Pfalz persönlich – vom Clown bis zur Textilkünstlerin

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Bühnenclown, ein Waldbegeisterter, ein Naturfotograf, eine Textilkünstlerin und ein Miniaturfotograf. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten.


Kaja Lorí, Bühnenclown/Lehrerin für Körpersprache

Der Clown, er lacht. Der Clown, er weint. Der Clown, er hüpft. Der Clown, er bewegt sich von riesengroß bis hin zu klein in Miniatur. „Der Bühnenclown lebt all seine Emotionen und sie leben ihn. Er ist einfach ehrlich durch und durch. Er begegnet allem offen, als ob es das erste Mal wäre“, erklärt Kaja Lorí, die als ausgebildeter Bühnenclown ganz unterschiedliche Figuren verkörpert. Der Bühnenclown schöpfe aus der Welt und aus sich selbst. Kein Wunder, dass es drängt, all dem Erlebten des vergangenen Jahres endlich wieder im künstlerischen Schaffen Ausdruck zu verleihen.

Der Clown ist gerne und viel unter Menschen. In Herxheim in der Südpfalz zu Hause, genießt Kaja Lorí als Privatmensch dagegen die Ruhe und ist viel im Wald unterwegs. In der Pfalz fühle sich die gebürtige Nordrhein-Westfälin pudelwohl. Dank ihrer Anstellung als Pädagogin in einer Suchtklinik ist ihre Existenz in diesen Zeiten ohne Auftritte gesichert. Vor Kurzem hat die 47-Jährige die Ausbildung zur Lehrerin für Körpersprache abgeschlossen.

Ihr Lebenslauf gleiche einer bunten Sahneschichttorte, und das sei die Kirsche darauf. Ihr Wissen um Kommunikationsformen möchte sie gerne als Coach weitergeben. Sie nehme sich für die Selbstständigkeit, die künftig wieder größeren Raum einnehmen soll, aber Zeit. Es werde sich auch zeigen, welchen Weg die Kunst in der Post-Pandemie-Gesellschaft gefunden habe. Denn die echte Kunst finde immer einen.

Text: ayß | Foto: Norman Krauß | Kontakt: info@kajalori.de

Gerald Klamer, Waldbegeisterter

„Der Pfälzerwald muss von Windkraft verschont bleiben.“ Gerald Klamer ist dieses Statement bei einem Treffen in Johanniskreuz besonders wichtig. Dort macht er auf seiner 6000-Kilometer-Langstreckenwanderung durch die deutschen Wälder in allen Bundesländern Station. „Waldbegeisterung“ nennt er seine Aktion, mit der er auf die Schlüsselrolle des Waldes beim Klimawandel aufmerksam machen will.

„Der Pfälzerwald ist ein Waldtraum“, schwärmt Klamer. Im Gegensatz zu vielen eintönigen Gebieten, die er kennengelernt habe, finde man hier einen schönen Mischwald mit hohem Laubanteil, der alles „zu einem tollen Wandergebiet mit gut strukturierten Wegen und vielen schmalen Pfaden macht“. Dies müsse für die Generationen nach uns unbedingt erhalten werden und dürfe nicht durch Industrieflächen zerstört werden.

Klamer, 1967 geboren, stammt aus Melle in Niedersachsen und hat für seine achtmonatige Tour den Beruf als Forstbeamter an den Nagel gehängt. Die Bewertung des Pfälzerwaldes sei für ihn keine Momentaufnahme, da er hier schon oft – etwa auf dem Pfälzer Waldsteig – unterwegs war. In einem Internetblog und über viele Medien transportiert er seine Botschaft. Nach Abschluss ist auch ein Buch geplant, um Wege zur Überwindung der Klimakrise aufzuzeigen. Klamer dazu: „Der Wald ist meine Heimat.“

Text: dot | Foto: view – die agentur | Info: waldbegeisterung.blogspot.com/

 

Luis Wittmer, Naturfotograf

„Das Erlebnis von Natur ist mir wichtig.“ Luis Wittmer sieht sich dabei als „ein stiller Beobachter, der ungesehen und ungewittert bleiben möchte“. Naturfotografie ist für den 2004 geborenen Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Pirmasens zu einer Leidenschaft geworden. Was mit dem Smartphone und einer Bridgekamera als Konfirmationsgeschenk begann, hat sich zu einem intensiv gepflegten Hobby mit einer Systemkamera entwickelt.

