Pfalz persönlich – vom Landwirt bis zur Musicaldarstellerin

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregion. Dieses Mal stellen wir einen ausgezeichneten Landwirt, eine fernseherprobte Hobbybäckerin, eine kleinwüchsige Musicaldarstellerin, eine holzverliebte Diplom-Designerin und einen heimatverbundenen Hobby-Fotografen vor.


Jochen Buß, Landwirt

Ackerbohnen als Nachbarn tun dem Mais gut. Organischer Dünger sorgt für humusreiche Böden. Insekten freuen sich über Blühstreifen. „Das ist alles nichts Neues. Aber man muss es einfach machen“, sagt Jochen Buß aus Odenbach. Der 32-Jährige ist „Ackerbauer des Jahres 2021“. Das Fachmagazin agrarheute verlieh ihm diese Auszeichnung. „Wir sind ein ganz normaler, herkömmlicher Betrieb, der mit einfachen Mitteln versucht, etwas zu ändern“, sagt Jochen Buß, den der Titelgewinn etwas überrascht hat. Die Teilnahme auch, denn seine Freundin hat ihn zunächst heimlich für den Wettbewerb angemeldet. Vielleicht sei es gerade der Wille, nicht so weitermachen zu wollen wie die vergangenen 50 Jahre, der andere inspirieren soll. Man müsse keine Millionen investieren, um beim Umweltschutz einen Unterschied zu machen.

In der Nordwestpfalz werden traditionell Weizen, Raps und Gerste angebaut. Diese Fruchtfolge reiche langfristig nicht mehr für einen gesunden Boden aus. So bringt Buß neue Kulturen ein. Hier könne man von der ökologischen Landwirtschaft lernen. „Bei der konventionellen Bewirtschaftung wird viel mit chemischen Düngern kompensiert. Davon möchten wir uns unabhängiger machen.“ Der gelernte Landwirt und Bachelor der Agrarwirtschaft kümmert sich zusammen mit Vater Volker um 290 Hektar Acker- und Grünland und hält 50 Mastbullen. Jochen Buß liebt die ruhige Region und seinen Beruf. Um den Hof weiter fit für die Zukunft zu machen, wünscht er sich einen guten Start in die Agrarreform 2023.

Text: ayß | Foto: view – die agentur

 

Julia Feith, Hobbybäckerin und Bloggerin

Fluffig-nussig ist die erste „Erdbodenschicht“, fruchtig-süß die unterste Waldbeeren-Füllung (siehe Foto), edel-kräftig werden die Zwischenschichten mit Kastaniencreme und am Ende setzt sich das modellierte Eichhörnchen zwischen Beeren und Zweigen auf den weichen Kakao-Teppich – fertig ist die Pfälzerwald-Torte. Julia Feith, Jahrgang 1999, aus Hauenstein hat sich diese Kreation für die Vox-Fernsehsendung „Allererste Sahne“ ausgedacht. Bei dem anspruchsvollen Backwettbewerb belegte die Pfälzerin Anfang Februar den zweiten Platz. Nur ein Punkt fehlte der Graphikdesignerin zum Sieg.

In coolen Locations backen zu dürfen sporne sie an, weshalb sie schon an vielen Rezeptwettbewerben teilnahm. Seit vier Jahren backt und kocht sie zusammen mit ihrem Vater Christof für ihren Blog Dad & Daughter Food Geschichten. „Wir harmonieren sehr gut zusammen. Jeder bringt seine Stärken ein.“ Mit klassischen und hochwertigen Zutaten kreieren sie moderne Rezepturen. 2020 haben die beiden in Eigenregie ein Kastanien-Backbuch herausgebracht. Die Backwerke hat alle Julia fotografisch stark in Szene gesetzt. Ein Pfälzer Backbuch, das die Bandbreite der kulinarischen Schätze der Pfalz zeigt, folgt dieses Jahr. „Es ist etwas Besonderes, hier leben zu dürfen“, sagt Julia, die gerne im Pfälzerwald unterwegs ist.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: dadanddaughterfoodgeschichten.com

Sandra Maria Germann, Musicaldarstellerin und Choreografin

Tough und entschlossen. Auf der Bühne, vor der Kamera und im wahren Leben. „Mein Ziel, auf der Bühne zu stehen, hatte ich immer vor Augen und habe mit allen Konsequenzen dafür gekämpft“, sagt Sandra Maria Germann. Die 1,33 Meter große Frau verkörpert momentan im Mannheimer Capitol den „Blume Peter“. Die Hauptrolle in dem Musical über einen schwerstbehinderten, kleinwüchsigen Mann, der zur Kultfigur der Stadt wurde, hat es in sich. „Anfangs war es gar nicht so schwierig, mich mit dem Blume Peter zu identifizieren. Ausgrenzung habe ich zum Teil selbst erlebt.“ Unterkriegen hat sich die gebürtige Pfälzerin davon nicht lassen. 1987 gründete sie in Clausen ihre erste Tanzgruppe, aus der nach ihrer Ausbildung zur Tänzerin und Tanzpädagogin die Musicalschule Dance Charisma hervorging.

