Pfalz persönlich – vom Deichwärter bis zur Flechtwerkgestalterin

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Deichwärter, eine Künstlerin, ein Riesenpflanzenzüchter, die Mutter der Fladders und eine Flechtwerkgestalterin. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Martin Scherrer, Deichwärter

Sie schützen die Anlieger vor Hochwasser: die Deiche am Rhein. Und sie brauchen selbst Schutz, damit sie ihre Funktion erfüllen können. Eine spezielle Gras-Kräuter-Samenmischung ist die Basis für einen grünen Teppich, der den Erdbauwerken Stabilität gibt. „Zweimal im Jahr wird gemäht. Landwirte, mit denen wir zusammenarbeiten, machen das Heu“, erklärt Martin Scherrer. Seit 1998 ist er Deichwärter am Stützpunkt Neuburg (Landkreis Germersheim), der zur Deichmeisterei Speyer gehört. Die Hochwasserschutzmaßnahmen steuert die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt. Scherrer kennt im Bereich der Verbandsgemeinde Hagenbach, zu der Neuburg gehört, auf rund 16 Kilometern Länge jeden Quadratmeter der Deiche. Gemäht wird mit einem Hangtraktor, einem sogenannten Geräteträger für Hanglagen, wie er auch in den Alpen eingesetzt wird. Schließlich haben die Hauptdeiche mit einer Höhe von vier Metern eine bis zu rund 30-prozentige Neigung. Zu den Aufgaben des Deichwärters gehören auch die Streckenkontrolle sowie im Hochwasserfall die Dokumentation. „Ich arbeite zu 90 Prozent in der Natur und schätze die große Selbstständigkeit bei der Arbeit“, beschreibt Scherrer, was ihn so zufrieden macht. Einen großen Wunsch hat er trotzdem: Radfahrer, die den sogenannten Deichverteidigungsweg nutzen, bittet er um mehr Verständnis, wenn er mit seinem Hangtraktor unterwegs ist.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: sgdsued.rlp.de

Susanne Wolf-Kaschubowski, Künstlerin

In der Pfalz sucht sie gerne „das Besondere im Alltäglichen“. So inspiriert sie beim Spaziergang mit dem Hund das Morgenlicht über den Baggerseen bei Altrip (Rhein-Pfalz-Kreis), das sie in Gemälden festhält. Hier, wo sie seit 2003 mit ihrer Familie lebt, betreibt Susanne Wolf-Kaschubowski seit 2018 die „Galerie im Hof“. Ein Projekt, in dem die 1965 in Erfurt geborene Malerin und Kunstpädagogin Künstler untereinander vernetzen will. Bei Tandem-Ausstellungen präsentieren Künstlerinnen und Künstler, die überwiegend aus der Pfalz stammen, deshalb ihre Werke gemeinsam. Bei ihrere eigenen Kunst gehört Wolf-Kaschubowskis besondere Leidenschaft natürlichen Pigmenten aus farbigem Sand, wie sie seit der Römerzeit aus den Ockerfelsen am Mont Ventoux und im Luberon gewonnen werden. „Ich suche immer nach neuen Farbnuancen des Ockers, die mich einfach faszinieren“, erzählt die Künstlerin, die bei Studienreisen häufig auch vor Ort in Andalusien, der Bretagne oder der Provence malt. Wolf-Kaschubowski, die schon als Kind gerne gezeichnet und gemalt hat, nennt Egon Zimpel als ihren „Ausbilder und Mentor“. Dieser war Lehrer am Bauhausinstitut Weimar. Heute entstehen Wolf-Kaschubowskis Bilder jeweils zu einem Drittel als freie Arbeiten ohne regionalen Bezug, im Ausland und in der Pfalz – etwa an den Baggerseen rund um Altrip.

