Pfalz persönlich – vom Hacken-Erfinder bis zum Metzger

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregion. Dieses Mal stellen wir einen Hacken-Erfinder, einen Metzgermeister, der Wurstseminare gibt, eine Achtsamkeitstrainerin, die Vinolac-Schöpferin sowie eine Künstler- und Kinderbuchautorin vor.


Hans Trinkel, Hacken-Erfinder

„Die Hacke ist natürlich für Links- und Rechtshänder.“ Mit einem Schmunzeln präsentiert Hans Trinkel seine Erfindung: eine Hacke mit drei Schneiden. Sie hat die Form eines auf dem Kopf stehenden Trapezes und besteht aus einem unten, links und rechts geschärften Stahlblech. Höhe und Breite können nach Bedarf des Kunden variiert werden. Das Hackenblatt, den Bügel und die Hülse, mit der alles am Stiel befestigt wird, fertigt Trinkel selbst von Hand. Unser Bild zeigt ihn beim Schmieden eines der Blätter, das er zuvor im Feuer rot glühend gemacht hat.

Der Schmiede- und Landmaschinenmechanikermeister aus Gerolsheim (Landkreis Bad Dürkheim), geboren 1949, hat die Werkstatt seines Vaters 1995 übernommen. Noch heute – jetzt im Ruhestand – betreibt er sie weiter. Trinkel repariert immer mal wieder Fahrräder, Kutschen oder Landmaschinen. Außerdem ist er passionierter Gärtner, was ihn auf die Idee mit der Hacke brachte. Je nach Reihenabstand einer Kultur kann die Hacke mit einer 90-Grad-Drehung durch ihre zwei Breiten einfach genutzt werden. Man kann links und rechts hacken oder breit gerade, wobei die Spitze leicht ins Erdreich eindringt. „Winzer nehmen die Hacke auch zum Ausbrechen der unteren Triebe. Man muss sich dazu nicht einmal mehr bücken“, betont Trinkel mit Stolz.

Text: dot | Foto: Michael Dostal | Info: trinkel.hans@gmx.de oder Telefon 06326 730

 

Anke Geiselmann, Natur- und Achtsamkeitstrainerin

„Es geht darum, mit einem liebevollen Blick auf die Welt und mich selbst bei mir anzukommen.“ So beschreibt Anke Geiselmann aus Neustadt an der Weinstraße ein Ziel der Kurse im Achtsamkeits- und Naturtraining, die sie für einzelne Personen und Gruppen anbietet. Sie setzt dabei, wie auch bei ihren anderen Angeboten von Ponywandern Pfalz, auf das Naturerlebnis mit Tieren. „Pferde unterstützen den Prozess, wenn es darum geht, achtsam, entspannt und gelassen in den Alltag zurückzukehren. Ein Pferd ist immer im Hier und Jetzt. Es bewertet auch nicht“, erläutert Geiselmann den Hintergrund.

Die Trainerin, 1982 geboren, stammt aus Gommersheim (Landkreis Südliche Weinstraße) und ist gelernte Hotelfachfrau. Sie hat sich zur Naturtrainerin, Bildungsreferentin für nachhaltige Entwicklung und Deutschen Weinberaterin weitergebildet. Bei den Achtsamkeits- und Naturtrainings komme es darauf an, mit dem Tier in einen Fluss zu kommen und es als liebevollen Teampartner zu akzeptieren. Teilnehmer sitzen dabei nicht im Sattel, sondern bleiben immer mit beiden Füßen auf dem Boden. Trotzdem fordere das Pferd Führungskompetenz. Es gehe also um Vertrauen und Respekt dem Pferd gegenüber, genauso wie beim Menschen. „Unser Schwarzwälder Kaltblüter Odin, mit dem wir unterwegs sind, ist sehr menschenbezogen und sensitiv“, beschreibt Geiselmann ihren vierbeinigen Partner als sanften Riesen.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: deinnaturraum.de, ponywandern-pfalz.de

Simon Funck, Metzgermeister

„Komm vorbei, machen wir ein bisschen Wurst.“ Ein legendärer Satz, den Simon Funck, Jahrgang 1995, zu einer Freundin sagte, die gerne mal wieder selbstgemachte Bratwürste wie vom Opa essen wollte. Danach gab es immer mehr Anfragen für solche Wurst-Sessions. „Als dann plötzlich wildfremde Leute zum Wurstmachen zu mir kommen wollten, wurde es rechtlich schwierig“, erzählt Funck, der aus Hauenstein „im schönen Pfälzerwald“ stammt, heute in Gossersweiler lebt und Vollzeit beim Privatschlachthof Kieffer in Bad Bergzabern arbeitet. Seit 2019 bietet er nebenberuflich Wurstseminare an. Im Mittelpunkt stehen die „Heiligtümer der Pfälzer Küche“: grobe Bratwurst, Leberknödel und Saumagen. „Das ist ehrliches, gutes Essen. Kein Schnick-Schnack, nicht etepetete. Es muss schmecken, das ist ganz wichtig. Dafür braucht man nicht viel: gutes Fleisch, Naturgewürze und einen Fleischwolf“, so Funck.

