnd! Hochwertige Winzersekte, Sekt aus bestimmten Anbaugebieten (b. A.) und Crémants liegen immer höher im Kurs. Der ein oder andere wird sich nun fragen: Crémant ist doch Sekt aus Frankreich? Der Ursprung des Crémants liegt auch tatsächlich in der Champagne. Dort war Crémant ein Schaumwein mit geringerem Druck und sehr sanfter Perlage. Nachdem in den späten 1980er-Jahren das Verwenden des Begriffs Methode Champénoise nur noch in der Champagne zulässig war, nutzten andere französische Weinbaugebiete den Namen Crémant für Schaumweine aus traditioneller Flaschengärung. In den 1990er-Jahren wurde beschlossen, dass die Produktion von Crémant EU-weit zugelassen ist.

Handlese ist Pflicht

Qualitativ steht der Crémant an der Spitze der deutschen Sektproduktion. Die Herstellungsvorschriften sind strenger als bei Sekt b. A. und Winzersekten. In der Pfalz sind Crémants auf Burgunderrebsorten und Riesling begrenzt. Die Trauben müssen per Hand geerntet und als ganze Trauben gepresst werden – maximal 100 Liter aus 150 Kilogramm Trauben. Der Grundwein ist in traditioneller Flaschengärung zu versekten und muss mindestens neun Monate auf der Hefe ruhen. Geschmacklich darf ein Crémant nie süßer als brut (zwölf Gramm Restzucker) sein.

Winterlings erste Crémant-Hersteller

Familie Winterling hat bereits vor 40 Jahren nach dem Vorbild der Champagne ihre Sekte hergestellt. Sie erntet schon immer Trauben von Hand in kleinen Boxen, um zu garantieren, dass sie unbeschadet und als ganze Trauben den Weg auf die Kelter finden. Als 1997 die Zulassung für den Begriff Crémant in Deutschland erfolgte, konnten die Winterlings ihre Sekte direkt als solche vermarkten. Sie hatten ja schon vorher nach den „neuen“ Herstellungsvorschriften gearbeitet.

Pinto Rosé brut – einfach einschenken

Crémant kann viele Gesichter haben. Bei den Winterlings findet man fruchtige und unkomplizierte Klassiker, aber auch vielschichtige Réserve-Crémants. Die warme Jahreszeit begrüßen wir mit 2021er Pinot Rosé Brut. Die Jahrgangscuvée aus 100 Prozent Spätburgunder leuchtet zartrosa im Glas. Frische Beerenfrüchte dominieren das Aroma und werden von einem Hauch Grapefruit begleitet. Hier muss man nicht viel nachdenken, einfach einschenken und das fruchtige Prickeln gießen!.

Pinot Rosé brut | 0,75 Liter | 14,50 Euro | Sekt- und Weingut Winterling Niederkirchen | winterling-sekt.de

Die VielPfalz-Weinstöberei

Winzerin Inga Klohr. Foto: AdLumina/Ralf Ziegler

Besondere Cuvées oder ein spontan vergorener Literriesling – unter Pfälzer Weinen gibt es immer Spannendes zu entdecken. Weinstöberei heißt die Rubrik, in der Inga Klohr (geb. Storck) empfehlenswerte Weine vorstellt. Die Pfälzische Weinkönigin 2017/2018 und Deutsche Weinprinzessin 2018/2019 macht sich für VielPfalz auf die Suche nach besonderen Tropfen. Sie absolvierte den Dualen Studiengang Weinbau und Önologie am Weincampus in Neustadt an der Weinstraße und arbeitet als Winzerin.

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Veranstaltungs­tipps

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Pfälzer Szenen von Karin Mihm

Än Aagebligg am Hambacher Schloss

Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Neustadt an der Weinstraße „Das Fest der Demokratie“ gefeiert. Der Zeitpunkt – um den 27. Mai – erinnert an den Jahrestag des Hambacher Festes im Jahr 1832. Das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie, hier illustriert von Karin Mihm, ist heute ein Pfälzer Touristen-Magnet.

Zeichnung von Karin Mihm Hambacher Schloss

Die Künstlerin

Foto: Privat

Karin Mihm, Jahrgang 1966, hat in Gießen und Marburg studiert. Einige Jahre lebte sie in Berlin, bevor es sie 2003 nach Düsseldorf zog, wo sie bis heute lebt. Ihr künstlerisches Werk reicht von Comics für Kinder und Erwachsene über politische Karikaturen, Illustrationen und Zeichnungen bis hin zur Malerei. Sie werden mit lockerem Tuschestrich und Aquarellfarben angefertigt. Karin Mihms Ziel: typische Orte zeichnen und dabei eine liebenswerte und humorvolle Perspektive einnehmen. In der Pfalz hat sie dazu eine große Auswahl.

