Pfalz persönlich – von der Jagdkönigin bis zum Theologen

Fünf Pfälzer im Kurzporträt: ein Brauer-Praktikant, eine Jagdkönigin, ein Theologe, eine Schokoladen-Sommelière und eine Autorin und Gästeführerin. Sie stehen für die Vielfalt der Pfalz. Denn regionale Produkte, kreative Küche oder gute Ideen gibt es hier viele. Dahinter stehen immer besondere Persönlichkeiten


Dr. Andreas Krasky, Brauer-Praktikant

Andreas Krasky ist 44 Jahre alt, hat Biologie in Mainz studiert, in Biochemie an der Universität in Tübingen promoviert und mehrere Jahre in der Pharmaindustrie als wissenschaftlicher Angestellter geforscht und entwickelt. Kurz: Er entspricht nicht dem typischen Bild eines Brauer-Praktikanten. Und dennoch ist der Ingelheimer seit einigen Wochen als Vollzeit-Praktikant bei der pfälzischen Bischoff-Brauerei in Winnweiler unterwegs. Für Andreas Krasky ist Bierbrauen angewandte Biochemie in ihrer schönsten Form. Deshalb sei der Gärkeller der Privatbrauerei Bischoff auch einer seiner Lieblingsorte im Betrieb. Denn die Gärführung, also die Arbeit mit der Hefe, habe großen Einfluss auf den Charakter des Bieres. Zunächst war das Brauen für Andreas Krasky reines Hobby, mit der Gründung der „Edelbier-Manufaktur“ kam ein kleines Gewerbe hinzu und dann „hat es im Kopf klick gemacht. Warum mache ich das nicht zum Beruf?“, erzählt Krasky. Er hat den Willen, den Mut und die Unterstützung seiner Frau, den Quereinstieg als Braumeister zu wagen. Die mittelständische Brauerei sei ideal, um alle Produktionsbereiche kennenzulernen. Die Pfalz kannte und schätzte der Rheinhesse schon vorher – nämlich als Ziel für gemütliche Harley-Touren rund um den Donnersberg und auf den „vielen, schönen Schlingelwegen“.

Text: ayß | Foto: view – die agentur | Info: bischoff-bier.de

 

Dhana Hilgert, rheinland-pfälzische Jagdkönigin

„Ich repräsentiere die Jägerschaft. Nicht den alten introvertierten Typ, sondern jung, frisch, offen und gerne im Dialog.“ So beschreibt Dhana Hilgert ihre Aufgabe als rheinland-pfälzische Jagdkönigin. Im Mai hat sie das erste Jahr ihrer zweijährigen Amtszeit absolviert. Die 1984 geborene Jägerin ist in Eschenau (Landkreis Kusel) aufgewachsen und arbeitet als Lehrerin für Biologie und Sport bei Bad Kreuznach. Immer noch streift sie mit ihrem Bayerischen Gebirgsschweißhund Buddy durch Wälder und Felder ihrer pfälzischen Heimat, gerne auch mit ihrem Ausbilder und „Jagdpapa“ Bernd Klisch. „Die Jagd, früher ein Privileg reicher Leute, wird immer normaler und bezahlbarer“, betont Hilgert und weist darauf hin, dass auch der Frauenanteil wächst. Er liegt heute bei rund zehn Prozent. Für Hilgert ist es wichtig, den eigenen Fleischkonsum durch die Jagd zu decken. „Fleisch ist kein selbstverständliches Nahrungsmittel. Wir sollten es besonders wertschätzen, vor allem, weil ein Tier dafür sein Leben geben musste“, verweist sie auf die Jagd als eine ethisch besonders verantwortbare Form der Fleischbeschaffung. Nicht zuletzt nutzt Hilgert Eindrücke, die sie während des Ansitzens sammelt, um ihren Biologieunterricht anschaulich zu gestalten. Sogar eine Jagd-AG ist mittlerweile an ihrer Schule entstanden.

Text: dot | Foto: Nicole Fromm/LJV RLP | Info: ljv-rlp.de

 

