Pfalz persönlich – von der Doula bis zum Deidesheim-Fan

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: eine Doula, ein Doktorand, eine Podcasterin, ein Reiseleiter und ein Coach. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten


Julia Bilgiç, Doula

Julia Bilgiç berät werdende Eltern während der Schwangerschaft, steht ihnen bei der Geburt zur Seite und begleitet sie in den Wochen danach. Oft sind es keine Erstgebärenden, die bei der nichtmedizinischen Helferin anfragen. „Die meisten Frauen haben bereits traumatische Geburtserfahrungen gemacht.“ So auch Bilgiç bei der Geburt ihrer Tochter Laila im Sommer 2017. Da ihr Kind noch kurze Zeit vor dem errechneten Termin mit dem Kopf nach oben lag, riet ihr Arzt zu einem Kaiserschnitt. Sie informierte sich und entschied gemeinsam mit ihrem Mann, die Tochter auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. „Damals habe ich über Doulas gelesen, dachte aber ‚so etwas brauche ich doch nicht‘“, erzählt die studierte Biotechnologin. „Im Nachhinein hätte ich mir diese Unterstützung sehr gewünscht.“ Die Hebamme habe mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen, die meiste Zeit seien Bilgiç und ihr Mann allein gewesen. „Ich habe mich sehr einsam gefühlt.“ Bestärkt von ihrer Erfahrung entschied sie sich für eine Ausbildung zur Doula. Ihre Tätigkeit sieht die 33-Jährige ergänzend zu der medizinischen Betreuung seitens Hebammen und Ärzten. Als emotionale Stütze möchte sie „bildlich gesprochen einen Schutzmantel um die Gebärende legen, damit sie sich geborgen, sicher und wohl fühlt.“ Dabei seien typisch pfälzische Eigenschaften wie Herzlichkeit, aber auch Humor und Gelassenheit ein großer Pluspunkt der gebürtigen Frankenthalerin.

Text: lmk | Foto: privat| Info: biobabys.de

 

Marc Rieger, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand

„Man kann hier Forschung hautnah erleben und das Ganze gleich in den Alltag einbringen.“ Marc Rieger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Koblenz-Landau, Campus Landau, promoviert im Projekt Reallabor Queichland. Der 1990 geborene Karlsruher hat in Landau Geografie und Germanistik auf Lehramt an Gymnasien studiert. Derzeit kümmert er sich vor allem um den Aufbau der virtuellen Umgebung für das Reallabor. In diesem können Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor Ort an der Queich entdecken, experimentieren und forschen. Die Themen Wasser, Land und Luft stehen im Mittelpunkt, um gemeinsam mit Bürgern Ideen für neue Wege zu einem künftig nachhaltigen Leben zu finden und umzusetzen. Rieger sorgt mit seiner Arbeit dafür, dass man in „die Fläche eintauchen kann“, ohne vor Ort sein zu müssen. Dies geschieht zum Beispiel durch eine 360-Grad-Tour oder Virtual Reality (VR). Die Digitalisierung hilft mit, alle Facetten der komplexen Sachverhalte für jeden verständlich zu machen. Gleichzeitig schafft sie für ihn die Schnittstelle zur engen Verzahnung von Wissenschaft und Gesellschaft – von Kindern bis zu Senioren. Öffentlich zugängliche virtuelle Lernumgebungen stellen für Rieger ein wichtiges Instrument der Wissenschaftskommunikation dar. Als Ausgleich zum digitalen Arbeiten schätzt er als naturverbundener Mensch „das Naturerlebnis in der Pfalz“.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: reallabor-queichland.uni-landau.de

 

Leni Bohrmann, freie Schauspielerin und Podcasterin

Liedermacher, Schriftsteller, Schauspieler, Maler, Sänger, Poeten. Die Liste der freien Künstler, die in Neustadt an der Weinstraße wirken, ist lang. Sehr lang. Der Kulturpodcast „Backstage“ gibt den Künstlern seit Anfang 2019  eine Plattform, um „sich vorzustellen und um über ihre Arbeit, Wünsche, aber auch täglichen Sorgen zu sprechen“, sagt Leni Bohrmann, die Initiatorin des Podcasts. Die 31-Jährige ist selbst freie Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und engagiert sich im Stadtverband für Kultur der Stadt Neustadt. Ziel sei es, möglichst Vertreter jeder Kunstsparte zu Wort kommen zu lassen, und zwar mit einem Medium, das genau dies ermöglicht: „Kulturschaffende erzählen gerne und mit dem Podcast kann sich der Künstler so ausdrücken, wie er es möchte.“ Dadurch lerne man den Menschen hinter der Kunst besser kennen. Leni Bohrmann führt die Gespräche auf eine lockere, authentische und natürliche Art, sodass das Zuhören leichtfällt. Im Moment sei sie bei der Auswahl ihrer Interviewpartner noch auf Neustadt fixiert, weil die Szene hier so unglaublich groß und kreativ sei. Außerdem: „Ich möchte zeigen, dass Neustadt noch mehr zu bieten hat als Wein.“ Die Weinstraßenmetropole ist nicht nur ihre Heimat, weil sie hier aufgewachsen ist, hier arbeitet, im „Theater in der Kurve“ schauspielert und eigene Inszenierungen vorführt („Annika und der Reisekoffer“), sondern weil hier die Menschen leben, die ihr wichtig sind. An der Region schätzt sie besonders die Natur: „Den Wald vor der Nase zu haben ist einfach total schön. Genau wie die malerischen Dörfer“.

