Pfalz persönlich – von der Schafskäse-Herstellerin bis zur Dombaumeisterin

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: eine Schafskäse-Herstellerin, ein Landwirt-Azubi, ein Archäologe, ein Winzergenossenschaftschef und die neue Speyerer Dombaumeisterin. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten


Petra Eichberger, Schafskäse-Herstellerin

Auf den Wiesen hinter dem Linsenbühler Hof von Petra Eichberger geht es tierisch zu. Als sie zusammen mit ihrem Mann 2002 nach Erlenbach kam, wussten beide gleich, dass beim Mähen der großen und steilen Grünflächen, die zum Haus gehören, eine Alternative gefunden werden musste. Die passende Idee hatten Freunde parat: „Holt euch doch ein paar Schafe.“ Aus ein paar wurde mittlerweile eine Herde von 120 Tieren. Auch die Erlenbacher merkten schnell, „wo Schafe weiden, ist es hinterher viel schöner“. So erfreuen sich die wolligen Vierbeiner auch in der Umgebung großer Beliebtheit. Neben Schwarzkopfschafen halten die Eichbergers seit 2009 auch 35 Ostfriesische Milchschafe. Für Petra Eichinger stand fest: „Ein Schaf besteht aus mehr als Fleisch und Wolle.“ Seit 2010 stellt sie aus der pasteurisierten Schafsmilch Frischkäse und Schafskäse her. Inzwischen verköstigt sie damit nicht nur ihre Familie, sondern auch viele zufriedene Kunden. Die Schafsprodukte verkauft sie im eigenen Hofladen. Das Wissen über die Verarbeitung und Herstellung eignete sie sich unter anderem in mehreren Käse-Seminaren an. Von März bis spätestens Anfang Oktober geben die Schafe die Milch für den Käse, den sie in verschiedenen Sorten anbietet, darunter auch Petra Eichbergers persönliche Lieblingssorte: Schafskäse mit Chili. Die Arbeit in der Natur und mit ihren Tieren bereitet ihr große Freude und genauso wie die schönen, regionalen und gesunden Produkte, die am Ende dabei herauskommen.

Text: sct | Foto: Norman Krauß | Info: linsenbühlerhof.de

 

Dominik Guhl, Landwirt-Azubi

Die digitale Bekanntheit machte den Unterschied: Bei einem Online-Voting wurde Dominik Guhls Familie zu Deutschlands Agrarfamilie 2018 gewählt. Zuvor bestimmte eine Jury die zwölf Finalisten aus 200 Bewerbungen. Die Guhls aus Gerhardsbrunn (Landkreis Kaiserslautern) gingen für Rheinland-Pfalz ins Rennen. „Unser jährliches Hoffest mit inzwischen rund 7000 Besuchern brachte uns wichtige Punkte ein. Außerdem unser Konzept bei der Selbstvermarktung und vor allem die Öffentlichkeitsarbeit“, erzählt der 20-Jährige. Dominik Guhl dreht zusammen mit seinem Cousin Lukas Filme über das Hofleben, die sie auf ihrem YouTube-Kanal „Pfälzer Agrarvideos“ veröffentlichen. Mehr als 55.000 Abonnenten haben sie dort. Dazu kommen ein paar Tausend Fans auf Facebook und Instagram – alles in allem „hatten wir da einen Reichweitenvorteil gegenüber den anderen Teilnehmern“. Vor 60 Jahren gründete Dominik Guhls Urgroßvater Franz den Bauernhof, nachdem er als Kriegsflüchtling aus Schlesien in die Pfalz kam. Schnell war ihm klar: Die Pfalz ist die neue Heimat. „Für mich bedeutet Heimat ziemlich viel. Auf jeden Fall zählt unser Bauernhof dazu, der starke Rückhalt der Familie und die Sickinger Höhe. Der Ausblick von unserem Hof auf das Tal und die Hügel ist phänomenal“, schwärmt der Landwirt-Azubi, der unter anderem Herr des Fuhrparks ist. Er wird den Hof in der vierten Generation übernehmen und ist stolz, dass die 2015 erfolgte Umstellung des Gemischtbetriebes auf Selbstvermarktung in der Region so gut angenommen wird. Zum Betriebskonzept gehören ein rund um die Uhr zugänglicher Frischmilchautomat sowie andere Warenautomaten.

Text: ayß | Foto: view - die agentur | Info: bauernhof-guhl.de

 

