Pfalz persönlich – von der "Freizeitlerin" bis zum Messer-Erfinder

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Messer-Erfinder, eine "Freizeitlerin", eine Naturführerin und zwei Künstler. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Andi Möller, Messer-Erfinder

„Die Pfalz braucht ein eigenes Messer.“ Auf diesen kurzen Nenner bringt Andi Möller seine Idee, die sich seit den ersten Probeläufen im Jahr 2017 zu seinem heutigen Pfalzmesser entwickelt hat. Möller, 1963 in Iggelheim geboren, lebt mit seiner Familie in Neidenfels (Landkreis Bad Dürkheim) und betreibt dort seine Werkstatt „Schleifstein“. Messer üben auf den gelernten Innenarchitekten, der seit 1988 auch seine Liebe zur Malerei entdeckt hat, schon immer eine große Faszination aus. „Als Kind war ich ständig auf der Gass’ und im Wald. Da hat man immer ein Messer im Sack gehabt“, erzählt er. Über die Gastronomie ist er später auf renommierte Laguiole-Messer gestoßen. „Wein, Brot und Leberwurst gehören zur Pfalz einfach dazu“, erklärt der Pfalzmesser-Erfinder, warum ein Pfalzmesser schneiden und schmieren können muss. „Im Fall eines Falles muss man mit dem Messer aber auch die Dose öffnen können“, ergänzt er mit einem Schmunzeln. Für sein Pfalzmesser verwendet er ausschließlich Material aus der Region. Der Griff wird aus Hartholz, zum Beispiel Kirsche oder Zwetschge, gefertigt. Für die Klingen verwendet Möller unterschiedliche Stahle. Zum Teil fertigt er, ganz dem Recyclinggedanken verschrieben, die Klingen auch aus alten Feilen oder Raspen. Und als Modell für die Form des Pfalzmessers diente ihm ein „altes Buttermesser von der Oma“.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: pfalzmesser-manufaktur.de

Martina Kunz, „Freizeitlerin“

„Die Wanderschuhe sind meine liebsten Schuhe.“ Dieser Satz von Martina Kunz sagt alles. Groß geworden ist die 1958 geborene Wander-Enthusiastin im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Ihre Leidenschaft liegt ihr sozusagen im Blut, denn ihre Eltern waren Mitglied im Pfälzerwald-Verein. Seit 2012 tüftelt Kunz, wie auch andere Gleichgesinnte, regelmäßig an Wander- und Fahrradtouren für die private Gruppe „Die Freizeitler“. Über 100 „Mitglieder“ hat der privat organisierte Verbund, der von Badminton-Spielen über Kegeln bis zu Museumsbesuchen alle möglichen Freizeitaktivitäten plant. Und ein Schwerpunkt, wie könnte es anders sein, ist das Wandern. Die Touren führen zwar auch mal in den Odenwald, doch bevorzugtes Ziel ist und bleibt der Pfälzerwald. „Wir sind fast jedes Wochenende unterwegs und starten zu Touren zwischen sieben und 15 Kilometern. Mit von der Partie sind zwischen fünf und 25 Leute“, berichtet Kunz. Wer etwas unternehmen will, schlägt dies vor. Die Ideen werden in einem Monatsplan gesammelt. Mund-zu-Mund-Propaganda sorgt dafür, dass neue Köpfe zu den Freizeitlern finden. „Wir werden ja immer älter. Auch deshalb haben wir nichts dagegen, wenn jemand dazu kommen will“, sagt Kunz. Sie selbst schätzt nicht nur die Geselligkeit bei den „Freizeitlern“, sondern vor allem die Ruhe und Erholung im Wald, „aus der ich Kraft schöpfe“.

