Pfalz persönlich – vom Fotografen bis zur Show-Diva

Pfälzer mit Profil heißen bei uns „Pfalz persönlich“. Sie stehen für die Vielfalt unserer Genussregion. Dieses Mal stellen wir eine Showbusinss-Powerfrau, einen sozial engagierten Fotografen, eine lebensfrohe Mosaikkünstlerin, einen begeisterten Sport-Historiker und eine leidenschaftliche Gardetänzerin vor.


Annette Postel, Musikkabarettistin

„Sich mit Musik beschäftigen zu dürfen, ist doch der Knaller“, sagt Annette Postel, ihres Zeichens Musikkabarettistin, Chanteuse, Moderatorin sowie einzige deutschsprachige Opern- und Tango-Comedienne. Sie bringt einfach alles auf die Bühne, was „gute, intelligente und schöne Musik ist, die ich liebe und die mich inspiriert“. Dabei nimmt sie die Musikstücke mit ihren Texten und Erzählungen auf die Schippe, „aber liebevoll“. Eine begnadete Stimme hat die Frau aus der Südpfalz genauso wie ein mitreißendes Temperament. Ihr wurde zugeschrieben eine Mischung aus Louis de Funès und Marlene Dietrich zu sein. Ist ein Mix nicht schon wieder ein Unikat? Annette Postel. Eine Pfarrerstochter, die wie gemacht ist für das frivole Showbusiness. „Mein Vater sagte immer: Gottesdienst ist Freude haben und Freude weitergeben.“ Unter dieser Prämisse könne sie ohne schlechtes Gewissen– „das hatte ich eh nie“ – Entertainerin sein.

2021 startete sie zu ihrem 25. Bühnenjubiläum das Programm „Die Postel jubiliert“. Facettenreich und crossover legt Annette Postel darin, begleitet von Sebastian Matz, ihrem Pianisten der ersten Stunde, ein überraschendes, witziges Best-of hin, das stetig erweitert wird. Damit ist sie am 5. März in der Germersheimer Stadthalle zu sehen, am 13. März in der Trierer Tuchfabrik. Die Künstlerin verkörpert großartig viele Frauenbilder, von der Diva bis zur Klofrau. Letztere ist ihre erste pfälzische Figur. Carmen, die Madame de Toilette aus der aktuellen Tango-Show, brilliert mit Herrenwitzen und Tango-Fachwissen auf pfälzisch, was das internationale Publikum durchaus sprachlich (weiter-)bildet. Apropos Pfalz: Seit 17 Jahren lebt Postel wieder in Edenkoben. „Die Südpfalz ist einfach unschlagbar.“ Offen, musikalisch, lieblich.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: annette-postel.com

Thomas Brenner, Fotograf

Er hat ein Auge dafür, das Leben so zu fokussieren, dass man hinschaut. Der Mensch mit all seinen Attitüden wird von Thomas Brenner ausgeleuchtet. Die Bilder des in Kaiserslautern lebenden Fotografen sind inszenierte Realität. Mal überspitzt, mal surreal, mal komisch, mal herzlich warm, mal düster ernst. Vor allem haben die Fotos eine Message. „Mir ist wichtig, dass meine Projekte in einem gesellschaftlichen Kontext stehen, dass ich damit etwas bewegen kann.“ Er nimmt sich Themen wie Integration, Inklusion oder die Überwachung der Gesellschaft an. Er nutzt die unterschiedlichsten Landschaften und Orte, um seine Ideen – oft mit vielen Darstellern und Requisiten – „reinzubauen“.

Die Stimmungen und Gefühle der Inszenierungen bringt er gerne als großformatige Abzüge direkt zu den Menschen in den öffentlichen Raum. Unser Foto zeigt Thomas Brenner neben einer Aufnahme für die Kinderschutz-Kampagne „Wir sind da“, die im Januar auf City-Light-Plakaten in Kaiserslautern präsentiert wurde. Vergangenes Jahr hingen dort Plakate der Aktion „Kunst bleibt.“, die Brenner während des zweiten Lockdowns organisierte. Sie brachte hunderte Kunstschaffende aller Richtungen mit ihren Werken zurück in die Stadt. Für das Engagement erhielt der Fotograf den Westpfälzer Zukunftspreis. Neben der Kunst schlägt das Herz des gebürtigen Westfalen für gutes Essen und Trinken – auch ein Grund, weshalb er seit über 20 Jahren gerne in der Pfalz lebt.

Text: ayß | Foto: Reiner Voß/view – die agentur | Info: brenner-photographie.com

Tanja Lebski, (Mosaik-)Künstlerin

An ihrer Legeweise und der Materialart kann man Mosaikkünstler unterscheiden. Typisch für Kunstwerke von Tanja Lebski ist zudem das gut durchdachte Zusammenspiel der Farben. Ihr Stil ist geprägt von der norditalienischen Mosaikkunst, die handwerklich bodenständig und trotzdem kreativ ist. Wenn die 54-Jährige in ihrer Werkstatt in Altleiningen zum Mosaikhammer greift und Smalten – klassisches Mosaikglas – in kleine Stücke schlägt, wirkt das zunächst „grob. Ich kann aber exakt zuschlagen und in Miniatur arbeiten.“ Lebski betreibt eine moderne Art des Mosaikens, mixt gerne Metall und andere Stoffe in ihre Werke, kombiniert sie mit der Malerei, lässt Chaos und Ordnung walten.

