Pfalz persönlich – von der Künstlerin bis zum Klimatologen

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: zwei Künstlerinnen, ein Biologe, ein Klimatologe und die Organisatorin eines Hippie-Marktes. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten


Astrid Haas, Künstlerin

2006 nahm sich die Kaiserslauterin Astrid Haas eine berufliche Auszeit, belegte Kunstkurse und erlernte das Buchbinden. Und genau dieses Handwerk lässt sie seitdem nicht mehr los. Aus ihrem Lieblingsmaterial Recyclingleder, das aus Schnittresten aus der Taschen- und Schuhherstellung besteht, fertigt sie Notiz- und Reisetagebücher oder Fotoalben. Auch Seiten aus alten Atlanten oder Kaffeesäcke aus Jute verwendet sie für ihre ausgefallenen Unikate. Je nach Schwierigkeitsgrad arbeitet Haas schon mal eine ganze Woche an einem besonderen Buch. Ihre Kunden seien Menschen, die das Handwerk wertschätzten und denen Nachhaltigkeit wichtig sei. Nach ihrem Lieblingsprojekt gefragt, erinnert sie sich an ein Reisetagebuch für einen jungen Mann. Dieser wanderte mit einem Bollerwagen vom bayerischen Ansbach nach Chur in der Schweiz. „Solche Aufträge geben mir das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein.“ Ihr Lieblingswerkstoff Papier habe während der letzten zehn Jahre eine Renaissance erlebt. „Papier hat für mich gegenüber den kalten, glatten Oberflächen der digitalen Geräte als haptisches Material eine geradezu sinnliche Qualität“, schwärmt die Künstlerin. Ihre Freizeit verbringt Astrid Haas am liebsten im Pfälzerwald. Auf ihren Wanderungen habe sie stets ihr eigenes Outdoor-Reisetagebuch dabei. „Ich notiere, was ich in der Natur beobachte. Das ist Inspiration pur!“

Text: swa | Foto: view – die agentur | Info: tulibri.de

 

Pirmin Hilsendegen, Biologe

„Es ist eine besondere Auszeichnung für die gelungene Erhaltung einer uralten Kulturtechnik bis in die heutige Zeit, auf die die Region stolz sein kann.“ Pirmin Hilsendegen, Koordinator und Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Queichwiesen, freut sich, dass die traditionelle Art der Bewässerung der Wiesen von der Deutschen Unesco-Kommission ins bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbens aufgenommen ist. Hilsendegen, 1958 geboren und bis vor Kurzem Biologielehrer am Max-Slevogt-Gymnasium in Landau, ist bei der IG mit Sitz in Ottersheim (Landkreis Germersheim) von Anfang an aktiv. Landwirte, Naturschützer und Kommunen kümmern sich hier seit über 20 Jahren um Erhalt und Nutzung des Bewässerungssystems. Es funktioniert über Wehre und Schließen, die das Wasser der Queich stauen und leiten, allein mit Hilfe der Schwerkraft, indem das natürliche Gefälle genutzt wird. Ziel ist es, dass Landwirte auch bei geringfügiger oder ganz ohne Düngung einen guten Heuertrag erzielen und sich die Bewirtschaftung noch lohnt. Gleichzeitig entsteht eine Landschaft mit charakteristischer Flora und Fauna. So sammeln sich hier Jahr für Jahr im Spätsommer wegen des reichen Futterangebots mehrere Hundert Störche. Mit ihren rund 350 Hektar sind die Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim heute das größte zusammenhängende noch aktiv betriebene Wiesenbewässerungssystem in Deutschland. „Naturschutz und Landwirtschaft profitieren gleichermaßen von der traditionellen Bewässerungstechnik“, unterstreicht Hilsendegen.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: queich-bew.ike@web.de und queichwiesen.de

 