Text: dot | Foto: Norman Krauß

Heidrun Johner-Allmoslöchner, Naturführerin

„Der Geruch hat mich schon immer fasziniert. Harzduft bedeutet für mich daheim.“ Heidrun Johner-Allmoslöchner organisiert neben Kräuterwanderungen und -spaziergängen auch Räucherzeremonien und Workshops. Die 1967 geborene Naturführerin, die aus der Region Tübingen stammt, lebt seit 2002 in der Pfalz. In Leimen (Landkreis Südwestpfalz) betreibt sie die Naturwerkstatt Artemisia. Johner-Allmoslöchner hat schon seit ihrer Kindheit eine starke Verbindung zur Natur. „Ich wusste immer, wo es die ersten Schneeglöckchen oder Veilchen gab“, erzählt sie. Ihre Eltern hatten ihr früh ein Bestimmungsbuch geschenkt. Lange sammelte sie Kräuter und begann später mit der Organisation von Kräuterwanderungen. Es folgte 2009/2010 die Ausbildung als Heilpflanzenfachfrau an der Freiburger Heilpflanzenschule. Nach eineinhalb Jahren schloss sie erfolgreich die Prüfung ab. 2011 begann sie dann direkt mt der Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin. „Hier musste ich eine Facharbeit schreiben und entdeckte per Zufall das spannende Thema Harz“, erklärt Johner-Allmoslöchner, wie es zu ihrem Interesse an der „außergewöhnlichen Substanz heimischer Nadelbäume“ kam. Ein Nadelbaum bildet Harz, wenn seine Rinde verletzt wird. Wie ein Pflaster verschließt das heilende Harz die Wunde. Harz wurde früher auch für Heilbehandlungen, zum Verräuchern oder zum Abdichten von Behausungen, Booten und Gefäßen genutzt. Neben der Wissensvermittlung geht es ihr vor allem auch darum, „Achtsamkeit im tiefen Respekt vor der Natur zu vermitteln“.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: naturwerkstatt-artemisia.de

Detlev Bucks, Künstler

Malen und Zeichnen spielen in seinem Leben von jeher eine wichtige Rolle. Schon als kleiner Junge waren sie seine liebsten Beschäftigungen. Der diplomierte Grafik-Designer Detlev Bucks, 1960 geboren und in Neustadt an der Weinstraße aufgewachsen, arbeitet hier seit 30 Jahren in der Kreation der Werbeagentur „bfw tailormade communication“. Sein zweites großes Betätigungsfeld sind Aquarelle. „Ich nenne sie lieber ‚Watercolours‘, da sich die meisten Menschen unter Aquarellen etwas anderes vorstellen“, erklärt Bucks seine künstlerische Arbeit, die sich realistischen wie abstrakten Darstellungen widmet. Basis für die Werke sind eigene Foto-Schnappschüsse und Skizzen sowie sein Gedächtnis und die Fantasie. „Ich arbeite zunehmend mit verschobenen Farbräumen und abstrahierten Landschaften“, beschreibt er seine Werke. Bucks, der „glücklich ist, Pfälzer zu sein“, fühlt sich immer wieder durch die Landschaft in der Kombination von Pfälzerwald und Weite der Rheinebene inspiriert. Aquarell, eine der ältesten Maltechniken überhaupt, werde leider etwas unterschätzt, erfordere aber viel Erfahrung. Im Gegensatz zur Malerei mit deckenden Farben müsse man vom Hellen zum Dunkeln arbeiten. „Watercolours“ sind so seit dem Ende der 1990er-Jahre zu seiner künstlerischen Ausdrucksform geworden. Auszeichnungen, etwa vom Magazin „The Art of Watercolour“, und zahlreiche Ausstellungen in der Region sind der Lohn für sein Schaffen.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: bucks@mailbox.org

Heinrich Mauersberger, Landschaftsmaler

Es ist ein einzigartiges Projekt: Eine Verbandsgemeinde lässt sich die Frage, was sie ausmacht, von einem Künstler bildlich beantworten. Heinrich Mauersberger, 1987 in Leipzig geboren, war 2019 im offiziellen Auftrag der Verbandsgemeinde Leiningerland (Landkreis Bad Dürkheim) in allen 21 Dörfern und acht Ortsteilen unterwegs – zu Fuß und immer mit einer Staffelei. Entstanden sind 30 Gemälde, 29 im Format 30 x 40 Zentimeter und ein Großformat (im Hintergrund des Fotos). Alle Gemälde können bis September im Kunstkabinett Tiefenthal betrachtet werden. „Mich hat die ungeahnte Vielfalt der Baustile fasziniert“, beschreibt Mauersberger das Projekt und verweist auf Burgen und Industriegebäude, neue Sachlichkeit im Bauhaus-Stil und schlichte Romanik, Art déco und Fachwerk, Kirchen und moderne Einfamilienhäuser oder Hofgüter und Jugendstil. Der Künstler wendet sich in seiner Malerei besonders der vom Menschen geformten Landschaft zu. Zudem entsteht seine Kunst en plein air, also draußen. Für akademisch gebildete Künstler ist dies eher selten. Das Werk im Großformat zur Verbandsgemeinde stellt eine Metapher für das gesamte Leiningerland dar. „Es geht um die Gesamtfarbigkeit und Weite. Mauersberger erklärt dies so: „Die Großzügigkeit der Landschaft findet sich auch bei den Menschen wieder.“

Text: dot | Foto: dot | Info: heinrichmauersberger.de, kunstkabinett-tiefenthal.de

VielPfalz empfiehlt

Anzeigen