Seit fast 20 Jahren lehrt sie Mosaiktechniken. Kunst am Bau und im öffentlichen Raum sind weitere Standbeine. „Die Mosaik-Szene zeichnet sich durch einen enormen Gemeinschaftssinn aus.“ Tanja Lebski war 2008 Gründungsmitglied der Deutschen Organisation für Mosaikkunst (Domo), deren Vorsitzende sie seit vier Jahren ist. Vom 25. bis 29. Mai lädt der Verein zu den Internationalen Mosaiktagen nach Bad Dürkheim ein. Wenn alles klappt, kann bei diesem Event auch die Mosaik-Gestaltung von Tanja Lebski in der neuen Kneippanlage an den Salinen eingeweiht werden. Diese zeigt die keltische Quellgöttin Sirona und Lukulla, eine „Pfälzer Lebefrau“, die vor Energie sprüht – wie die Erschafferin selbst.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: tanjalebski.de, domo-ev.de

Eric Lindon, Sport-Historiker

„Ein Tag hat 24 Stunden. Acht Stunden Schlaf braucht man, bleiben also 16 Stunden.“ Mit einem Schmunzeln im Gesicht beschreibt Eric Lindon, wie viel Zeit er seiner großen Leidenschaft widmet, dem Sport und dessen Geschichte. Im Mittelpunkt steht dabei der 1. FC Kaiserslautern, obwohl es Lindon, der aus Chicago in den USA stammt, nicht nur um Fußball, sondern auch um alle anderen Sportarten geht. Das FCK-Virus hat sich der 1958 geborene Sportfan bereits 1988 beim Besuch eines Spieles eingefangen. Endgültig erwischt hat es ihn dann mit dem Kauf einer Dauerkarte der Saison 1990/91. Mitte der 1990er-Jahre weckten FCK-Anstecknadeln (Pins) mit unterschiedlichen Logos Lindons Neugier. „Ich wollte etwas darüber wissen, aber keiner konnte mir etwas dazu sagen“, erinnert er sich, wie seine Sammelleidenschaft und die dazugehörigen intensiven Recherchen begannen.

Heute hat er über 500 verschiedene FCK-Pins in seiner Sammlung. Stundenlang begibt er sich immer wieder auf Spurensuche am Computer oder wertet Zeitungen, Vereinssatzungen und Stadionprogramme aus. Auf seiner Website „Pin-Hölle“ und im Fritz-Walter-Museum in der Osttribüne des gleichnamigen Stadions in Kaiserslautern macht Lindon die Ergebnisse ebenso zugänglich wie im Pfälzischen Sportmuseum in Hauenstein (Landkreis Südwestpfalz). Lindon, der auch stellvertretender Vorsitzender im Verein Pfälzische Sportgeschichte ist, hat keine Angst vor Langeweile: „Ich werde nie fertig werden.“

Text: dot | Foto: Fachenbach Medienagentur | Info: lindon.us

Selina Weiler, Gardetänzerin

Mit der „Stechergarde“ übt Selina Weiler seit zwei Jahren denselben Tanz, weil es seitdem keine Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß „Die Stecher“ Rülzheim (KGR) mehr gab. „Gesundheit und Sicherheit gehen ganz klar vor“, sagt die 21-Jährige. Lust, mal was Neues mit ihrer Gruppe zu machen, habe sie trotzdem. Die Kampagnenabsage fiel den Vereinsmitgliedern dieses Mal besonders schwer, da sie ihr närrisches 6 x 11 Jahre-Jubiläum begehen. Die KGR ist in der südpfälzischen Gemeinde ein Traditionsverein. „Bei uns im Ort ist das einfach so, dass man als Kind zur KGR geht.“ Selina Weiler, die inzwischen in Herxheim-Hayna lebt und in Landau Grundschullehramt für die Fächer Sport und Deutsch studiert, tanzte bereits mit drei Jahren bei den „Mini und Bambinis“. Mit 14 machte sie den Trainerschein und hat seitdem eine Doppelrolle als Tänzerin und Trainerin.

Während des Lockdowns sei es schwierig gewesen, die Trainings-Moral aufrecht zu erhalten, weil einfach alles online war: Schule, Studium, Training ... Aber: „Der Zusammenhalt ist bei uns sehr schön, wir verstehen uns super gut.“ Das Tanzen mache einfach viel Spaß und auch die sportliche Herausforderung sporne sie an. Die Garden seien sehr traditionell ausgerichtet, wobei die Musikauswahl auch mal moderner ist. Die uniforme Kleidung der Tänzerinnen wurde vor ein paar Jahren sportlicher und sei kein „Fünf-Kilo-Kostüm“ mehr. Für Mai plant der Verein „Dance&Comedy“-Abende, bei denen alle Tanzgruppen hoffentlich endlich wieder auftreten können.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Info: karneval-ruelzheim.de

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