Pfalz persönlich – vom Literaturfreund bis zur Lauftrainerin

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregion. Im Kurzporträt stellen wir dieses Mal einen sprachgewandten Literaturfreund, eine berührende Künstlerin, eine motivierende Lauftrainerin, einen prägenden Bildhauer und einen ausgezeichneten Kunstschaffenden vor.


Gerd Becht, Autor, Literaturfreund, Gästeführer

In Uniform als Ludwig I., König von Bayern, empfängt Gerd Becht Busreisende vor der Villa Ludwigshöhe. Sollte Majestät dabei angesprochen werden, so lautet die offizielle Anrede: „Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster! Allergnädigster König und Herr.“ Gerd Becht verkörpert die Rolle mit Witz und Charme. Wie bei all seinen szenischen Auftritten, sei es bei Lesungen oder Theaterstücken, geht es ihm darum, „nicht nur geistige Strukturen darzubieten, sondern das, was am Leben lebendig ist. Dazu gehören auch Kuriositäten“, erzählt der Edenkobener. Und dieses feine Wissen macht es so spannend, Gerd Becht zuzuhören. Ende Mai wurde Becht 80 Jahre alt und für ihn war es immer wichtig, ein aktives Pensionärsleben zu haben. So organisiert er seit sieben Jahren ehrenamtlich die „Pälzer Owende“ in „Baums kleines Weincafé“ in Gimmeldingen. Im Stile der Zusammenkünfte Goethes mit seinen Freunden sollen es anregende Abende mit Musik, Mundart, Geschichten und Genuss sein.

Ganz in diesem Sinne entwickelt Becht zudem kulinarisch-kulturelle Menüs zu historischen Gestalten wie Liselotte von der Pfalz. In der Mundartszene ist Becht auch kein Unbekannter. Bei Wettbewerben erreichte er mehrmals die Endrunden, 2008 den ersten Platz in Bockenheim. In Hördt aufgewachsen, lange in Ludwigshafen lebend, ist sein Dialekt vorderpfälzisch geprägt. Der ehemalige Ausbilder von Lehrkräften für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen schreibt zudem gerne Gedichte, Balladen und Kurzprosa mit „Themen, die fürs Leben interessant sind“ und „übersetzt“ Weltliteratur ins Pfälzische.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Kontakt: gbecht@t-online.de

Anne-Marie Sprenger, Künstlerin

„Kunst kommt von künden. Ich möchte ausdrücken, was mich bewegt und freue mich, wenn sich Menschen davon berühren lassen.“ Anne-Marie Sprenger bezeichnet Kunst als einen wesentlichen Teil ihres Lebens. Die Künstlerin, die aus Herxheim bei Landau stammt, wohnt und arbeitet in Lustadt (Landkreis Germersheim). Sie lebt gerne in der Pfalz und fühlt sich von ihr inspiriert. Sprenger hat in den 1980er-Jahren Bildende Kunst und Kunstgeschichte in Karlsruhe und Landau studiert. Schon während ihrer anfänglichen Tätigkeit als Kunstlehrerin an einer Realschule „war freie Kunst das Ziel“. Neben Malerei und Grafiken sind Installationen mit Stoff- und Papierbahnen ein Schwerpunkt geworden. Parallel zu ihrer Arbeit studierte sie bei Professor Markus Lüpertz, der sie zur Meisterschülerin ernannte. „Ein Thema braucht Zeit und ich arbeite immer in Serien. Und dies gerne im Großen und im Kleinen“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise.

Ein Beispiel ist die Gestaltung der Kapelle im Kreiskrankenhaus Grünstadt. Ein anderes das Thema Schuhe. Über einen Schuhspanner, den Sprenger für eine Galerie in ein Kunstobjekt verwandeln sollte, kam sie auf die Idee: „Der Schuh ist ein Symbol für Lebenswege“, erläutert die Künstlerin. Entstanden sind zahlreiche Werke, von denen eine ganze Reihe im Buch „Schuhe – Spuren – Wege“ (Kerber Verlag, ISBN 978-3-7356-0809-3) Geschichten von Menschen erzählen. Der Band dokumentiert so einen Teil ihrer künstlerischen Lebensgeschichte und zeigt gleichzeitig, was Sprenger wichtig ist.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: anne-marie-sprenger.de

Saskia Helfenfinger-Jeck, Lauf- und Gesundheitstrainerin

Ihr Credo: „Menschen zu motivieren, bringt mich zum Lächeln.“ Saskia Helfenfinger-Jeck tut dies unter anderem als Lauf- und Gesundheitstrainerin mit eigenen Kursen oder als Trainerin in Vereinen und für Organisationen wie etwa Krankenkassen. Dabei gibt es für die 1976 geborene „Ur-Ludwigshafenerin“ einen roten Faden, der sich durch ihr ganzes Leben zieht: Bewegung. Als Kind spielte sie zunächst Hockey und kam bald zur Leichtathletik, wo sie ihre Liebe zum Mittel- und Langstreckenlauf entdeckte. Sie gewann mehrere deutsche Meistertitel und trug das Trikot der Junioren-Nationalmannschaft. Nach der aktiven Zeit gründete sie 1999 beim ABC Ludwigshafen den ersten Lauftreff und sorgte so selbst für einen fließenden Übergang zum Breitensport. „Ich konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen“, blickt Helfenfinger-Jeck zurück.

