Vinissima: Wie eine Vision zur Realität wird

Liebe und Leidenschaft: „Vinissima“ wird 25 Jahre alt. Fast 500 Frauen sind in elf Regionalgruppen von Baden über die Pfalz bis nach Sachsen organisiert.


Ein Küchentisch am Kaiserstuhl. So beginnt vor 25 Jahren alles. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Von Anfang an. Sieben „Weinfrauen“ haben an diesem Tisch gesessen und „Vinissima – Frauen und Wein e.V.“ gegründet. Mittlerweile vereint das Netzwerk fast 500 Frauen. Sie sind in elf Regionalgruppen von Baden bis Sachsen organisiert. 

Die Geschichte hätte aber auch in einer anderen Weinregion Deutschlands ihren Anfang nehmen können. „Die Idee lag in der Luft. Da war ein Bedarf, denn die Frau wurde in der Weinwirtschaft einfach nicht für voll genommen“, erinnert sich die Pfälzer Vinissima Brigitte Kriegshäuser (88 Jahre) aus Neustadt an der Weinstraße an die Gründungszeiten.

An diesem Küchentisch haben die Vinissima-Gründerinnen den Verein ins Leben gerufen. Foto: Vinissima

 

Traditionell sind die Frauen eher Assistentinnen der Winzer gewesen. Ihre Bereiche auf dem Weingut sind der Verkauf und die Buchhaltung. Und so wird anfangs die Gemeinschaft auch belächelt, was den Enthusiasmus der „Vinissima“, wie sich die Mitglieder fortan nennen, nicht bremst. Im Gegenteil.

Heute kommen die Mitglieder aus allen Berufen der Weinbranche. Oder es sind für Wein stark engagierte Verbraucherinnen mit fachlicher Kompetenz zu weinbaupolitischen Fragen und arbeitstechnischen Aspekten. Die Vereinsmitgliedschaft setzt den Winzerberuf nicht voraus. Wichtig ist aber die Liebe und die Leidenschaft für das Thema Wein.

Immer mehr Frauen spielen in der Weinwirtschaft eine Hauptrolle. Immer mehr Winzerinnen und Kellermeisterinnen machen immer bessere Weine..Ganz gleich, ob in den klassischen europäischen Weinnationen oder ob in der „neuen Weinwelt“, Frauen sind überall an der Spitze dabei. Auch Marketingfachleute wissen, dass die Frauen in Sachen Wein häufig entscheiden, ob und welcher Wein gekauft wird. Diesen Boom haben die Weinfrauen nicht zuletzt selbst ausgelöst.

Wichtige Eckpfeiler der Vinissima-Vereinsarbeit sind die berufsbezogene Weiterbildung, der Austausch von Wissen und Erfahrungen auf regionaler und überregionaler Ebene. Daneben spielt das das persönliche Kennenlernen eine wichtige Rolle. Der gegenseitige Austausch führt zu Treffen wie beispielsweise Weinbergsbegehungen mit anschließender Weinprobe. Häufig halten Mitglieder für Mitglieder Vorträge. So enthält das immer umfangreicher werdende Jahresprogramm mittlerweile immer eine internationale Studienreise sowie Exkursionen in deutsche Weinbauregionen, Verkostungen, Sensorik-Schulungen. Hinzu kommen Seminare und Workshops zu den unterschiedlichsten Themen rund um Wein und Genuss, aber auch zu Marketing, Unternehmensführung und Kommunikation.

Neben dem wertvollen inhaltlichen Austausch, ist vor allem die Solidarität untereinander bis heute ein wesentlicher Teil des Vinissima-Gedankens. Ein generationenübergreifendes Netzwerken, voneinander lernen und die gegenseitige Akzeptanz – ganz unabhängig von Alter und Ausbildung – sollen im Mittelpunkt aller gemeinsamen Aktivitäten stehen. „Vinissima“ unterstreicht diesen Anspruch auch durch die Unterstützung von Wettbewerben durch Förderpreise, um den weiblichen Nachwuchs zu unterstützen. So zum Beispiel mit dem Vinissima-Sonderpreis „Die beste Abschlussarbeit einer Frau“ bei den Weinakademikern des „Wine & Spirit Education Trust“ (WSET). Ein großes Anliegen von Vinissima ist auch der enge internationale Kontakt zu Winzerinnen, Önologinnen und Weinfachfrauen. Seit der ersten Begegnung zwischen Weinfrauen im Jahr 1992 in der italienischen Weinregion Piemont wurden die freundschaftlichen Kontakte zu den „Donne del Vino“ sowie den Weinfrauenorganisationen Frankreichs, Spaniens, Portugals, Griechenlands, Ungarns, der Schweiz und Österreichs bei vielen Gelegenheiten vertieft. Vinissima ist Gründungsmitglied der Dachorganisation „Internationale Vereinigung der Weinfrauen” (International Association of women in wine, IAWIW). Auch in weinbaupolitischen Gremien sind die Weinfrauen eine feste Größe. Seit 2001 ist Vinissima mit Sitz und Stimme im Vorstand und Arbeitskreisen des Deutschen Weinbauverbandes vertreten. Darüber hinaus entsendet Vinissima auch Vertreterinnen zu regionalen Weinbauverbänden. 

