Weihnachtskrippen der Pfalz

Kunstvolle Aufbauten und ausdrucksstarke Figuren: Die Pfalz ist reich an aufwendig gestalteten Krippenlandschaften. In unsere Titelgeschichte der VielPfalz-Ausgabe 6/2021 spricht der Autor Dr. Helmuth Bischoff mit Krippenbegeisterten und stellt die schönsten Krippen der Pfalz vor. Lesen Sie hier ein paar Auszüge der Geschichte.


Eine Reise in Text und Bild zu Pfälzer Krippen

Ein Zufall, der am Ende in einem opulent bebilderten und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Buch endet: Auf diesen kurzen Nenner lässt sich die Geschichte des neuen Bandes über Pfälzer Krippen von Dr. Helmuth Bischoff bringen.

In der Oggersheimer Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt blieb für den Autor beim Betrachten der Krippe die Zeit kurz stehen. Er erinnerte sich an seine Kindheit in Schaidt (Landkreis Germersheim). Denn in der Kirche St. Leo in einem heutigen Stadtteil von Wörth hatte ihn schon damals Jahr für Jahr die dortige Krippe fasziniert. Die Idee zum Buch war geboren. Rechtzeitig vor Weihnachten ist der Band nun druckfrisch auf dem Markt und mit ihm die passende Titelstory im VielPfalz-Magazin.

Der Journalist Bischoff, 1953 geboren, lebt seit den 1970er-Jahren in Heidelberg. Seine Kontakte in die pfälzische Heimat sind jedoch über Eltern, Geschwister und Freunde erhalten geblieben. Bischoff, Autor einer Reihe von Reiseführern mit Kunst- und Kulturbezug, verfasst für VielPfalz regelmäßig Beiträge. So auch die Titelstory der Ausgabe 6/2021. Bischoff war 2019 und 2020 unterwegs zu Krippen in der ganzen Pfalz.

Dabei hat den Autor nicht nur das Kunsthandwerk an sich beeindruckt, sondern vor allem die Menschen, die mit viel Einsatz dafür sorgen, dass eine christliche Tradition am Leben bleibt. Begleitet wurde Bischoff vom Landauer Fotografen Norman P. Krauß, der ebenfalls regelmäßig für VielPfalz Bilder schießt. Das opulent illustrierte Buch bietet einerseits interessanten Lesestoff in erzählerischen Texten mit viel Hintergrundinformation sowie zahlreiche stimmungsvolle Fotografien. Andererseits lädt es damit zum freudigen Staunen beim Blättern, Schauen und Verweilen ein. [dot]

Auszug aus der Pfälzer Krippengeschichte

Osterrieder-Krippen

Der bayerische Krippenbauer Sebastian Osterrieder (1864–1932) fertigte Anfang des 20. Jahrhunderts erstaunlich viele Krippen für Kirchen in der Pfalz. Die von Osterrieder entwickelte Technik zur Herstellung von Krippenfiguren, der „Französische Hartguss“, verlieh den Figuren mehr Realitätsnähe, Anmut und Individualität. Mit geschnitztem Holz war dies so nicht zu erzielen. Osterrieder benutzte eine Masse aus Champagnerkreide, Gips und Hasenleim, die in Hohlformen gegossen wurde.

100. Geburtstag in Landau

Eine gut erhaltene Osterrieder-Krippe der Pfalz findet sich in der Marienkirche in Landau. Im Jahr 1921 erstmals aufgestellt, feiert sie dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Dass sie mit all ihren Bestandteilen in einem guten Zustand ist, verdankt sie in erster Linie dem Bildhauer Professor Hans Markus Heinlein. Von ihm stammt auch die 3,60 Meter hohe Marienstatue mit Kind am Übergang zum Chorraum.

Originalgetreu restauriert

Bei einem amerikanischen Bombenangriff im März 1945 waren der Chor und die Sakristei der Marienkirche getroffen und stark beschädigt worden. Die in der Sakristei aufbewahrten Krippenfiguren wurden ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Heinlein nahm sich ihrer an und restaurierte sie unentgeltlich. So konnte die Krippe an Weihnachten 1953 wieder präsentiert werden.

Die Osterrieder- Figuren in der Landauer Marienkirche wurden von Hermann Frübis originalgetreu restauriert. Foto: N. Krauss

Ausflugstipp: Krippendorf Bornheim

Die über 90 verschiedenen Bornheimer Krippen sind über den ganzen Ort verteilt und frei zugänglich. Foto: N. Krauss

 

Von Störchen und Krippen

Die Gemeinde Bornheim bei Landau hat für ihre Verdienste um die Wiederansiedlung des Weißstorches in der Pfalz den Beinamen „Storchendorf“ erhalten. Durch die im Jahr 2003 begonnene Präsentation von inzwischen mehr als 90 Weihnachtskrippen in der ganzen Gemeinde ist in jüngerer Zeit der Beiname „Krippendorf Bornheim“ dazugekommen.

Mit 16 Krippen angefangen

Ulla Kaub, seit 1971 in Bornheim zuhause, ist die Initiatorin dieses großen Mitmachprojekts und wurde dafür 2017 mit dem Bornheimer Bürgerpreis ausgezeichnet. „Beim Start im Jahr 2003 hatte ich nur an eine Großkrippe für das Dorf gedacht und wollte fünf oder sechs Begleitkrippen dazu, damit man einen kleinen Spaziergang entlang der Krippen machen konnte. Aber es waren gleich 16 Krippen dabei, was mich auf die Idee brachte, die Sache auszubreiten“, erzählt sie über die Anfänge und gesteht auch dem Zufall eine gewisse Bedeutung zu.

Spaziergang im Abendlicht

Wie erfolgreich und beeindruckend sich das Projekt mit den Jahren ausgebreitet hat, lässt sich jeweils vom ersten Adventssonntag bis zum ersten Sonntag nach Heilige Drei Könige bestaunen. Besonders stimmungsvoll präsentiert sich die Szenerie ab 17 Uhr, wenn ein Großteil der über 90 Krippen beleuchtet ist. Die mit viel Fantasie gebastelten Krippen sind über den ganzen Ort verteilt und frei zugänglich. Kostenfreie Führungen (Dauer ca. 1,5 Stunden) finden jeweils mittwochs und sonntags statt. Startpunkt ist das Wachthäusel an der katholischen Kirche in der Hauptstraße, Beginn jeweils um 17 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. [hb]

Ein Lageplan der Krippen kann HIER heruntergeladen werden.

Mehr in der VielPfalz

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