Pfalz persönlich – von Künstlern bis Feigenzüchter

Pfälzer im Kurzporträt: Sprühkünstlerinnen, Schauspieler, ein Museumsdirektor, ein Kunstliebhaber und ein Feigenzüchter. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Ulrike Beutel & Anja Juhnke, Sprühkünstlerinnen

Sie machen gemeinsam Kunst. Und dies ist absolut wörtlich zu verstehen. Anja Juhnke (links) und Ulrike Beutel fertigen mit Acrylspray Kunstwerke, an denen sie immer beide arbeiten.  Die Lust an der Spraykunst entdeckten die Künstlerinnen, die sich anfangs der Malerei widmeten, 2012 bei einem Kurs in Österreich. Methodik und Stil haben Juhnke und Beutel danach immer weiter verfeinert. Für die zu sprühenden Motive werden zu Beginn Schablonen aus Pappe angefertigt. Zwischen 15 und 50 Spray-Schritte benötigt es dann, bis die Werke fertig sind. Ein Prozess, der sich über Tage hinziehen kann. Im Mai eröffneten die Spraykünstlerinnen in Göllheim (Donnersbergkreis) – natürlich ebenfalls gemeinsam – ihr Atelier „SprühMalWas“. Dort können Werke gekauft oder Auftragsarbeiten gemeinsam mit den Künstlerinnen umgesetzt werden. Angeboten werden zudem Kurse in Sachen kreatives Sprühen. Juhnke und Beutel widmen sich auch pfälzischen Motiven. Alle ihre Werke haben ein gemeinsames Kennzeichen: Wundpflaster, die ins Bild integriert werden. Was ursprünglich mit einem „Sprühfehler“begann, weil an einer Stelle die Farbe nicht deckte, ist heute das SprühMalWas-Markenzeichen

Text: dot | Foto: view - die agentur | Info: sprühmalwas.de

Foto: view – die agentur

„Der kleine Luther“, Reformator

„Der kleine Luther“ erzählt die große Geschichte der Reformation im südpfälzischen Landau. Mit richtigem Namen hieß er Johannes Bader und lebte zwischen 1487 und 1545. Als Stationentheater präsentiert das Theater Chawwerusch (Herxheim) Baders Geschichte in und rund um die Landauer Stiftskirche. Dargestellt wird der kleine Luther, ein früher Reformator für die Pfalz, von vier Schauspielern: Stefan Asam, Dennis Gallinger, Jörg Borg (von links vor der Martin-Luther-Statue) sowie Sascha Hunsiker (nicht auf dem Foto). Rund 120 Beteiligte werden zwischen dem 24.9. (Premiere, Vorverkauf ab 24.8.) und dem 3.10. bei den Aufführungen mit von der Partie sein, berichtet Projektleiter Thomas Kölsch. Neben den Chawwerusch-Schauspielern sind es Amateure: vom Architekt bis zum Zahnarzt und im Alter zwischen 14 und 75 Jahren. Die Idee zu dem Stationentheater, einem Projekt, das Chawwerusch zusammen mit dem Evangelischen Kirchenbezirk und der Stadt Landau realisiert, entstand im Herbst/Winter 2015. Da es wenig Material gab, waren intensive Recherchen und viel Vorarbeit nötig, berichtet Kölsch. „Ein spannendes Thema aus einer spannenden Zeit“, freut er sich, dass Chawwerusch – ein Theater, das mittlerweile selbst ein Stück Pfalz ist – die große Bedeutung der Reformation für die Region mit dem Projekt darstellen kann.

Text: dot | Foto: view - die agentur | Info: chawwerusch.de

 

Alexander Schubert, Museumsdirektor

„Zu einer großen kulturgeschichtlichen Schau, die auch viele Besucher von außen anziehen wird, gehören Souvenirs zwingend mit dazu“, erklärt Museumsdirektor Dr. Alexander Schubert. Die Landesausstellung „Richard Löwenherz – König, Ritter, Gefangener“ wird Mitte September im Historischen Museum der Pfalz eröffnet. In Speyer gibt es neben dem Katalog eine Wein-Sekt-Sonderedition vom Weingut Anselmann in Edesheim (Landkreis Südliche Weinstraße). Für Schubert ist dies optimal, weil damit ein guter Bezug hergestellt werden kann. So war Wein zum einen ein mittelalterliches Getränk und zum anderen ist überliefert, dass Richard Löwenherz ein passionierter Weintrinker war. „Er war länger in der Pfalz als in England. Als Freigänger hatte er, der neben dem Trifels auch in Speyer, Worms und Mainz war, durchaus Gelegenheit, Weine zu probieren“, erzählt Schubert. Für den Museumsdirektor sind Ausstellungen mit Themen, die einen zusätzlichen regionalen Bezug haben, besonders spannend. Dies gelte auch, obwohl es sich bei Löwenherz’ um einen „unfreiwilligen Aufenthalt“ gehandelt habe. Die Schau Richard Löwenherz sieht Schubert auf einer Ebene mit den Ausstellungen zu den Maya, der Titanic und zu den Saliern (siehe auch Seite 32 und Verlosung).

