Pfalz persönlich – vom Drechsler bis zum Müllermeister

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Realschullehrer und Drechsler, eine Druckkünstlerin, ein Biermuseum-Inhaber, eine Konditormeisterin und ein Müllermeister. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Stefan Behr, Realschullehrer und Drechsler

Stefan Behr ist gerne Lehrer. Er unterrichtet Englisch und Geografie an einer Integrierten Gesamtschule. Doch Stefan Behr ist auch gelernter Handwerker. Nach einer Lehre zum Industriemechaniker brachte er sich nach und nach das Drechseln bei. „Dieses spezielle Holzhandwerk hat mich schon immer fasziniert. Richtig los ging es damit, als ich in der Scheune meines Opas eine selbstgebaute Drechselbank fand“, erinnert er sich. Ganz autodidaktisch tastete er sich zunächst heran, etwas später traf er einen Drechsler, der ihn ausbildete. Heute fertigt Stefan Behr Schalen, Skulpturen und Wandbilder aus heimischen Hölzern. Er tüftelt gerne, baut individuelle Vorrichtungen, die dem Holz ganz neue Strukturen verleihen. „Mein Lieblingswerkstoff ist die Edelkastanie, sie lässt sich wunderbar bearbeiten und ist zudem lokal verfügbar“, erklärt Behr. Auch alte Weinfässer und Weinbergpfähle bringt er gerne in neue Formen. Stefan Behr findet es schade, dass das Handwerk in Deutschland Nachwuchssorgen hat. Unter anderem aus diesem Grund würde er auch gerne das Drechseln als AG in der Schule anbieten – lediglich an fehlenden Mitteln sei es bislang gescheitert. Seine handwerkliche Ausbildung komme ihm übrigens im Alltag zugute. „Als Lehrer wirst du gleich viel ernster genommen, wenn klar wird, dass du auch eine handwerkliche Ausbildung hast“, sagt er zum Schluss mit einem Augenzwinkern. An der Pfalz schätzt er vor allem die Menschen und das Essen. Klassische „Pfälzer Omagerichte“ haben es ihm besonders angetan.

Text: swa | Foto: Norman Krauß| Info: woodturningisnotacrime.de

 

Eva Haußner, Druckkünstlerin

Mit 88 Jahren nennt sich Eva Haußner selbst immer noch ein Spielkind. Das ist sie nämlich genau dann, wenn sie an der Druckerpresse steht. Oder auch ohne Presse. Denn es gibt viele spannende Drucktechniken. Sie experimentiert mit Farben, Formen, Platten, Techniken und Materialien. Diese Leidenschaft vermittelt sie seit 27 Jahren den Teilnehmern in den Druck-Kursen der „Offenen Kreativ-Werkstatt“ in Bad Dürkheim. Der Kunst widmet sich Eva Haußner intensiv seit ihrer Pensionierung, obwohl sie Kunst sogar als Studium in Betracht zog. „Eva, mach etwas Vernünftiges“, antwortete ihr der Vater als Eva Haußner nach dem Abitur diesen Wunsch äußerte. Die gebürtige Westfälin hörte auf den Vater und entschied sich für ein Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch und Sozialkunde. „Der Lehrerberuf hat mir sehr viel Freude gemacht“, sagt die Bad Dürkheimerin, die bis 1989 an der Andreas-Albert Schule in Frankenthal unterrichtete und der Liebe wegen in die Pfalz zog. Als sie kurz vor dem Ruhestand eine Kollegin auf Sylt besucht, wird dort in einem Atelier ein Druckkurs angeboten, an dem Haußner spontan teilnimmt. „Ich kannte die Technik der Druckgrafik gar nicht. Aber der Reiz war und ist für mich das Handwerk. Die richtige Arbeit, die dahintersteckt“, erzählt Eva Haußner. Es folgten Fortbildungen unter anderem an der Sommerakademie in Salzburg. Mit der Zeit entwickelte sie ihren eigenen verspielten Stil. „Er hat wenig mit den pingelig genauen Radierungen der Druckwerke zu Dürers-Zeiten gemein“, sagt sie schmunzelnd.

Text: ayß | Foto: Kai Mehn | Info: offene-werkstatt.org

 