VINISSIMA

Vor 25 Jahren war es eine Vision. In den vergangenen 25 Jahren wurde sie Realität. „Vinissima hat manches vollbracht, worauf wir stolz sein können“, betont deshalb auch Stefanie Dreißigacker. Die 38-Jährige ist Geschäftsführerin der Organisation. Für die nächsten Jahre gibt sie die Losung aus: „Wir wollen weiter auf Vielfalt, Kompetenz und Freundschaft setzen. Und dabei muss Vinissima natürlich weiblich bleiben.“

Weitere Informationen: 

Vinissima - Frauen & Wein e.V., Geschäftsstelle am Campus der Hochschule Geisenheim, Von-Lade-Straße 1, 65366 Geisenheim, Telefon: +49 (0) 6722 50 27 46, Telefax: +49 (0) 3212-9193430

Interview: „Weibliche Weinwelt ist bunt und fröhlich“

Vinissima-Vorsitzende Andrea Wirsching. Foto: Vinissima

 

25 Jahre Vinissima – Andrea Wirsching, erste Vorsitzende des Vereins, beschreibt im VielPfalz-Interview das Besondere an Vinissima.  

Was machen Frauen anders?
Andrea Wirsching: Frauen können fragen, zuhören und sich gegenseitig unterstützen. Vor allem, wenn kein Mann in der Nähe ist. Dadurch ist es vergleichsweise schnell möglich, Fragen differenziert zu beantworten und Probleme zu lösen. Dass da auch eine gute Stimmung aufkommt und man einfach Spaß miteinander hat, macht das Ganze noch schöner.

Wo genau sind die Vorteile der „weiblichen Weinwelt“?
Die „weibliche Weinwelt“ ist bunt und fröhlich und bezieht viele Aspekte der Lebens- und Genußkultur mit ein.

Wie gehen Frauen mit Wein um? Wie beschreiben sie ihn?
Frauen sind emotional und so können sie auch Wein beschreiben. Das tun sie auf sehr kreative Art und Weise. Natürlich sind die Profis Profis, d.h. eine Sommeliere weiß genauso viel über den Wein zu sagen, wie ein Sommelier. Oft ist die weibliche Sprache aber bildhafter und poetischer.

Was sind die größten Erfolge und Misserfolge in 25 Jahren Vinissima?
500 Mitglieder und 100 Interessentinnen sehe ich als großen Erfolg. Die Mitgliedschaft ist ja begrenzt auf Frauen, die sich professionell mit Wein beschäftigen. Dass sie sich trotz Arbeit, Familie und Termindruck Zeit für Vinissima nehmen, spornt uns an. Und der Misserfolg? Unser internationales Netzwerk ist bis dato nur ein Name mit einer Vision. In anderen Ländern haben die meisten Weinfrauen-Zusammenschlüsse die Vermarktung ihrer regionalen Weine als Ziel. Das spielt jedoch bei Vinissima gar keine Rolle. Ob mit oder ohne Dachorganisation erleben wir aber in allen internationalen Weinbaugebieten eine unglaubliche Offenheit und Gastfreundschaft der Frauen und das begeistert!

Was wäre, wenn es Vinissima nicht gäbe?
Dann gäbe es viele kleine Zusammenschlüsse auf regionaler Ebene und das wahrscheinlich vor allem mit Winzerinnen. Die Tatsache, dass Vinissima ein deutschlandweites Netzwerk ist, bereichert unseren Erfahrungsaustausch, bringt viel spannendere Themen und bringt Stadt und Land zusammen. Schon die Vinissima der ersten Stunde hatten in völlig unterschiedlichen Berufen Wein als verbindendes Element. Dieser Mix macht wirklich die besondere Qualität unseres Netzwerks aus.

Vinissima in 25 Jahren: Was wird sich verändern? Was sind die künftigen Herausforderungen?
Der größte Erfolg – die wachsende Mitgliederzahl - ist auch die größte Herausforderung, denn man kennt sich nicht mehr automatisch. Wir müssen es also schaffen, die Stärken der Einzelnen in einem Intranet gut zu vernetzt und zu kommunizieren. Für viele Themen haben wir die Ansprechpartnerin in den eigenen Reihen, man muss sie nur finden können. Und das unabhängig von den vielen Veranstaltungen, die wir anbieten.

Das Interview führte Susanne Lang.

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