Pfalz persönlich – von der Erzählerin bis zum Krippenbauer

Menschen im Kurzporträt: Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Gerhard Hofmann, Künstler

Sie ist absolut typisch für seinen Stil. Und trotzdem stellt diese Farbradierung von Gerhard Hofmann eine ganz besondere dar. Der Künstler aus Neustadt an der Weinstraße hat die Aufgabe bekommen, die Pfälzer Kirchenunion aus Anlass des 200-Jahre-Jubiläums symbolisch darzustellen. 1818 schlossen sich reformierte und lutherische Christen in der Pfalz zusammen und legten quasi den Grundstein für die heutige Evangelische Kirche der Pfalz. An diese Zeit erinnert ein Holzstich, der den Unionszug zur Stiftskirche in Kaiserslautern zeigt. Diesen nimmt nun der 1960 in Worms geborene Künstler in seinem Werk auf, zusammen mit anderen Elementen von der Französischen Revolution bis zum Hambacher Fest.

„Es ist eine Herausforderung mit einer inhaltlichen und formalen Dimension, das Ganze bildnerisch zu lösen“, sagt Hofmann begeistert. Dazu bildet er auf seiner mit drei Druckplatten (gelb/rot/blau) im Tiefdruck erstellten Farbradierung quasi einen Zeitstrahl ab. Zudem, so freut sich Hofmann, sei ein historisches Blatt, das – wie auch der Holzstich, der den Zug von 1818 zeigt – in Erinnerung bleibt, eine schöne Aufgabe. Hofmanns Kirchenunion-Erzählung erscheint im Dezember in einer Auflage von 150 Exemplaren – eine typische und besondere Farbradierung eben.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: atelier-gerhard-hofmann.de

Lutz Kuhl, Krippenbaumeister

Er nennt sich der „Pfälzer Krippenbauermeister“. In diesem Titel kommen zwei Dinge zum Ausdruck: Erstens: Lutz Kuhl ist ein waschechter Pfälzer, der sich zu seiner Heimat bekennt, Land, Leute und die Pfälzer Kost über alles schätzt. Zweitens: Er hat ein Hobby gefunden, für das er seit rund 30 Jahren brennt und sogar seinen Krippenbaumeister abgelegt hat und den er 2015 vom Verband Bayerischer Krippenbaufreunde Sektion Klüsserath ausgehändigt bekam. „Ich war total begeistert über die Freundlichkeit der Ausbilder und die Art und Weise des Unterrichts. Sie haben mit keinen Techniken oder Kniffen hinterm Berg gehalten“, erzählt der Annweiler.

Als der gelernte Kfz-Meister mit 36 Jahren seine erste Krippe baute – ein Versprechen, das er seinen Kindern gegeben hatte– war er Autodidakt und hat rein nach seiner Vorstellung gebastelt. Bis heute liegen ihm die traditionellen Weihnachtskrippen am meisten und diese sollen so natürlich wie möglich aussehen. „Ich bin das ganze Jahr Krippenbauer, nicht nur zu Weihnachten. Denn ich halte immer meine Augen offen und verwende alles, was der Wald hergibt: Wurzeln, Steine, Schwemmholz ...“. Dem „Pfälzer Krippenbaumeister“ kann man beim Landauer Thomas-Nast-Nikolausmarkt bis 21. Dezember über die Schultern schauen. Dort kann man auch eine Krippe des 66-Jährigen kaufen oder sich für einen Eigenbau inspirieren lassen.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: der-pfaelzer-krippenbauer.de

Abdul Mannan Raufi, Koch-Azubi

Wenn Abdul Mannan Raufi für sich oder Freunde kocht, dann bereitet er Speisen aus seiner Heimat Afghanistan zu. Sein Lieblingsessen sind Bolani. „Die Teigtaschen sind normalerweise mit verschiedenem Gemüse gefüllt“, erzählt der 24-Jährige. Für die Zubereitung des Festtagsgerichts brauche man viel Zeit. In einer professionellen Küche geht es hingegen deutlich hektischer zu. Abdul Raufi ist Azubi im zweiten Lehrjahr im Restaurant Von-Busch-Hof in Freinsheim. Dort kocht er deutsche, pfälzische und mediterran angehauchte Gerichte. Der größte Unterschied für ihn: „Die Deutschen mögen ihr Fleisch und ihren Reis relativ fest. Bei uns lässt man das ganz weich werden.“