Paul Szepanski, Biermuseum-Inhaber

Das Häuschen im Garten von Paul Szepanski in Frankenthal-Studernheim ist etwas größer als zehn Quadratmeter. Der Schatz, den es beherbergt, ist unermesslich – zumindest für den 37-Jährigen. Dort stellt er alles zur Schau, was er in 25 Jahren über die Frankenthaler Brauerei zusammengetragen hat. Zum Beispiel eine Flasche aus dem Gründungsjahr 1889 und auch jeweils ein Export, ein Pilsner und ein Festbier aus den 1990er-Jahren, kurz bevor die Brauerei stillgelegt wurde. Das war 1995, Paul Szepanski war damals mit seinen 13 Jahren noch nicht im biertrinkfähigen Alter. Dennoch hat ihn das Ereignis geprägt, denn das Frankenthaler war das Familienbier und das Getränk, welches er mit der neuen Heimat verbunden hat. Als Dreijähriger kam er mit seinen Eltern aus Polen nach Frankenthal, „in eine tolle Region, die ich nie wieder verlassen habe“, wie Szepanski erzählt. Mit dem privaten Biermuseum möchte er ein Stück Frankenthaler Geschichte bewahren. Wie viele Exponate inzwischen zusammenkamen, kann er nicht genau sagen. Dafür weiß er zu jeder einzelnen Flasche – teilweise mit Originalinhalt –, jedem Krug, jedem Fass, jeder Kiste und jedem Werbemittel eine Anekdote. Paul Szepanski lädt jeden Interessierten freitags ab 17 Uhr und samstags ab 10 Uhr in sein Kleinod ein – inklusive Bierverkostung aus Frankenthaler Gläsern. „Gäbe es noch das feinherbe Frankenthaler, würde ich natürlich das trinken“, sagt er schmunzelnd. So greift er auf bayerische Biere zurück, die ja auch irgendwie eine Verbindung zur Pfalz haben ...

Text: ayß | Foto: Kai Mehn | Info: 0178 8323622, Weickstraße 8, Frankenthal

 

Rosemarie Lanninger, Konditormeisterin

„Linzertorte esse ich für mein Leben gern.“ Rosemarie Lanninger liebt zudem Himbeerrahmkuchen. Bekannt ist die 1967 geborene Konditormeisterin, die aus Niederkirchen stammt und in Deidesheim lebt, jedoch vor allem durch ihre besonderen Torten-Kreationen für Familienfeiern und Jubiläen. „Tortenkunst-Beispiele aus dem Internet passen nicht zu meiner Philosophie. Tortendeko soll man nicht abräumen müssen, sondern mitessen können. Mein Motto dabei heißt zart und leicht“, erklärt Lanninger. Ihr ist es deshalb am liebsten, wenn man auf ihre Ideen vertraut und nicht „eine Goldummantelung der Hochzeitstorte“ erwartet. Saisonal, regional und natürlich müssen für sie die Zutaten sein. „Convenience-Produkte sind komplett aus dem Programm verbannt. Ich setze auf echte Butter, Vanille sowie frische Früchte“, betont sie. Dies gilt auch für die im Schnitt je fünf Torten und Kuchen, die Lanninger täglich im Café Ritter von Böhl ganz ohne Chemie und Zusatzstoffe backt. „Morgens die Theke im Café, nachmittags der Schnickschnack. Traditionelles und Künstlerisches wird verbunden“, beschreibt die Konditormeisterin, die auch schon in Bäckereien und der Pâtisserie gearbeitet hat, die Faszination ihres Berufes. Zum Backen ist sie über ihre Mutter gekommen, nachdem diese – eigentlich eher eine Köchin – bei der Katholischen Frauengemeinschaft einen Kurs belegt hatte. Lanninger: „Ich mache die Buttercreme und den Vanillebiskuit immer noch so, wie es die Mutter gemacht hat.“

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: zaubertorte.com, ritter-von-boehl.de

 

Hans Isemann, Müllermeister

„Unsere Regionalität kommt beim Kunden an. Das wird gewürdigt“, freut sich Hans Isemann von der Getreidemühle Isemann in Rieschweiler-Mühlbach (Landkreis Südwestpfalz). Der 1951 geborene Müllermeister begleitet nach wie vor den Betrieb mit Rat und Tat. Geleitet wird die Mühle – sie ist seit 1813 in Familienbesitz – in siebter Generation von Sohn Daniel. Er zählte zu den letzten Müllermeistern, heute heißt der Beruf Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. Insgesamt drei Kinder sind mit im Betrieb. „Wir sind als Handwerksmühle viel überschaubarer als eine Industriemühle, die bis zu 1200 Tonnen Mehl am Tag produziert“, sagt Isemann. Deshalb könne man auch im Lohn für Solidarische Landwirtschaft (Solawi) oder Hofläden kleinere Chargen vermahlen. „Die bekommen dann immer ihr eigenes Mehl zurück“, erklärt der Müllermeister. In Rieschweiler setzt man neben Typen- und Vollkornmehlen aus Weizen und Roggen auch auf alte Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn oder Emmer. Seit 1986 ist der Betrieb Bioland-Vertragsmühle. Die Isemanns bieten aber auch konventionelles Mehl an, das ebenfalls ganz ohne Zusatzstoffe auskommt. Im Mühlenladen gibt es Tipps, wie man Brotteig richtig ansetzt und die besten Brötchen backt. „Ich finde es wichtig, dass man kleine, regionale Bäcker unterstützt. Sonst schmeckt alles gleich“, betont Isemann. Er plant Führungen in der Mühle anzubieten, um Wissen zu vermitteln.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: E-Mail an muehle-isemann@gmx.de

 

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