Wittmer setzt gerne ein 200-bis-500-Millimeter-Objektiv ein, mit dem er Vögel, Rehe, Füchse, Dachse und andere Tiere fotografiert. Zu seinen Lieblingsmotiven zählen aber auch Pflanzen oder Felsen. Ein besonderes Erlebnis hatte er am 8. April. „Da geht einem schon der Puls hoch, wenn plötzlich regungslos ein Luchs hinter dem Gebüsch steht und dann direkt auf einen zukommt“, erinnert er sich. Der Luchs – das Foto zeigen wir  in der Titelstory „Wilde Pfalz“ – ließ sich am späten Nachmittag im deutsch-französischen Grenzgebiet im Pfälzerwald die Sonne auf den Pelz brennen.

Wittmer ist sich im Klaren darüber, dass der Berufswunsch Naturfotograf schwierig in die Tat umzusetzen sein wird, würde sich aber freuen, wenn es klappt. Vorerst will er weiter an der Qualität seiner Bilder arbeiten. Denn Natur sei auch mit kleineren Tieren ein großes Erlebnis. Wittmer: „Eine Rötelmaus im Garten ist auch eine schöne Sache.“

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Instagram: luis_wittmer_naturephotography

 

Margarete Palz, Textilkünstlerin

„Ich entwickle in Kopf und Bauch und es endet in den Händen an der Nähmaschine“. Margarete Palz aus Zweibrücken setzt ihre kompositorischen und technischen Fähigkeiten ein, um fotografische Flächen in „Raumgebilde“ zu transformieren.

Die 1937 in der Tschechoslowakei geborene Textilkünstlerin kam im Alter von elf Jahren nach Zweibrücken. „Damals gab es nichts zu kaufen und man musste sich Kleider selbst nähen“, erinnert sich Palz an die Anfänge. Als junges Mädchen vermittelte ihr die Tante mütterlicherseits eine „innere Beziehung zu Stoff, zu Farbe und zu Wolle“.

Palz studierte später Bildende Kunst und Kunstgeschichte und war von 1966 bis 2000 Kunsterzieherin am Hofenfels-Gymnasium in Zweibrücken. „Dabei kam es zu einer Explosion in meinem Leben“, erzählt sie, wie sie die Arbeit mit Schülern, Bühnenbildern, Dekorationen und Theater- sowie Musicalkostümen dazu brachte, „Kunst in den Raum zu tragen“. Über ihren Bruder Gerhard Heisler, einen Fotografen, kam sie an Filme und Fotopapier, das Material, aus dem bis heute ihre Kunstkleider entstehen.

Unser Foto zeigt Palz zusammen mit dem Model Esther-Ruth Dörr, die das Kostüm „Kurven en Wooge“ trägt. Mehrere internationale Auszeichnungen sind Lohn für einen zum Teil mehrmonatigen Entstehungsprozess. „Ich vergleiche ihn mit einer Schwangerschaft“, sagt Palz. Eine Einordnung, die passt, schließlich ist jedes Fotopapierkleid ein Unikat.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: mpalz.de

Benedikt Hild, Miniaturfotograf

Wenn er für seine Fotos loszieht, teilt sich seine Wahrnehmung in den Entdeckungs- oder den Fotografiemodus. „Vor der Umsetzung mit der Kamera ist das Bild im Kopf schon gemacht“, beschreibt Benedikt Hild den Prozess.

Der 1996 geborene Wirtschaftsinformatiker aus Edenkoben, der in Mannheim lebt und arbeitet, besucht Orte oft mehrfach, bis er eine Idee für eine neue Inszenierung hat. Auf seinen Entdeckungstouren hält er die Ideen auf einem Block fest. Er sucht passende Miniaturfiguren sowie ergänzendes Equipment und erst nach stundenlanger Vorbereitung kann es losgehen. „Das Arrangement an der Location und das Fotografieren selbst sind dann mit rund eineinhalb Stunden der geringere Aufwand“, erläutert Hild, der derzeit an einem „Little-Pfalz-Projekt“ arbeitet.

Beflügelt hat ihn der Erfolg seines Buches „Little Mannheim“, das im November 2020 erschienen ist. „Als ich nach Mannheim gezogen bin, wollte ich die Stadt kennenlernen“, erinnert sich Hild daran, wie die Idee entstanden ist. Mittlerweile hat er einen Fundus von rund 1000 Figuren, die normalerweise in Modelleisenbahnlandschaften verwendet werden.

„Jetzt will ich meine Heimat richtig entdecken“, betont Hild. In seiner Wohnung hängt eine große Pfalz-Karte mit immer mehr roten Fähnchen. Diese sind nach Touren im Entdeckungsmodus von ihm gesteckt worden. Nach und nach werden sie nun im Fotografiemodus „abgearbeitet“. Großer Aufwand für kleine Szenen.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: littlefotografie.de

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