Als Bewegungsmanagerin des Landesportbundes für Ludwigshafen hilft sie mit, neue Mitglieder für die rund 150 Vereine in der Stadt zu finden. „Ich will aber auch Menschen abholen, die nicht vom Sofa hochkommen“, macht sie sich zudem für niederschwellige Angebote, etwa Spaziergänge, stark. Nicht zuletzt bringt Helfenfinger-Jeck das Thema Bewegung auch durch Aktionen ins Gespräch. So waren im Frühjahr über 100 Teilnehmer beim Plogging dabei. So nennt man Laufen, bei dem Müll gesammelt wird. Jetzt will sie dazu motivieren, dass dies zu einer regelmäßigen Einrichtung wird.

Text: dot | Foto: Gabi Kunz | Info: saskia-helfenfinger-jeck.de, land-in-bewegung.rlp.de

Gernot Rumpf, Bildhauer

„Das Wichtigste aber, was wir von Schnecken lernen können, ist, dass es sie seit bereits über 450 Millionen Jahren gibt. Dies müssen wir erst einmal hinbekommen.“ Professor Gernot Rumpf zeigte sich bei der Einweihung seines Cittaslow-Brunnens in Maikammer (Südliche Weinstraße) begeistert von den wundersamen Tieren. Die Schnecke ist das Symbol des weltweiten Cittaslow-Verbundes. Für Verbindung sorgen auch die Brunnen des 1941 in Kaiserslautern geborenen Bildhauers. Neben dem neuen Schnecken-Brunnen sind es im pfälzischen Cittaslow-Netzwerk der Geißbock-Brunnen in Deidesheim und der Elwedritsche-Brunnen in Neustadt. Wie wenige andere Bildhauer prägt Rumpf mit seinen Brunnen und Plastiken weltweit Städte und Dörfer. „In Rom haben mich die vielen Brunnen fasziniert“, erinnert sich Rumpf daran, wie während seines Villa Massimo-Stipendiums 1972/73 alles begann.

Mit seinen Brunnen, die er auch zusammen mit seiner Frau Barbara gestaltet, verfolgt er zwei Ziele: Zum einen sollen die Menschen beim Betrachten immer wieder etwas entdecken, sich erfreuen und ins Gespräch kommen. Zum anderen geht es ihm darum, Stadt- und Dorfgeschichte zu vermitteln. Nicht zuletzt sind die Plätze, auf denen seine Brunnen stehen, Orte der Ruhe und Kommunikation. „Das Wasser kommt Menschen entgegen, Kinder sind willkommen“, verweist Rumpf darauf, dass er „lebenswerte“ Orte jenseits der „Rush Hour des Lebens“ schafft. Die Maikammerer Schnecken vermitteln dies auf den ersten Blick.

Text: dot | Foto: Kai Mehn/LM

Peter Damm, Kulturschaffender

 

Er ist Treiber, Netzwerker, Musiker, Lehrer, Landauer, Handwerker, Familienmensch, Naturfreund. Peter Damm, Jahrgang 1963, ist vor allem immer in Bewegung. Er war als Mitglied des Dekanatsjugendchores dabei, als dieser Mitte der 1980er-Jahre das „Haus am Westbahnhof“ in Landau unter Anleitung gebaut hat. Seitdem erklingen in dem soziokulturellen Zentrum die Töne der Hoch- und Breitenkultur, etwa jene des besten Akkordeonspielers Bulgariens. „Das war vor 30 Jahren unerhört in der Provinz. Durch außergewöhnliche Musik haben wir die Welt nach Landau geholt“, sagt der Diplom-Maschinenbauer. Er selbst hat ein Faible für Jazz und Klezmermusik und spielt seit über 30 Jahren im Saxophon-Quartett „Sax4fun“. Träger des Hauses am Westbahnhof ist der Verein Kultur und Leben, in dem der leidenschaftliche Berufschullehrer für Metalltechnik ehrenamtlich seit Beginn mitmischt, seit 2018 als Vorsitzender.

So fiel auch die Zeit, als das Haus am Westbahnhof 2020 auf einen Schlag ohne Kultur und Leben war, in seine Amtszeit. Damm initiierte daraufhin die „Kulturgesichter 06341“ als Beitrag zur bundesweiten Aktion #ohneunsistsstill, die Immobile wurde „digital ertüchtigt“ und das Kulturnetz Landau aufgebaut, das lokale Kulturschaffende zusammenbringen soll. „Nichts von den Sachen habe ich in all den Jahren allein gemacht. Ich bin zwar oft der Initiator, aber die Kulturarbeit braucht viele Ehrenamtliche.“ Im April erhielt Peter Damm den Kunst- und Kulturpreis der Dr. Feldbausch-Stiftung und der Stadt Landau für seinen unermüdlichen Einsatz für die Landauer Kulturszene.

 

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: kulturnetz-landau.de, hausamwestbahnhof.de

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