Text: dot | Foto: Kunz | Info: susannewolfkaschubowski-art.de

Owen Olsen, Riesenpflanzenzüchter

Er liebt sie dick und schwer oder besonders lang: Kürbisse und Wassermelonen im Riesenformat sind die große Leidenschaft von Owen Olsen aus Knopp-Labach (Landkreis Südwestpfalz). Der 1957 geborene US-Amerikaner aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland lebt seit 1978 in Deutschland. Für das Militär war er an diversen Orten, unter anderem in Ramstein, im Einsatz. Nach seiner Pensionierung fand er in seinem Garten und seinen Gewächshäusern die Erfüllung. Eine Website, auf die er durch Zufall gestoßen war, brachte ihn auf die Idee mit den Riesenkürbissen, die er nun seit 2001 anbaut. „Es fasziniert mich, dass ein Kürbis, der etwa so groß wie ein Tischtennisball ist, ein paar Tage später bereits Fußballformat hat“, erzählt Olsen begeistert. Ab etwa dem 25. Tag legen seine Kürbisse bis zu 14 Kilo am Tag an Gewicht zu. Im Jahr 2017 brachte sein bisher größter Riese sage und schreibe 590 Kilo auf die Waage. Olsen sammelt so mit seinen Züchtungen bei Wettbewerben Preise auf Landes- und Europaebene. 2018 kamen – ein Zuchtkollege aus den USA hatte ihm Kerne zugesendet – Wassermelonen hinzu. „Ich habe sie einfach in den Boden gelegt und abgewartet, was passiert“, war Olsen selbst vom über 42-Kilo-Ergebnis überrascht, das er dieses Jahr mit 49,4 Kilo noch toppte. Zudem hat er zu einem Wettbewerb noch einen Long Gourd mitgebracht. Auch diese Kürbisart passt zu Olsen, sie wird besonders lang – bei ihm diesmal über drei Meter.

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: olsen-giant-pumpkins.com

Stefanie Degenhartt, Mutter der Fladders

Sie sind „die gefiederte Antwort auf den Wahnsinn des Lebens“: die Fladders. Die „bunten, schrägen und gut gelaunten“ Vögel treten im Ludwigshafener Stadtteil Oppau seit 2015 gehäuft auf. Damals hat Dr. Stefanie Degenhartt begonnen, ihre Idee, die bei Schnittchen und einem Glas Sekt eher spontan entstand, in die Tat umzusetzen. Für die 1966 geborene Produktmanagerin in der Medizintechnik und Biologin, die sich als Oppauerin mit Herz und Seele bezeichnet, sind die Fladders „das kreative Herzensprojekt“. Ihre gemalten Vögel werden abfotografiert und am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm in Form gebracht.  Die Fladders gibt es als gerahmte Bilder, als Poster oder Postkarten. Die bunten Flattermänner zieren aber auch Tassen, Multifunktionstücher und – Corona lässt grüßen – natürlich Mund-Nasen-Schutzmasken. „Mit ,Och joo‘ geben die Vögel die Antwort auf Klugscheißer“, erklärt Degenhartt mit einem Schmunzeln. Mittlerweile organisiert sie mit ihren flatternden Mutmachern auch Fladders-Aktionen. Und zusammen mit Petra Zimmermann aus Sandhausen hat sie einen Fliesenlegerbus zum Camper umgebaut. Den Ford Transit, den logischerweise Fladders zieren, kann man für Auszeiten mieten und auf vier Rädern den Sorgen davon „flattern“.

Text: dot | Foto: Kunz | Info: diefladders.de

Monika Nickel, Flechtwerkgestalterin

„Ich arbeite hauptsächlich mit Weide. Der besondere Reiz entsteht dadurch, dass aus einzelnen Ruten dreidimensionale Objekte entstehen.“ Monika Nickel betreibt ihre Flechtwerkstatt seit 2013 in Kindenheim (Landkreis Bad Dürkheim). Die 1974 geborene Flechtwerkgestalterin ist in Obrigheim aufgewachsen. Ihre Ausbildung hat sie zwischen 2000 und 2003 an der staatlichen Berufsfachschule für Korbflechterei im oberfränkischen Lichtenfels absolviert. 2004 legte sie auch die Meisterprüfung im Korbmacher-Handwerk ab. „Ich will natürlich schöne Sachen machen, doch bei mir geht es um Gestaltung und nicht um Kunst“, beschreibt Nickel ihre Tätigkeit, bei der sie im Gegensatz zu Künstlern keine inhaltliche Vision habe. Die Bandbreite ihrer Arbeiten, für die sie 2017 den Pfalzpreis für Kunsthandwerk und 2019 den Staatspreis für das Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz erhalten hat, ist groß. Sie reicht vom klassischen Korb nach Wunsch über kleinere Dekorationsgegenstände, etwa Libellen, bis hin zur Serienfertigung von Schallsegeln für einen Kindergarten in Thüringen. Geflochtenes sei derzeit sehr gefragt, weil es mit natürlichem Material weg vom Plastik gehe und es eine „Besinnung aufs Handwerk“ gebe. „Viele Leute sehen eine Romantik in meinem Beruf, die es nicht gibt“, verweist Nickel darauf, dass die Tätigkeit körperlich anstrengend sei. Bei Flechtkursen, die sie auch anbietet, könne man allerdings „gut runterkommen“.

Text: dot | Foto: Sebastian Fachenbach | Info: flechtwerk-gestaltung.de

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