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: museum.speyer.de

 

Wolfgang Thomeczek, Kunstliebhaber

„Ich habe einfach ein Faible für Mario Adorf. Seine Stimme, seine Schauspielkunst, seine Persönlichkeit.“ Nun hat Wolfgang Thomeczek eine Porträtbüste des Weltstars in seinem KunstKabinett in Tiefenthal (Kreis Bad Dürkheim) stehen. Geschaffen von Thomas Duttenhoefer, dem in Speyer geborenen Bildhauer, der für seine geformten Portraits berühmt ist: Willy Brandt, Hilde Domin, Dietrich Genscher, George Tabori, Marcel Reich-Ranicki und viele mehr. So auch Filmemacher und Autor Edgar Reitz und nun Mario Adorf. Letztere sind beide bei Kunstprojekten von Thomeczek entstanden: Reitz 2012 während einer Ausstellungseröffnung von Werken Duttenhoefers in Sausenheim. Adorf im 2016 erbauten 50 Quadratmeter großen KunstKabinett-Ausstellungsraum. An zwei Tagen, jeweils eine Stunde, musste Adorf stillhalten, damit Duttenhoefer das plastische Porträt zunächst aus Ton modellieren konnte. Adorf und Thomeczek stammen beide von der Mosel. Als Mitglied des Kuratoriums der Wormser Nibelungenfestspiele weilte Adorf 2016 in der Region. Der 1950 geborene Thomeczek – beruflich als kreativer Messegestalter zwischen Berlin, Mailand und Paris unterwegs – ist heute Sammler, Aussteller und Galerist. Seit 15 Jahren lebt er mit seiner Frau in Tiefenthal. Adorfs Bronzebüste ist zusammen mit Fotos und Zeichnungen vom 12. bis 20. August (Sa und So, 11 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung) zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 6.8., 11 Uhr, mit einer Lesung von Mario Adorf in der Evangelischen Kirche von Tiefenthal.

Text: dot | Foto: view - die agentur | Info: kunstkabinett-tiefenthal.de

 

Firuddin Kasumov, Hobby-Feigenzüchter

Sie sind für ihn Erinnerungen aus der und an die Heimat zugleich. Dort wachsen, so betont Firuddin Kasumov begeistert, „die süßesten Feigen der Welt“. Der Doktor der Chemie, der in Ludwigshafen eine international tätige Beratungsfirma für Technologieprojekte betreibt, stammt aus Baku in Aserbaidschan. Seit 1991 lebt er mit seiner Frau und drei Töchtern in der Pfalz. Und „Papas viertes Kind“, so sagt seine Gattin schmunzelnd, sind die Feigen. Im großen Oggersheimer Garten gedeihen mittlerweile fünf Baku-Feigen (Pingo de Mel, Honigtropfen), die er von der Halbinsel Apscheron am Kaspischen Meer mitgebracht hat. Drei Pfälzer Feigen (Brown Turkey), eine Krim-Feige (Mussega), eine Peleponnes-Feige und eine Balkan- oder Nizza-Feige (Dorée) kommen hinzu. Weitere werden folgen. Kasumov – auf unserem Foto steht er vor einem rund sechs Meter hohen Baku-Feigen-Strauch – kümmert sich bis ins Detail und mit viel Liebe um die richtige Wasserzufuhr und Düngung. Ganz besonders wichtig sei der Schnitt. Denn nur, wenn dieser fachmännisch ausgeführt wird, tragen die Feigen-Pflanzen üppig. In Oggersheim werden Jahr für Jahr kiloweise süße Früchte geerntet. Diverse Feigen-Mischungen, etwa mit orientalischen Gewürzen oder mit viel Zimt für Weihnachten, werden zu Marmelade verarbeitet, die nicht nur die Kasumovs selbst schätzen.

Text: dot | Foto: dot | Info: kasusgmbh.de

 

Noch mehr Pfälzer Persönlichkeiten:

Pfalz persönlich – vom Kochperfektionist bis zur Gärtnerin

Pfalz persönlich – vom Kochperfektionist bis zur Gärtnerin

Fünf Menschen im Kurzporträt: eine Staudengärtnerin, eine Unverpackt-Verfechterin, ein Kochperfektio...

Pfalz persönlich – von der Pfarrerin bis zum Teegärtner

Pfalz persönlich – von der Pfarrerin bis zum Teegärtner

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: eine Pfarrerin, ein Sternekoch, ein Bierbrauer, ein Teegärtner und eine...

Pfalz persönlich – vom Koch bis zum Seifenhersteller

Pfalz persönlich – vom Koch bis zum Seifenhersteller

Ein Pfälzer Koch, ein Seifenhersteller aus Steinweiler, ein RPR1-Radiomoderator, eine Letterboxerin...

VielPfalz empfiehlt

Anzeigen