Pfalz persönlich – von der Ruderin bis zum Metzger

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: eine Ruderin, ein Tüftler, ein Metzgermeister, eine Künstlerin und eine Landschaftsführerin. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Carina Pollmer, Ruderin

„Rudern ist ein ultraanstrengender Sport. Dafür muss man schon ein bisschen komisch sein“, sagt Carina Pollmer mit einem Lächeln in der Stimme. Denn die Medizintechnik-Studentin aus Limburgerhof lebt fürs Rudern und den Ludwigshafener Ruderverein. Es war Liebe auf den zweiten Blick: „Als ich 13 war“, erzählt Pollmer, „hat meine Mutter beschlossen, dass ich Sport machen muss. Kinder ihrer Freundinnen waren im Ruderverein und sie dachte, das wäre was für mich.“ Es habe ein Jahr gedauert, bis sie sich in den Sport eingefunden habe, dann habe er sie nicht mehr losgelassen.

2018 holte sie im Leichtgewichts-Doppelzweier die Deutsche Junioren-Meisterschaft. Ein Jahr später folgte Silber bei den U23-Europameisterschaften. Seit fast zwei Jahren ist sie Jugendtrainerin und Jugendwartin. „Während des Lockdowns konnten wir mit ein paar Anpassungen weitertrainieren. Wir haben Ruder-Ergometer verteilt, statt Krafttraining gab es Online-Zirkeltraining. Rudern war lange Zeit gar nicht und anschließend nur im Einer erlaubt.“Im Herbst 2020 startete sie mit neuen Kindern, die noch gar nicht wussten, für was sie so hart trainieren sollen. „Das Coolste beim Rudern sind nämlich die Sommermonate. Man ist auf Wettkämpfen, es gibt Jugendfreizeiten und wir feiern viel gemeinsam.“ Mit dem Rhein habe der Verein das schönste Ruderrevier überhaupt.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: ludwigshafener-rv.de

Matthias Glass, Unternehmer und Tüftler

Es muss nicht immer alles rund laufen. Manchmal setzt sich auch etwas Eckiges durch. Mit dem „rebarriQue“-Weinfass möchte Matthias Glass, passionierter Weingenießer aus Hochstadt (Kreis Südliche Weinstraße), den Keller der Winzer auf den Kopf stellen. „Bei den Top-Winzern ist ein rundes Holzfass in der Regel ein bis zwei Mal belegt, bevor es ausrangiert wird. Denn dann gibt es nicht mehr genügend Gerbstoffe für die hochwertigen Weine ab“, erklärt Matthias Glass, der in erster Linie den Familienbetrieb Glass Metallbau führt und über den Prototypenbau zum „rebarriQue“ gestoßen ist.

Dieses eckige Weinfass habe den Vorteil, dass es deutlich länger vom Winzer genutzt werden könne, da durch die Bauweise eine Wiederaufarbeitung gut möglich sei. „Die geraden Flächen lassen sich innen leichter abhobeln“, beschreibt der Südpfälzer. Auch sei es gut mit dem Hochdruckreiniger sauber zu machen. Alles in allem komme das „rebarriQue“ nachhaltiger daher als runde Fässer, auch weil weniger Fässer produziert werden müssten und dies Ressourcen und CO₂ einspare. Das junge Unternehmen wurde dieses Jahr für seine Idee mit dem „Sonderpreis Innovationen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft“ vom Wirtschaftsministerium des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Und auch Wein aus dem Eckigen konnte bei Wettbewerben schon ordentlich punkten.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: rebarrique.de

Heiner Krieger, Metzgermeister

Zurück zu den Wurzeln oder besser gesagt, zur Wurst. Als Heiner Krieger 2019 in den Ruhestand ging, tagte der Familienrat. Denn: Was sollte er jetzt zu Hause machen? „Ich könnte meiner Frau auf den Keks gehen“, war eine Möglichkeit. Oder: „Vater, du machst das, was du am besten kannst. Du machst Wurst“, schlugen seine Kinder vor. Und das machte er. Nach über 30 Jahren kehrte Krieger in seinen Metzgerberuf zurück und gründete in Waldsee (Rhein-Pfalz-Kreis) das Wurstwerk Krieger. Dass seine Pfälzer Hausmacher ankommt, wusste er vom Feedback seiner Familie, Nachbarn, Freunde, Freundesfreunde ... „Es war aber eine Überraschung, wie die Sache durch die Decke ging“, sagt der Metzgermeister.