Arno Braun, Archäologe

Ein Teil seines Berufes ist zu einem Hobby geworden, dem er mit Leidenschaft nachgeht. „Mir gefallen alte Gebäude und ich verbinde sehr viel mit ihnen“, erklärt Arno Braun sein Faible für die Dendrochronologie. Mit dieser wissenschaftlichen Methode erfolgt die Datierung anhand von Holz. Braun, 1968 in Wolfstein (Kreis Kusel) geboren, hat in Mainz Vor- und Frühgeschichte studiert. Den Archäologen, der an der Universität des Saarlandes arbeitet, fasziniert in der Kunstgeschichte besonders die Verbindung zur Architektur. „Diese gehört entscheidend zur Kulturlandschaft und macht so die Pfalz oder andere Regionen aus“, sagt Braun und verweist auf den die Westpfalz prägenden roten, braunen oder gelben Sandstein. Über seine Doktorarbeit, in der Braun anhand von Holzkohle einzelne Befunde genau datierte, kam er auf die Idee, die Methode an Häusern in der Nachbarschaft anzuwenden. Mit einem speziellen Bohrer wird dafür ein Holzkern entnommen. „Oft sind es kleine Details, durch die man selbst veränderten Gebäuden ihr höheres Alter ansieht. Dafür habe ich ein geschultes Auge entwickelt. Dann frage ich an, ob ich Löcher bohren darf“, meint Braun mit einem Schmunzeln. So wurde auch das älteste Haus im Kreis Kusel entdeckt. Dieses steht in Wolfstein und ist 1539 gebaut worden. Auf lange Sicht würde der Archäologe die Daten gerne publizieren. Erst einmal sollen aber „die Leute einfach nur wissen, wie alt etwas ist“. Dies trage dazu bei, ein Stück Heimat zu sichern, denn vielfach sei den Besitzern gar nicht bewusst, in was für einem Schatzkästlein sie wohnen.

Text: dot | Foto: view – die agentur 

Martin Laible, Winzergenossenschaftschef

„Ein Streckenflug ist der gelungene Versuch einer Kommunikation mit der Erde als Subjekt in ihrer Sprache, dem Wind.“ Für Martin Laible, 1959 in Landau geboren, hat das Gleitschirmfliegen, das für ihn „viel mehr als ein Hobby ist“, eine philosophische Dimension. Neben seinem Sport, der Teil seiner Persönlichkeit sei, mache ihn seine berufliche Aufgabe aus. Seit 1995 ist Laible geschäftsführender Vorstandsvorsitzender der Hambacher Schloss Kellerei, der kleinsten Winzergenossenschaft der Pfalz. Seinen ersten Gleitschirmflug absolvierte Laible 1989. Mittlerweile hat er in 30 Jahren über 5000 Flugstunden angehäuft. Rund 150 Stunden im Jahr ist er in der Luft, wobei ihn Streckenflüge von sechs bis acht Stunden Dauer am meisten faszinieren. Sein weitester Flug in Deutschland führte ihn von Mosbach in Baden 238 Kilometer weit nach Hof in Bayern. Seit August 2013 hält Laible den pfälzischen Rekord mit 191,1 Flugkilometern, von Orensfels oberhalb des Dernbacher Tals bei Annweiler bis nach Würzburg. „Fliegen war für mich schon immer Thema. Ich habe als Kind gerne Bussarde beobachtet oder mit dem Bumerang gespielt“, erinnert sich Laible. Das Gleitschirmfliegen ist heute „für ihn ein Weg, sich auszudrücken“. Die Heimat Pfalz, so Laible begeistert, sei wunderschön und „aus der Luft wie eine liebliche Märklin-Eisenbahnlandschaft, nur dreimal schöner“. Das Foto entstand am Landeplatz in Weyher.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: hskeg.de

 

Hedwig Drabik, Dombaumeisterin

„Diese Monumentalität von Kirchenräumen hat mich immer fasziniert.“ Schon zu Schulzeiten setzte sich Hedwig Drabik zum Ziel, Dombaumeisterin zu werden. Jetzt hat sie es erreicht: Seit Anfang März 2019 ist die 32-Jährige die jüngste Dombaumeisterin Deutschlands und die erste Frau in dieser Funktion am Speyerer Dom. Drabiks Verantwortungsbereich ist groß, die studierte Architektin und Denkmalpflegerin ist für alle baulichen Aufgaben des Domkapitels zuständig. 2019 stehen gleich 20 Projekte auf ihrer Agenda: Mit der Instandsetzung des Vierungsturms und der Restaurierung der Vorhalle warten zwei große bauliche Herausforderungen am Dom auf sie. Aber auch für Kapitelshäuser und Friedhof ist die Dombaumeisterin zuständig. „Ich werde mich jetzt in kleinen Schritten dem Bauwerk nähern, mich mit ihm vertraut machen“, erzählt Drabik und man spürt ihre große Freude darüber, mit ihrer Arbeit zum Erhalt des Unesco-Welterbes beitragen zu können. Einen Lieblingsplatz habe sie bereits: die Krypta als ältester Teil des Doms beeindrucke sie durch ihre besondere Atmosphäre. „Hier kann man wunderbar der Hektik des Alltags entfliehen.“ Nach Studienjahren in Kassel und Bamberg verschlug es die neue Dombaumeisterin schließlich in die Pfalz – in einem Landauer Architekturbüro kümmerte sie sich die vergangenen Jahre vor allem um Sakralbauten. Hedwig Drabik lebt gerne in der Region. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten auf dem Mountainbike, bei Touren durch den Pfälzerwald. Sie schätzt die Pfälzer vor allem für ihre Herzlichkeit: „Man wird hier überall mit offenen Armen empfangen.“

Text: swa | Foto: Norman Krauß | Info: dom-zu-speyer.de

 

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