Michael Landgraf, Theologe

Zurückgekehrt in ihre Heimatstadt ist eine historische Ausgabe der Neustadter Bibel von 1594: Michael Landgraf, Theologe und Schriftsteller, hat sie in diesem Frühjahr für das Pfälzische Bibelmuseum in Neustadt an der Weinstraße über ein Schweizer Antiquariat erworben. „Sie gilt wegen ihrer Ausstattung als prächtigste aller Neustadter Bibeldrucke“, erklärt Landgraf, der seit fast 20 Jahren regelmäßig Auktionen und Angebote im In- und Ausland überprüft. Im Museum, das der 1961 in Ludwigshafen geborene Dozent für Religionspädagogik leitet, ist der Weg der Bibel durch die Jahrhunderte nachzuerleben. Für den 2018 in den internationalen PEN-Club berufenen Landgraf, der über 100 Titel vom historischen Roman bis zu Sachbüchern mit Pfalzbezug verfasst hat, ist die Neustadt-Bibel Zeugnis einer Zeit, in der die Stadt mit der Hochschule Casimirianum ein europaweit beachtetes Zentrum der reformierten Welt war. Kurfürst Friedrich III. hatte um 1561 die Lehre Calvins in der Kurpfalz eingeführt. Er veranlasste auch die Entwicklung einer Bibelausgabe mit Verszählung, damit man theologische Aussagen einfacher mit der Bibel überprüfen konnte. Geschichte und Geschichten stellt Landgraf in den Mittelpunkt seiner Stadtführungen, die er in der Rolle des Neustadter Stadtschreibers Zacharias Ursinus oder als Professor für Palatinologie anbietet.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: michael-landgraf.de, bibelverein.de

 

Katja Göde, Schokoladen-Sommelière

Kross gerösteter Speck und dunkle Schokolade – das ist Katja Gödes liebste Food-Pairing-Kombination. Als eine der wenigen geprüften Schokoladen-Sommeliers und Schokoladen-Tester in Deutschland hat sie ein Händchen für ausgefallene Geschmacks-kompositionen. Nach einem Diplom in Lebensmitteltechnologie verschlug es die Pfälzerin und gelernte Konditorin zunächst für einige Jahre in den Norden der Republik. Nicht nur der Liebe wegen zog es sie schließlich zurück in ihre Pfälzer Heimat, nach Waldsee. Sie beginnt, an Schulen und in Firmen Vorträge zu den Themen Bewegung und Ernährung zu halten. Das zweite Standbein und gleichzeitig ihre große Leidenschaft: Schokolade. Als eine der Ersten deutschlandweit macht Göde eine Ausbildung zur Schokoladen-Sommelière, reist nach Brasilien, eines der Ursprungsländer des Kakaos, und arbeitet sich Stück für Stück in die Geheimnisse des Bean-to-Bar-Prinzips (von der Bohne bis zur Tafel) ein. Zwar kreiert sie weiter gerne ausgefallene Kunstwerke aus Schokolade, doch ihr eigentliches Anliegen sei es, „bei den Menschen ein Verständnis für hochwertige Schokolade zu wecken“. Ihre Schokoladenseminare und Tastings nutzt Katja Göde, um ihr Wissen weiterzugeben. Dass sie eine wahre Expertin auf ihrem Gebiet ist, beweist sie bei der Präsentation von „Ruby“, einer neuen rosa Schokoladensorte. Mit ihrer Pralinenkreation, eine Leckerei aus Ruby-Kuvertüre und einer Avocado-Tequila-Füllung, gewann sie einen Wettbewerb.

Text: swa | Foto: Norman Krauß

 

Petra Henke, Autorin und Gästeführerin

„Ich will Interesse bei der Jugend wecken. Man muss Kinder begeistern, damit sie als Erwachsene dranbleiben.“ Petra Henke, Gästeführerin und Museumspädagogin, will mit ihrem Buch „Das Hambacher Schloss – Pantheas fantastische Zeitreise“ eine Lücke schließen. Der Band, der mit über 100 farbigen Buntstifttechnik-Zeichnungen von ihr illustriert ist, lädt zu einer Zeitreise durch die Region von den Römern bis heute ein. Sie lässt die Katze Panthea und den kleinen Ben viele Abenteuer erleben, die dem Leser Geschichte nahebringen. Henke interessiert sich seit ihrer Jugend für Kunst und Geschichte. Henke, 1967 in Brühl geboren, kam nach dem Studium in Köln als Sozialpädagogin in die Pfalz. Nach einer Ausbildung in der Bildenden Kunst durfte Henke im Pariser Louvre als Kopistin Werke berühmter Künstler nachzeichnen. Seit 2012 lebt sie in Offenbach/Queich und gestaltet Führungen im Historischen Museum der Pfalz, im Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben und im Hambacher Schloss. „Bei meinen Führungen blicke ich quasi in die Vergangenheit“, erläutert Henke, wie die Geschichten des Buches entstanden sind. Nach der Idee im Februar 2018 war sie dann noch häufiger auf dem Hambacher Schloss unterwegs. Immer mit Block und Stift, um Skizzen für die Illustrationen anzufertigen. Und weitere Ideen für ähnliche Projekte gibt es seitdem auch.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: hambacher-schloss.de

 

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