Pfalz persönlich – von der Regisseurin bis zum Igelfreund

Isabella Freilinger entwickelte ein modernes Konzept für die Aufführung von Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ in Ludwigshafen und Jan Wolfmüller pflegt hilfebedürftige Igel und gründete den Verein Igelfreunde Rhein-Pfalz. Sie sind zwei der fünf Menschen, die wir dieses Mal in unserer Rubrik „Pfalz persönlich" im Kurzporträt vorstellen.


Isabella Freilinger, Autorin, Regisseurin, Schauspielerin

„Wir brauchen Platz für die ganz große Orchesterbesetzung und noch dazu zum Tanzen. Wo geht so etwas überhaupt?“ Diese Frage beschäftigte Isabella Freilinger und das Team der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Blick auf Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“. Gefunden wurde dann die Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle – vor ihr entstand das Foto. Ein Ort mit „einer ganz besonderen Atmosphäre“, ist sich die Autorin, Regisseurin und Schauspielerin sicher. Die konzertante Aufführung (Do, 8.9., 19.30 Uhr) wird als „modernes Märchen für alle Generationen“ inszeniert. Neben Musik sorgen Filmsequenzen und Tanz – von Ballett über Hip-Hop bis zum Gesellschaftstanz – für eine besondere Live-Performance.

Ein Projekt nach Maß für Freilinger, die seit elf Jahren im kurpfälzischen Heidelberg lebt und für Fernsehsender, Filmproduktionen und Kulturbetriebe Ideen entwickelt und umsetzt. Die 1991 im österreichischen Bludenz geborene Multi-Künstlerin, die Strawinskys Musik sehr mag, hat für die Aufführung in der Eberthalle eine aktuelle Geschichte geschaffen. „Eine Frau folgt einer Umweltschutzgruppe in einen magischen Wald und erlebt sich selbst als Teil der Natur“, erzählt Freilinger, die fasziniert von der Teamarbeit bei dem Projekt ist. Spannend sei es auch, zu erleben, wie eine Idee im Prozess weiterentwickelt wird.

Text: dot | Foto: Gabi Kunz | Kontakt: isabellafreilinger.com, staatsphilharmonie.de

Lothar Leidner, Gartenfan

Seit vier Jahrzehnten dreht sich vieles im Leben von Lothar Leidner um seinen Garten in Vorderweidenthal (Landkreis Südliche Weinstraße). Zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche „arbeitet“ er dort, um die gut 500 Quadratmeter in Schuss zu halten. Der Ziergarten mit Teich und die Beete mit Gemüse und Salat haben für ihn dabei den gleichen Stellenwert. „Im Garten sammle ich Kraft und kriege den Kopf frei“, erklärt der 1955 in Bundenthal (Landkreis Südwestpfalz) geborene Gartenfan. Während seiner fast 50-jährigen Tätigkeit als Schweißer und Schlosser bei der BASF erledigte Leidner die Gartenarbeiten nach Feierabend, manchmal auch zu später Stunde, und am Wochenende. Jetzt teilt er sich alles so ein, dass er den Garten am Wochenende oder am Nachmittag bei einem Radler oder einem Glas Wein genießen kann. „Schon die erste Tasse Kaffee trinke ich auf der Terrasse oder am Gartenhaus“, erzählt Leidner, der sich von März bis Oktober „ständig draußen aufhält“. Immer wieder fasziniert ist er vom Wandel und der Erneuerung der Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten. Anno 2022 hat er erstmals bei den „offenen Gärten“ mitgemacht, nachdem er sich früher selbst viele Ideen bei anderen Gartenliebhabern geholt hat. „Wahrscheinlich mache ich da wieder mit, um neue Kontakte in Sachen Garten zu knüpfen“, macht Leidner deutlich, dass sich auch weiter vieles um seine Leidenschaft drehen wird.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: lothar.leidner@web.de

Andreas Jung, Diplom-Biologe und Ampelograph

Reben sind seine absolute Leidenschaft. Mehr als 300 Sorten und über 1000 Klone hat Andreas Jung in mehreren Rebsortenarchiven in seiner Obhut. Sie finden sich in Rheinhessen, am Neckar, an der Badischen Bergstraße und natürlich in der Pfalz. Jung, 1961 in Rielasingen (Landkreis Konstanz) geboren, betreibt in Lustadt (Landkreis Germersheim) ein Büro für Rebsortenkunde und Klonselektion. Im benachbarten Weingarten steht sein gepachteter Südpfalzweinberg, in dem rund 900 Rebstöcke von 131 einheimischen Rebsorten wachsen und den er zusammen mit einem Winzer bewirtschaftet. „Ich habe sie alle in alten Weinbergen Deutschlands entdeckt, identifiziert und eingesammelt“, erzählt Jung. Der studierte Diplom-Biologe und Ampelograph ist auch eingetragener Erhaltungszüchter.