Dr. Wolfgang Lähne, Klimatologe

Diskussionen um Klimawandel hin oder her – spätestens der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen oder der Tornado bei Bobenheim am Berg haben das Wetter einmal mehr in den Fokus gerückt. Für Dr. Wolfgang Lähne ist dies anders. Den 1960 in Mannheim geborenen Klimatologen rief man schon in der Schule „Wetterfrosch“ und „Hobbyastronom“. Nach dem Studium der Geografie spezialisierte sich Lähne, der heute für Klima-Palatina in Maikammer und Ökoplana in Mannheim arbeitet. „Meteorologie war mir viel zu viel theoretische Physik. Mir geht es darum, Wetter in einen langfristigen Kontext zu stellen“, erklärt Lähne. Der Wissenschaftler, der auch beim Verein für Naturforschung und Landespflege Pollichia aktiv ist, will für den Klimawandel sensibilisieren, ohne übermäßig zu übertreiben. Am Neustadter Haus der Artenvielfalt wurde daher eine neue Besucherwetterstation eingerichtet. Sie ist zum einen ins wachsende regionale Messstellennetz von Klima-Palatina eingebunden. Zum anderen sollen hier Seminare für Schulen, Vereine und Interessierte angeboten werden. „Bei mir sind Arbeit und Hobby eines“, sagt Lähne schmunzelnd, während er ein Messgerät in der Klimahütte platziert (Foto). Und einen historischen Bezug zur Pfalz gibt es noch dazu: Schließlich hat Kurfürst Carl Theodor 1780 in Mannheim die Societas Meteorologica Palatina gegründet, die erstmals weltweit Wetterbeobachtungen organisierte.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: klimapalatina.de, pollichia.de

 

Kerstin Alice Hartfiel, Künstlerin

„Es gab keinen äußeren Anlass, alles kommt von innen heraus.“ Kerstin Alice Hartfiel will mit ihren Gemälden pure Lebensfreude ausdrücken und diese anderen als Geschenk für das Leben weitergeben. Schon im frühen Kindesalter, noch vor ihrer Schulzeit,  habe sie diesen Drang verspürt, erinnert sich die 1976 geborene Künstlerin. Über ihre Bildsprache bringt sie ihre Leidenschaft seitdem zum Ausdruck. Hartfiel, in Roschbach (Landkreis Südliche Weinstraße) aufgewachsen, absolvierte in Landau ein Kunststudium mit dem Schwerpunkt Malerei. Mittlerweile ist sie seit rund 30 Jahren malend aktiv. Die freiberufliche Mediengestalterin, die ihr Atelier in Bad Bergzabern betreibt, hat Anfang 2019 damit begonnen, ihre Kunst zum Hauptberuf zu machen. Auf verschiedenen Ausstellungen erhält sie viel positive Resonanz. „Dies motiviert mich dazu, weiterzumachen und meiner Vision zu folgen“, sagt Hartfiel. Wassily Kandinskys „Gelb-Rot-Blau“ hat sie als 14-Jährige zum ersten eigenen gegenstandslosen Werk inspiriert. Diese Art der Kunst wurde von da an zum Schwerpunkt ihrer Arbeit. Immer mal wieder kommt auch eine Objektzeichnung hinzu. „Meine Inspiration ist universell. Doch die Landschaft und die Natur der Pfalz, die meine Heimat ist, tut der Inspiration gut“, sagt Hartfiel über eine intensive Verbindung zwischen Region und künstlerischem Schaffen.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: instagram.com/kerstinalicehartfiel, fb.com/hartfieldesign

 

Tanja Fink, Organisatorin eines Hippie-Marktes

„Die Hippie-Zeit in ihrer bunten Vielfalt fand ich schon immer faszinierend, aber auf Ibiza hat es mich dann voll erwischt!“, erinnert sich Tanja Fink. Dann erzählt sie, wie sich aus der spontanen Idee unter Freunden, in Haßloch einen Markt für kreative Hobbykünstler zu veranstalten, eine ganz große Sache entwickelt hat. Fink, die in Teilzeit arbeitet und in ihrem eigenen Laden Stoffe, Selbstgenähtes und Accessoires verkauft, kündigte im Frühjahr 2018 via Facebook den ersten „Ibiza Hippie Markt“ an. Und sie traf damit einen Nerv: Binnen Tagen klickten fast 5.000 Menschen auf „Interessiert“. „Wir hatten vier oder fünf Stände geplant, ein bisschen Bowle und Toast Hawaii, doch plötzlich bekam ich Anfragen von überregionalen Ausstellern“, erinnert sich die Haßlocherin. Sie schaltete das Ordnungsamt ein und stellte innerhalb von drei Wochen den Markt auf die Beine – Straßensperrung, Catering, Miettoiletten, Stromanschlüsse und vieles mehr inklusive. „Ohne die Unterstützung meiner Familie, der Nachbarn und der Ortsverwaltung hätte ich das nie geschafft“, ist Tanja Fink überzeugt. Doch alle Mühen lohnten sich. „Es war Urlaubsfeeling pur! Die Besucher trugen bunte Kleider und Strohhüte, die Aussteller waren begeistert, weil die Geschäfte mit Schmuck, bestickten Kleidern und Taschen nur so brummten.“ Und weil es so schön war, waren es 2019 bereits 40 Stände, für 2020 plant Tanja Fink gar mit 80.

Text: swa | Foto: Kai Mehn |

 

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