Das kommt an. Das Handwerk werde viel besser wahrgenommen als noch zu seiner Lehrzeit, Nachwuchs fehle trotzdem dringend. Apropos: „Im Leben werd‘ ich kein Metzger“, noch so ein legendärer Satz. Ausgesprochen vom damals 15-jährigen Simon Funck nach seinem ersten Probetag in der ortsansässigen Metzgerei. Nach zwei Wochen schloss sich dann doch die Ausbildung an. Danach schnupperte er zwei Jahre in Frankfurt Stadtluft, wo er in einer Feinkostmetzgerei arbeitete und legte 2016 seine Meisterprüfung ab, bevor er in die Pfalz zurückkehrte. Der Reiz an seiner Heimat sei für ihn als Metzger auch die gelebte Vielfalt der Hausmannskost.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: wurstseminare-funck.de

Jessica Grünewald, Vinolac-Erfinderin

Passend: Bei einem guten Glas Wein kam Jessica Grünewald aus Mutterstadt die Idee für ihre Nagellack-Linie „Vinolac“. Wein und Nagellack sind für sie zwei sehr sinnliche Produkte und ihre Leidenschaften. Warum also nicht die beiden verbinden? Die Farbe, der Schimmer und der Duft von tollen Pfälzer Weinen sollten die Inspirationsquelle für die Nagellacke sein, Weinflaschen mit ausgefallenen Etiketten wiederum als Designvorlage für die Nagellackfläschen dienen.

2019 hat sich die zweifache Mutter mit ihrem Studio „Palatina Cosmetica“ selbstständig gemacht und sich zunächst auf Maniküre, Nageldesign und -verlängerung spezialisiert. Die „Vinolac“-Idee kam später. Im März 2021 hat sie dann die erste kleine Flasche in ihrem Onlineshop verkauft. Mittlerweile ist „Vinolac“ in verschiedenen Läden und Weingütern zu haben. „Der Mann kauft den Weißherbst und die Frau bekommt den Weißherbst-Nagellack“, erzählt die gelernte Bürokauffrau und muss bei diesem klassischen Mann-Frau-Bild schmunzeln.

Jessica Grünewald freut sich sehr über die positive Resonanz. Vor allem, weil es ihr nicht nur um ein schickes Fläschchen geht. „Meine Nagellacke sind alle frei von 15 sehr fragwürdigen, zum Teil nachweislich schädlichen Stoffen. Sie sind vegan, frei von Tierversuchen und in Deutschland hergestellt.“ Dafür steckt Erfindergeist in den Mini-Weinflaschen: „Wenn der Nagellack getrocknet ist, dann duftet er nach Weintrauben“, beschreibt sie und fügt mit einem ehrlichen Pfälzer Lächeln hinzu: „Aber nicht nach Wein. Wer will schon gleich beim Aufstehen Rieslingduft in der Nase haben?“

Text: ayß | Foto: Kai Mehn | Info: vinolac.de

Bettina Wintergerst, Künstlerin und Autorin

Es ist eine Premiere, obwohl sie sich seit ihrer Kindheit der Malerei widmet und seit 1984 als freischaffende Künstlerin arbeitet. Im neu erschienenen Kinderbuch „Die Amsel Anders“ stammen alle Illustrationen und der Text von Bettina Wintergerst. Entstanden ist das Buch zusammen mit den Enkeln Matthias (6 Jahre) und Simon (10). „Wir sitzen oft gemeinsam am Küchentisch und erzählen uns Räuberpistolen, wie wir es nennen“, erklärt Wintergerst.

Die Pirmasenserin, geboren 1960, lebt seit 2012 in Rheinzabern (Landkreis Germersheim). Verschrieben hat sie sich vor allem der Acrylmalerei, dem Linoldruck und dem Gestalten mit Ton. „Mir geht es als Phantastischer Realistin darum, Gemütszustände, Emotionen oder typische Charaktere einzufangen und auszudrücken“, beschreibt Wintergerst ihre Arbeit, die 2013 mit dem Kunstpreis der Stadt Annweiler ausgezeichnet wurde.

Im neuen Kinderbuch sind die Bilder mit Aquarellfarben gemalt und zum Teil aus Zeitungen, Packpapier oder einer Radkarte in Collagetechnik erstellt. Wintergerst, die schon eine Reihe von Kunstbüchern produziert hat, liebt daran, dass sich „die Leidenschaft zu Malerei und Schreiberei vereint“. Ihr Wissen gibt sie gerne in Workshops weiter, unter anderem auch als Dozentin für kunsttherapeutischen Unterricht und kreative Schreibwerkstatt beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD).

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: bettinawintergerst.de

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