Als er damals die elterliche Metzgerei verließ, um in den Handel mit Handwerksmaschinen einzusteigen, hatte er die Faxen der Branche dicke. Heute passen handwerklich gute Ware und seine Vorstellung von einer „geilen Wurst“ wieder zu 100 Prozent in die Zeit. „Alle Rezepturen habe ich selbst erarbeitet. Ich verwende nur hochwertiges Fleisch von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und würze mit Naturgewürzen. Keine Phosphate, keine Gewürzmischungen, kein Nitritpökelsalz. Einfach ehrliche Wurst. Pfälzer Hausmacher ist für mich eine Herzensangelegenheit, die zum Leben eines Pfälzers einfach dazugehört.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: wurstwerk-krieger.de

Susanne Wadle, Bildende Künstlerin

Die Kunststudentin von einst, die alles auf einmal lernen wollte, die in allen Mainzer Ateliers und Werkstätten unterwegs war, die ihr Lehramtsstudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat und Meisterschülerin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe war, die die Kunst in ihrer Ganzheit begreifen wollte, ist heute eine der markantesten Künstlerinnen der Pfalz. Gerade weil Susanne Wadle „crossover“ arbeitet, spricht sie viele Sinne des Betrachters auf intensive Weise an. Dafür nimmt sie bevorzugt Alltägliches und setzt dies in einen neuen Kontext. Sie modelliert, sie malt, sie baut mit Fundstücken, sie verwendet verschiedene Stoffe, sie arbeitet mit (Frei-)Räumen und sie wird – hier sind wir in der Aktionskunst – selbst zum Bestandteil der Kunst, wenn sie mit ihren abstrakten oder figürlichen Objekten performt.

Die Landauerin empfindet es als Wertschätzung, dass sie mit ihrer Kunst im öffentlichen Raum einen Platz einnehmen darf, beispielsweise entlang von Wanderwegen, an Wänden und auf Spielplätzen. „Wir Frauen sind noch gar nicht so lange sichtbar.“ Ganz in der Tradition der Künstlerinnen-Kunst ist für sie Weiblichkeit ein wichtiges Thema. „Meine Kunst soll Freude machen, aber nie nur ein Spiel sein. Sie soll für gewisse Themen sensibilisieren, ohne didaktisch zu sein.“ Die Stele „Schlafender Jäger“ (Foto) gehört zur Serie „Die Reisenden“, entstanden 2015. Hier geht es darum, Fremdes durch Bekanntes vertraut zu machen und um die Lebensreise – körperlich wie geistig. Aktuell sind Werke von Susanne Wadle im Skulpturengarten in Schweigen zu sehen.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: susannewadle.de

Susanne Lorenz, Natur- und Landschaftsführerin

Sie ist ein Naturmensch. Susanne Lorenz aus Fischbach (Kreis Kaiserslautern) braucht den Pfälzerwald wie die Luft zum Atmen. Und genau bei diesem einfachen Bild, nämlich dass „uns die Luft ausgeht, wenn wir nicht auf den Wald aufpassen“, setzt die Natur- und Landschaftsführerin bei Touren mit Kindern an. Die Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur (FH) und Mutter von drei erwachsenen Kindern hat die Liebe zur Natur und den respektvollen, wertschätzenden Umgang mit ihr in die Wiege gelegt bekommen. Heute lebt sie im, mit und für den Pfälzerwald.

Diejenige, die mit den Hunden (Lotte und Arco) im Wald trabt, so die Bedeutung ihrer freiberuflichen Marke „wolfstrab“, hat die Ausbildung zum Besuchs- und Begleitdienst mit Hund gemacht, ist Biosphären-Guide und Referentin für Klimawandelfolgen, engagiert sich im Sportverein Fischbach und bei den Naturfreunden, ist mit vielen Forstämtern und dem Haus der Nachhaltigkeit vernetzt, arbeitet in Teilzeit beim Kinderschutzbund für das Lernpatenprojekt und in der Umweltbildung ... kurz: Sie ist nahezu immer draußen unterwegs. Susanne Lorenz möchte am liebsten schon die Jüngsten neugierig machen auf die Komplexität des Waldes, auf das Zusammenspiel der Natur. „Ich versuche, die Worthülle Biosphärenreservat mit Leben zu füllen, und diese einzigartige Kulturlandschaft – was der Pfälzerwald ist, denn es hat auch der Mensch seinen Platz darin – als Ganzes wahrzunehmen.“

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: wolfstrab.de

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