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Pfälzer Perspektiven

Neues entdecken

Janina Huber musste feststellen, dass es selbst für sie als Pfälzerin durch und durch noch Vieles in der Genussregion zu erkunden gibt. Genau das hat sie jetzt vor, denn Entdeckungstouren sind eine Bereicherung für Leib und Seele.

ein Kompass liegt auf einer Landkarte
Foto: Pixabay

Mit welchem Genuss-Motto sind Sie ins neue Jahr gestartet? Ganz oben auf meiner Liste steht das Credo „Zeit für Neuentdeckungen“! Dass darin viele genussreiche Erlebnisse liegen, fiel mir gerade letztens auf. Ich bin zwar per Geburt begeisterte Pfälzerin und mit den vielen Vorzügen unserer Heimat gut vertraut. Und doch war ich kurz nach Neujahr mit einer Freundin im Süden der Pfalz unterwegs und wir stellten fest, dass wir hier zu viele Ecken noch nicht erkundet haben – beide kommen wir aus der Bad Dürkheimer Gegend und mussten uns eingestehen, dass wir in den vergangenen Jahren vor allem vor der eigenen Haustür unterwegs waren.

Mit Forschergeist voran

Wie schade, könnte man jetzt meinen, sich in der eigenen Heimat gar nicht überall auszukennen. Dabei finde ich das alles andere als schade: Was für eine wunderbare Erkenntnis, dass wir in einer Region leben dürfen, die uns auch nach Jahren noch neugierig macht. Die so viele schöne Orte, Landschaften und kulinarische Eindrücke bietet, dass wir ihr immer wieder mit Forschergeist begegnen können. Und wie gut, dass wir noch nicht alles gesehen haben und uns deshalb auf so viele kleine Erkundungen freuen dürfen.

Mit frischen Eindrücken kognitiv fit

In diesen Neuentdeckungen liegt dabei mehr als nur das äußerlich erkennbare, nette Erlebnis. Vielleicht kennen Sie dieses fast kindliche Gefühl der Freude und Leichtigkeit, wenn man einen Ort erkundet oder neue Geschmäcker kennenlernt. In dem Moment, in dem wir uns der Neugier des Entdeckens öffnen, bedankt sich auch unser Kopf bei uns. Mit frischen Eindrücken regen wir die Neuroplastizität unseres Gehirns an. Neue Verbindungen werden gebildet, wir lernen quasi im Vorbeigehen, bleiben anpassungsfähig und kognitiv fit.

Wo gehen Sie auf Entdeckungstour?

Umso mehr freue ich mich darauf, die Pfalz Stück für Stück weiter zu erkunden. Welche Geschichten verbergen sich hinter historischen Gebäuden? Welcher verwunschene Waldweg lässt uns noch tiefer in die Natur eintauchen? Wo können wir unseren Geschmackshorizont erweitern, sei es in einem spannenden Restaurant oder bei einem innovativen Weingut? Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es wirklich Pfälzer gibt, die die Pfalz bis in den letzten Winkel erkundet haben. Aber wer ein größeres Jagdgebiet braucht, den darf dieses Entdecken natürlich auch über Rhein und Haardt hinausführen. Oder es kann daheim im Lesesessel stattfinden, wo ein Buch uns neue Dimensionen erschließen kann. Möglichkeiten gibt es viele – Hauptsache neuer Input! Also: Wo gehen Sie demnächst auf Entdeckungstour?

Janina Huber im Porträt

Die Autorin

Janina Huber, 1989 in Bad Dürkheim geboren, hat Geschichte, Latein und Philosophie studiert. Ihre Leidenschaft für Wein machte die pfälzische Weinkönigin 2013/2014 und Deutsche Weinkönigin 2014/2015 längst zum Beruf. 2018 startete sie als selbstständige Weinfachfrau mit den Schwerpunkten Moderation und Kommunikation. Weinkurse und Workshops für Profis und Liebhaber bei der Weinschule „Grape skills“ in Heidelberg sind jetzt ihre Hauptbeschäftigung.

Noch mehr Pfälzer Perspektiven