Pfalz persönlich – vom Holzkünstler bis zur Kiwi-Liebhaberin

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Holzkünstler, eine Kiwi-Liebhaberin, ein Pfad-Finder, eine Mundart-Veranstalterin und eine Künstlerin. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Heiko Strasser, Holzkünstler

Seine Skulpturen sind für ihn nicht nur Kunst, sondern immer auch eine Botschaft. Diese beginnt schon mit dem Werkstoff Holz, der für Heiko Strasser im Mittelpunkt steht. „Jeder Baum lebt, jeder Baum sagt einem etwas“, betont der Künstler aus Freinsheim, der 1959 geboren ist. Er sei kein Mann der großen Worte, sondern drücke sich lieber mit seinen Händen aus. „Sie vermitteln, was mein Kopf denkt und mein Herz fühlt“, erklärt Strasser seinen künstlerischen Ansatz.

Bildende Kunst bezeichnet er, wie auch die Sorge um Mensch und Erde, als seine Leidenschaft. Strassers Skulpturen, die zum Beispiel „Entstehung“, „Begegnung“ oder „Verletzte Erde“ heißen, entstehen aus unterschiedlichen Hölzern – von der Eiche über die Kirsche bis zur Olive. Bei der Arbeit kommt eine breite Palette von Werkzeugen zum Einsatz, die von der Kettensäge bis zum feinen Schnitzmesser reicht. Der gelernte Mess- und Regeltechniker ist seit rund 40 Jahren künstlerisch aktiv. „Dabei kommt alles immer von innen raus“, unterstreicht er, warum seine Holzskulpturen als Aufruf zu verstehen sind, „mit der Natur, der Umwelt und der Mutter Erde sensibler umzugehen“.

In seinem Buch „Wenn Kunst zum Botschafter wird“ erläutert Strasser seinen Ansatz für mehr Achtsamkeit. „Dabei will ich Menschen mitnehmen, ohne dass ich etwas vorschreibe“, betont der Holzkünstler.

Text: dot | Foto: Melanie Hubach | Info: holzskulpturen-heikostrasser.de

Gertrud Weiß, Kiwi-Liebhaberin

Damit hat Gertrud Weiß nicht gerechnet: ihre 30 Jahre alten Kiwi-Sträucher einmal im Fernsehen zu sehen. Dabei sind die drei großen Sträucher, zwei „Weible“ und in der Mitte das „Männel“, allemal einen Bericht wert.

Ihren Zweck als Schattenspender über der Pergola erfüllen sie bravourös. Der Kiwi-Ertrag kann sich auch meistens sehen lassen: Ein Zentner Kiwis hing dieses Jahr über den Köpfen von Familie Weiß – eine kleine Steigerung zu acht Stück im vergangenen Jahr. Im November 2020 war Erntezeit, bei der Gertud Weiß’ Tochter mitgeholfen hat. „Ich steige auf keine Leiter mehr“, sagt die 87-Jährige. Haus und Hof in Maikammer bewirtschaftet die rüstige Rentnerin, die früher ein örtliches Friseurgeschäft innehatte, dennoch großteils selbst.

Die Kiwis einzukochen ist natürlich Chefinnen-Sache. „Zuerst müssen die Kiwis ein paar Wochen gelagert werden, bis sie weich sind. Ich probiere sie regelmäßig.“ Wenn sie soweit sind, schält Gertrud Weiß die exotischen Früchte, püriert sie und macht daraus Marmelade. Die reicht in guten Jahren für die komplette Großfamilie: „Ich habe drei Töchter, acht Enkel und zwölf Urenkel“, berichtet Gertrud Weiß stolz über das sehr gute Familienklima.

Apropos Klima: „Wir haben hier eine wunderbare Gegend. Ob Wald, Feld oder Wingert – uns fehlt es an nichts“, schwärmt die Südpfälzerin.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: maikammer.de/galerie

Volker Schledorn, Pfad-Finder

„Es ist in unserem Stammhirn verankert. Der Wald ist für uns Menschen ein Ort der Geborgenheit.“ Volker Schledorn verweist auf die Sehnsucht der Menschen nach Natur, die der Philosoph und Psychologe Erich Fromm als Biophilia bezeichnet hat. Der 1963 geborene Schledorn stammt aus Stauf (Donnersbergkreis) und arbeitet als Produktionsplaner. Außerdem ist er als Palatinascout in der ganzen Pfalz unterwegs. Hier allerdings vor allem in den Wäldern, wo er sich bei seinen eigenen Touren, Kundentouren und Outdoor-Coachings auch auf abgelegenen Pfaden bewegt.

An einem seiner Lieblingsplätze, dem Stumpfwald am Eiswoog bei Ramsen (Foto), erklärt Schledorn die Bedeutung des Waldes damit, dass dieser unseren Vorfahren zum einen als Nahrungs- und Rohstoffquelle diente, zum anderen als Rückzugsort, der gleichzeitig Sicherheit und Schutz bot. Pfad-Finder Schledorn bezeichnet den Wald gerne auch als „Ansammlung von Wohlfühlpunkten“. Dabei fasziniert ihn immer wieder „die Vielfalt der Natur in vielfältiger Hinsicht“. Abwechslungsreiche Landschaften, Geologie sowie Flora und Fauna nennt er als Beispiele dafür. Schledorn liebt die Pfalz und freut sich, wenn „die Menschen diese mit ihren Sinnen kennenlernen und erfahren“.