Man merkt sofort, dass Kochen Abdul Raufis Leidenschaft ist. Beim Von-Busch-Hof seien alle total nett und er sei total zufrieden. Dank des Vereins „Miteinander in der VG Freinsheim“ bekam Abdul Raufi die Lehrstelle unter Küchenmeister Volker Gilcher. Gerne würde er nach seiner Ausbildung in Freinsheim bleiben, wo er besonders die Ruhe und das Pfälzer Leibgericht Dampfnudeln schätzt. Bis jetzt hat er noch keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Gedanken an eine mögliche Abschiebung verdrängt Abdul Raufi genauso wie die Zeit auf der Flucht, bevor er 2012 nach Bad Dürkheim kam.

Text: dot | Foto:  view – die agentur | Info: von-busch-hof.de

Tanja Mahn-Bertha, Erzählerin

„Worte lösen einen Film im Kopf aus. Deshalb hat dieselbe Geschichte für jeden eine andere Wirkung und ist trotzdem ein gemeinsames Erlebnis.“ So beschreibt Tanja Mahn-Bertha aus Weisenheim am Berg (Landkreis Bad Dürkheim) ihre Tätigkeit als Erzählerin. Sie müsse in Rollen schlüpfen und sei immer auch ein Stück Schauspielerin mit „dem Gesicht als kleinste Bühne“. Anders als im Theater, bei dem man auf die Bühne schaut, sei man als Erzählerin jedoch Teil der Geschichte und es gebe deshalb kein Ende der Bühne. Zum größten Teil erzählt die 1967 in Niedersachsen geborene Frau, die von Beruf ursprünglich Logopädin war, europäische Volksmärchen, die „tief gehen und berühren“. Einige eigene Geschichten kommen hinzu.

Dabei ist Tanja Mahn-Bertha alles andere als eine Oma, die im Schaukelstuhl sitzend erzählt. Als Erzählerin liefere sie keine oberflächliche Unterhaltung, sondern ermögliche die Entschleunigung und die Rückkehr zum direkten Kontakt. Erzählungen seien nur inhaltsgetreu und nicht originalgetreu und dauern zwischen fünf und maximal 30 Minuten pro Geschichte. Unterwegs ist Tanja Mahn-Bertha unter anderem bei Veranstaltungen in Restaurants und Hotels, in Kindergärten, Schulen sowie Seniorenheimen.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: wortzauber.eu

Thomas Krämer, Bonbon-Hersteller

Bei seinem ersten Versuch vor etwa sechs Jahren, Bonbons selbst herzustellen, hat Thomas Krämer die heimische Küchenplatte geschrottet. „Es ist nicht ganz einfach, mit Zucker zu arbeiten“, sagt der Kaiserslauterer. Das war aber kein Grund, aufzugeben. Zu stark war er noch von seinen Eindrücken aus Schweden beeinflusst. „Dort kam ich zum ersten Mal mit Zuckerstangen aus einer kleinen Manufaktur in Berührung. Das roch so gut, es war so kuschelig warm, einfach total schön. Irgendetwas ist damals mit mir passiert“, beschreibt der heute 52-Jährige.

2016 ist der ehemalige ITler hauptberuflich in das Bonbon-Geschäft eingestiegen, das geprägt ist von wenigen kleinen Manufakturen, die ihr Know-how wie einen Schatz hüten. Seine Produktions- und Verkaufsstätte befindet sich im „Krämerladen“. Erst dieses Jahr ist das Geschäft von einer Randlage mitten in die Lauterer Innenstadt umgezogen und hat sich deutlich vergrößert. Krämer arbeitet ausschließlich mit natürlichen Stoffen. „Unsere Bonbons sind vegan und glutenfrei. Zucker als ungesundes Element ist halt drin. Aber ich denke, es ist besser, bewusst Zucker zu essen, als ihn unbewusst von der Industrie zum Beispiel im Naturjoghurt oder Ketchup untergemogelt zu bekommen.“ Genuss bedeutet generell für den Pfälzer, in allen Lebenssituationen Maß zu halten.

Text: ayß | Foto: view – die agentur | Info: kraemerladen-kaiserslautern.de

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