Zur Finanzierung des Südpfalzweinbergs vergibt Jung Rebenpatenschaften, die im ersten Jahr einer Mitgliedschaft mit einer Urkunde, sechs Flaschen Wein und der Teilnahmemöglichkeit an einer Kulinarischen Weinprobe belohnt werden. Jung hat im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft von 2007 bis 2010 bundesweit rebengenetische Ressourcen erfasst. „Viele der von mir damals aufgespürten Rebsorten galten schon als ausgestorben“, sagt Jung. Heute versucht er zusammen mit der Rebschule Martin im rheinhessischen Gundheim herauszufinden, welche alten Rebsorten mit künftigen klimatischen Veränderungen besser zurechtkommen könnten. So soll aus Historie Zukunft werden.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: rebenpatenschaft.de, historische-rebsorten.de

Dr. Kristian Buchna, Historiker

„Farbe bekennen ist heute das ,Flagge zeigen‘ von 1832. Die Farben Schwarz, Rot und Gold standen für Werte, um die es auch jetzt geht.“ Dr. Kristian Buchna, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Hambacher Schloss, betreute als Projektleiter die Neukonzeption der dortigen Dauerausstellung, die seit Mai wieder zugänglich ist. „Wir haben an diesem deutschen Demokratieort die Aufgabe, auf möglichst lebendige Art und Weise zu vermitteln, was uns das Hambacher Fest heute zu sagen hat“, erläutert der Historiker, warum die Ausstellung eine Brücke aus der Geschichte in die Gegenwart schlägt.

Buchna betont, für ihn sei „Farbe bekennen“ ein plastischer Ausdruck dafür, dass die Demokratie nicht nur Staats-, sondern auch Lebensform sei. „Dazu gehört das Mitmachen. Der Blick in die Geschichte zeigt, wie wichtig dies ist. Demokratie ist nicht selbstverständlich“, fügt der 1983 geborene Hamburger hinzu, der sich seit September 2020 auch um Veranstaltungen, wissenschaftliche Forschung und die Wissensvermittlung bei der Stiftung kümmert. Für Buchna ist das Hambacher Schloss „ein exponierter Ort in jeder Hinsicht“. Das große touristische Interesse an der „Wiege der Demokratie“ sieht er als ein Potenzial, das Bewusstsein für die Aktualität der Hambacher Werte – Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie europäische Solidarität – gerade in diesen Zeiten zu stärken.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: hambacher-schloss.de

Jan Wolfmüller, Igelfreund

Es war ein Fund mit ungeahnten Folgen. Gerade mal 80 Gramm brachte der hilflose Igel auf die Waage, der sich 2018 im Garten der Familie Wolfmüller in Bobenheim-Roxheim (Rhein-Pfalz-Kreis) verirrte. „Wir haben händeringend nach Wegen gesucht, ihm zu helfen“, erinnert sich Jan Wolfmüller. Mittlerweile wird nach Wolfmüller gesucht, wenn die stacheligen Wildtiere in Not geraten. Der 1994 geborene Student der Wirtschaftsinformatik ist mit seinem Vater Björn Vorsitzender der Igelfreunde Rhein-Pfalz. Der Verein wurde im Dezember 2021 gegründet und hat rund 60 Mitglieder. Dies ist notwendig, hat sich doch die Zahl der Igel, die Hilfe benötigen, seit 2019 von sieben auf 120 Igel in 2021 erhöht. „Es ist privat nicht mehr zu steuern“, betont Jan Wolfsmüller, der sich täglich zwei bis drei Stunden den Stacheltieren widmet.

Bis zu 20 Igel werden gleichzeitig im „Igelkrankenhaus“ in Keller, Garage oder Schuppen gepflegt. Weitere Tiere sind bei Helfern aus dem deutschlandweit vernetzten Verein untergebracht. Dieser ist bewusst keine Igel-Auffangstation, sondern soll vor allem eine Beratungsstelle sein. „Wir versuchen Leuten, die bei uns nach Hilfe fragen, Lust zu machen, die Tiere selbst unter Anleitung aufzupäppeln“, erklärt der Igelfreund. Zudem gehe es darum, grundsätzliche Verbesserungen für ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier zu anzustoßen. Wolfmüller: „Wir wollen Menschen persönlich abholen, um sie zu Multiplikatoren zu machen.“

Text: dot | Foto: Gabi Kunz | Info: igelfreunde-rp.de

Noch mehr Porträts

Pfalz persönlich – vom Literaturfreund bis zur Lauftrainerin

Pfalz persönlich – vom Literaturfreund bis zur Lauftrainerin

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregi...

Pfalz persönlich – vom Landwirt bis zur Musicaldarstellerin

Pfalz persönlich – vom Landwirt bis zur Musicaldarstellerin

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregi...

VielPfalz empfiehlt

Anzeigen