Text: dot | Foto: Michael Dostal | Info: palatinascout.de

Beate Holzwarth, Mundart-Veranstalterin

Eigentlich hätte es 2020 im Schreiwer-Hais’l in Schifferstadt eine große Sause gegeben. Denn seit 25 Jahren dreht sich hier alles um Mundart aus der Pfalz und Kurpfalz. Und dies wird, Virus hin oder her, auch so bleiben. Dafür sorgt Beate Holzwarth mit ungebremster Energie.

Die 1963 in Winzingen, heute ein Stadtviertel von Neustadt an der Weinstraße, geborene Mundart-Veranstalterin lässt die vielen Ideen des 2016 verstorbenen Pfälzer Originals Claus Jürgen Müller weiterleben. Der „cjm“ genannte Buchautor, Verleger, Veranstalter, Kabarettist und Moderator wollte immer Talente fördern und fordern. Holzwarth kam 2005 dazu und kümmerte sich um Aufbau, Abbau, Ausschank und vieles mehr.

Dann drückte ihr „cjm“ einen seitenlangen Text ohne Satzzeichen in unterschiedlichen Pfälzer Dialektformen in die Hand. Der liebevolle Auftrag: Finde die 80 Fehler! „Danach habe ich alle Publikationen Korrektur gelesen“, erinnert sich Holzwarth schmunzelnd. Die beiden hatten sich nicht nur hier gesucht und gefunden. „Ich bin sogar immer als Ehefrau angesprochen worden“, erzählt sie und hofft, dass im Schreiwer-Hais’l schon bald wieder Konzerte, Lesungen, Rezitationen und Theater über die Bühne gehen können. Holzwarth tritt dort – in der Corona-Zeit gibt es übrigens Gutscheine, die Künstlern und dem Schreiwer-Hais’l helfen – als Hulda Lumbeschwinger selbst auf. Ihr Kommentar dazu: „Dess is moi Hommage an de cjm.“

Text: dot | Foto: Kunz | Info: 06325 98596

Ulrike Briehl, Künstlerin

Es ist ihr eine Herzenssache: Ulrike Briehl will Kinder und Jugendliche für Pfälzer Mundart begeistern. Die Diplom-Psychologin aus Kaiserslautern organisiert unter anderem Ferienfreizeiten, in denen sie jungen Menschen „gerne unseren Dialekt wieder näherbringen möchte“.

Briehl, 1963 geboren, die zunächst Innenarchitektur und Design studierte, setzt dabei besonders auf Kochkurse mit pfälzischen Gerichten und Kunst mit pfälzischen Begriffen. Letztere in Form von Acrylmalerei und Graffiti. „Ich bin zusammen mit meinem Mann viel in der Welt unterwegs und hole mir dabei immer wieder neue künstlerische Ideen“, erzählt sie.

Seit einem Aufenthalt in Kanada 2009, bei dem sie in Kontakt zu jungen Künstlern kam, die sich in ihrer Malerei mit ihrer Kultur und Sprache auseinandersetzen, schaut Briehl auch die Pfalz aus diesem Blickwinkel intensiver an. Dabei entstand die Idee, Mundart und Malerei miteinander zu verbinden. Zum einen in ihren eigenen Werken, mit denen sie eine erste Ausstellung im Frühjahr/Sommer 2021 plant. Zum anderen in der Arbeit mit jungen Menschen.

„In meiner eigenen Malerei nutze ich überwiegend Acrylfarben, die sehr leicht zu handhaben sind“, sagt Briehl. Da lag es nahe, Acrylfarben auch in den Malkursen für Kinder und Jugendliche einzusetzen. Die Devise: „Jedem Kind seine Kunst. Und jedem Kind ein Stück weit das Interesse für die wunderbare Pfälzer Mundart näherzubringen.“

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: ubriehl@web.de

Noch mehr Pfälzer Originale:

Pfalz persönlich – vom Deichwärter bis zur Flechtwerkgestalterin

Pfalz persönlich – vom Deichwärter bis zur Flechtwerkgestalterin

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Deichwärter, eine Künstlerin, ein Riesenpflanzenzüchter, die Mutter...

Pfalz persönlich – von der "Freizeitlerin" bis zum Messer-Erfinder

Pfalz persönlich – von der "Freizeitlerin" bis zum Messer-Erfinder

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Messer-Erfinder, eine "Freizeitlerin", eine Naturführerin und zwei...

Pfalz persönlich – von der Bäckerin bis zum Pilzexperten

Pfalz persönlich – von der Bäckerin bis zum Pilzexperten

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Pilzexperte, eine Schauspielerin, ein Wanderführer, eine Klöppeldoz...

VielPfalz empfiehlt

Anzeigen