Das Karrieresprungbrett war 2015 ihr Engagement im Phantom-der-Oper-Nachfolger „Liebe stirbt nie“ in Hamburg. „Die Pandemie hat mich dann extrem ausgebremst. Bis dahin, dass ich einen Nebenjob im Einzelhandel angenommen habe“, erzählt die Mutter eines 15-jährigen Sohnes. Zurzeit gibt Germann, Jahrgang 1974, viel Tanzunterricht und ist Dozentin am Theater in Baden-Baden. Anfang des Jahres trat sie in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ auf. Die Gastrolle der schwangeren Linda Sanders gehört zu Germanns größten Erfolgen. Der „Blume Peter“ wiederum ist eine Herzensrolle. Am 3. Mai wird das Musical das nächste Mal im Capitol in Mannheim aufgeführt.

 

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: dance-charisma.de, capitol-mannheim.de

 

Karin Bille, Diplom-Designerin

„Mein Herz schlägt schon für Holz.“ Für Karin Bille schließt sich mit der Ausstellung „Aufgetischt – einfach gut!“ im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz der Kreis. Denn ihre berufliche Karriere begann die 1957 geborene Diplom-Designerin, die in Ludwigshafen und Limburgerhof aufgewachsen ist, mit einer Tischlerlehre bei der BASF. Danach war sie rund dreieinhalb Jahre auf Tour durch Afrika. „Auch dabei war das Handwerk für mich immer eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und in Projekten mitzuarbeiten“, erinnert sie sich. Bei einem Produktdesign-Studium in Kassel blieb sie dort „hängen“ und ist seit 1996 freiberuflich in unterschiedlichen Gestaltungsbereichen tätig.

Seit 2011 leitet die Diplom-Designerin die Beratungsstelle Formgebung der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz in Mainz. Seitdem ist sie wieder häufig in ihrer pfälzischen Heimat unterwegs, um „Dinge in einen Kontext zu bringen und ihnen die Bühne zu bereiten“. Durch die Organisation von Ausstellungen rund ums Handwerk habe sie mit Menschen zu tun, „die mit Herz und Hand arbeiten“. Karin Bille ist begeistert davon, dass bei den kunsthandwerklichen Betrieben Arbeit und Leben eine Einheit bilden. Die Philosophie dahinter will sie mit ihren Ausstellungen vermitteln. Mit „Aufgetischt – einfach gut“ setzt sie nochmals einen starken Akzent, bevor sie im nahenden Ruhestand ab Frühjahr 2023 wieder mehr künstlerisch arbeiten und ihre eigenen „handwerklichen Fertigkeiten verbessern will“.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: formdesign.de, karinbille.com

 

Günter Dauer, Hobby-Fotograf

Sein „Rekord“ liegt bei 1200 Fotos an einem Tag. Die Fotografie ist die große Leidenschaft von Günter Dauer aus Eußerthal (Landkreis Südliche Weinstraße). „Die Kamera sieht manchmal einfach anders als das menschliche Auge. Dies eröffnet Perspektiven, die man sonst nicht erlebt“, beschreibt der 1961 geborene gelernte Betriebsschlosser die Faszination seines Hobbys. „Feuer gefangen“ hat Dauer schon mit einer Ritsch-Ratsch-Klick-Pocketkamera, die er zur Kommunion geschenkt bekam. Heute setzt er eine Sony-Halbformat-Kamera ein, mit der er vor allem Landschaften im Bild festhält. Besonders reizen ihn auch Nachtaufnahmen, Autos mit Lichtstreifen oder sich drehende Räder. In der Hauptsache fotografiert Dauer für den privaten Gebrauch, was sich in Fotobüchern, Kalendern und Panoramabildern fürs Wohnzimmer niederschlägt. Er hat „keine Ahnung“, wie viele Fotos in vier Jahrzehnten entstanden sind.

Daneben ist der Hobby-Fotograf auch zum Heimat-Dokumentator Eußerthals geworden, der mit der Kamera festhält, was sich im Ort verändert. Einer seiner Lieblingsplätze ist dabei das zweite Feldkreuz, wo auch unser Foto von ihm entstand. Weitere Hobbys von Dauer sind die Feuerwehr, der Garten, eine H0-Modelleisenbahn und das Liegerad, das der technikverliebte Bastler selbst gebaut hat. Sein Wunsch ist deshalb nicht überraschend: „Was ich noch bräuchte, wäre Zeit.“

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: pfalzblitz@gmx.de

 

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