Text: ayß | Foto: Kai Mehn | Info: backstage.podcaster.de

 

Kharat Hassan, Reiseleiter und Deidesheim-Fan

„Ich will ein Brückenbauer zwischen Völkern sein.“ Kharat Hassan, 1955 in Damaskus geboren, war früher regelmäßig als Reiseleiter mit deutschsprachigen Gruppen in Syrien unterwegs. Im Jahr 2000 zeigten ihm Freunde bei einem Besuch in Deutschland die Pfalz. Da sich Hassan sehr für Kultur und Historie interessiert, steuerte er in Deidesheim die ehemalige Synagoge, Schulen und andere Orte an. In der Tourist-Info kam er gleich mit Stefan Wemhoener, dem Deidesheimer Touristikchef, ins Gespräch. Spontan entstand eine Idee: ein syrischer Stand beim Deidesheimer Advent. Mittlerweile ist aus einem Zufall eine Tradition geworden. Hassan kommt anno 2019 zum 18. Mal auf den Weihnachtsmarkt. „So lange ich kann, werde ich dies weitermachen“, betont Hassan, den die besinnliche Atmosphäre in der Vorweihnachtszeit zu einem bekennenden Deidesheim-Fan gemacht hat. Wegen des Krieges in seiner Heimat flüchtete er mit seiner Familie nach Schweden. So haben auch seine Besuche eine besondere Bedeutung bekommen. Mit seinem Stand, an dem Hassan überwiegend von Syrern produziertes Kunsthandwerk aus Kupfer und Messing anbietet, sorgt er mit dafür, dass eine Tradition aus der Heimat nicht ausstirbt. Hassan, den der „dumme Krieg“ traurig macht, sagt: „Wir dürfen weinen, aber nicht den ganzen Tag.“ Arbeit und Kontakte in Deidesheim geben ihm Kraft, mit der Situation umzugehen.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: deidesheim.de

 

Barbara Hey, Coach und Zeichnerin

Barbara Hey lebt in Kallstadt und bezeichnet sich selbst als „Pfälzerin mit Kölschen Wurzeln“. Sie ist Betriebswirtin und Psychologin und arbeitet als Coach im Bereich Weiterbildung. Von Berufswegen hält Hey viele Vorträge und zeichnet dabei gerne Skizzen auf Flipcharts. Aus ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen und einem Zufall entstand Elch Skalli, das Symboltier für Heys Firma PalzgeWOI: „Als ich für einen Freund einen Gutschein für eine Schwedenreise zeichnete, kam ich auf die Idee mit dem Elch.“ PalzgeWOI sei für sie ein Hobby, das sich nach und nach entwickle. Ihre Ideen für Skalli entstehen aus dem, was sie unterwegs in der Pfalz und beim Zusammensein mit Pfälzern aufschnappt. Treffend daher auch ihr Slogan „Am Puls der Palz“. In Kallstadt unterstützt man Hey, ein Weingut stellte ihr beispielsweise eine nicht genutzte Probierstube zur Verfügung. Hier öffnet sie einmal im Monat oder nach Terminvereinbarung die Türen zu ihrem Atelier. „Die Leute können sich dann ganz gemütlich im Laden umschauen, ein bisschen stöbern, und manchmal trinken wir noch eine Schorle zusammen.“ Das sei genau das, was die Pfalz für sie ausmache: Man stehe irgendwo beisammen, rede und trinke etwas. Und dieses Lebensgefühl bringt Hey mit Skalli zum Ausdruck, in Motiven wie „Unterschorlt“, „Pälzer Weinheitsgebot“ oder „Bon Woiaasch“. Skalli, so scheint es, ist Barbara Heys ganz persönliche Liebeserklärung an ihre Wahlheimat, die Pfalz.

Text: swa | Foto: Harald Baumeister | Info: palzgewoi.de

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