Pfalz persönlich – vom Bildhauer bis zum Pfarrer

Die Pfalz und das Material formten Bildhauer Peter Brauchle als Mensch. Das Wort und der Wein spielen für Pfarrer Frank Schuster eine wichtige Rolle. Sie sind zwei der fünf Menschen, die wir dieses Mal in unserer Rubrik „Pfalz persönlich" im Kurzporträt vorstellen.


Peter Brauchle, Bildhauer

„Die Pfälzer Bergkette im Hintergrund, die Farben, die sich im Verlauf der Jahreszeiten verändern, dies alles nehme ich stark auf.“ Für den Bildhauer Peter Brauchle, dessen Atelier sich in Lustadt (Landkreis Germersheim) befindet, ist der Bezug zur Natur sehr wichtig. Der 1970 in Weil am Rhein geborene Künstler hat von 1987 bis 1990 seine Ausbildung zum Steinbildhauer absolviert. Freischaffend tätig ist er seit 1996. „Die Pfalz und das Material haben auch mich als Mensch geformt“, erklärt Brauchle, der schon als Kind mit Holz gestalterisch gearbeitet hat. Heute ist er Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), bei der Pfälzischen Sezession, im Kunstverein Villa Streccius und in der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK).  Für seine Arbeiten bevorzugt er die Materialien Bronze, Aluminium, Stein und Holz.

„Am Anfang ist immer die Idee, erst danach fällt die Entscheidung in Sachen Material. Jedes hat seinen Reiz und Charme“, beschreibt der Bildhauer, der es liebt, etwas mit der Hand zu formen, seine Vorgehensweise. Die Skulptur „Licht des Nordens“ (im Foto) ist ein Stück aus dem für Brauchle „sehr ehrlichen“ Marmor, das 2020 über ein Stipendium im Kultursommer Rheinland-Pfalz entstand. Die Dynamik in der Skulptur, so Brauchle, soll auch „in schwierigen Zeiten Lebenskraft vermitteln, die einem im Umgang miteinander hilft.“

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: bildhauer.brauchle@freenet.de,

Peter Brauchle beim Kultursommer

Silke Umbach, Erzählerin

Freies Erzählen ist eine Kunst und eine Gabe. Mit dem gesprochenen Wort, der begleitenden Mimik und Gestik lädt Erzählerin Silke Umbach ihre Zuhörer ein, in eine andere Welt einzutauchen, die Fantasie auf Reisen zu schicken. „Die Zuhörer sollen die Geschichte genießen. Das ist mein Hauptziel“, sagt die gelernte Erzieherin. Spannend findet sie, „dass jeder an etwas anderes denkt, wenn er einer Geschichte lauscht. Bei dem Wort Baum stellt sich der eine die große grüne Tanne vor und der nächste den Laubbaum mit buntgefärbten Blättern.“ Die Natur biete sowieso viele faszinierende Themen für eine Geschichte. Deshalb kombiniert Silke Umbach wann immer möglich Naturerlebnisse mit einer frei erzählten Geschichte. Das ist mal eine Fabel, mal ein Märchen – die Gebrüder Grimm mag Umbach besonders gerne – oder irgendeine andere Geschichte aus einem Buch. Hauptsache sie passt zum gewünschten Thema und berührt die Menschen. Geschichten-Empfehlungen sind die besten, denn „es knistert richtig, wenn jemand eine Geschichte weitergibt.“

Die Pfälzerin und Mutter eines erwachsenen Sohnes kam vor über zehn Jahren durch eine Fortbildung zufällig zum freien Erzählen. Heute ist sie damit selbstständig und erzählt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Vor zwei Jahren eröffnete Silke Umbach mit der Unterstützung ihres Mannes zudem in der Haßlocher Schmähgasse 56 ein kleines Café. Hier erzählt sie regelmäßig allen eine Geschichte, die Lust haben, ihr ein Ohr zu leihen (Öffnungszeiten: mittwochs 9 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr).

Text: ayß | Foto: Kai Mehn | Info: silkeumbach.de

Liliana Cacopardo, Diplom-Modedesignerin

Von Landau aus in die Welt: In der Pfalz entwickelt Liliana Cacopardo ihre Design-ideen für Schuhe und Taschen. In Italien werden sie aus natürlich gegerbten oder metallfreien Ledern sowie aus recycelten Werkstoffen für den internationalen Markt produziert. „Über allem steht die Vision, Schuhe so nachhaltig wie möglich herzustellen“, beschreibt die Diplom-Designerin und Mutter von zwei Kindern ihre Philosophie. Die 1978 geborene Hamburgerin, die an der Hochschule für Künste in Bremen studierte, kam quasi über ihren Mann, der Italiener ist, zu den Schuhen. Denn in Italien, wo sie mit Blick auf die Familie der Schwiegereltern einen Sprachkurs absolvierte, mündete ein Praktikum direkt in ein Jobangebot. Für den österreichischen Designer Carol Christian Poell übernahm sie die Entwicklung von Schuhen und Taschen.

Bevor sie 2022 ihre eigene Marke Copardo gründete, arbeitete sie für Unternehmen wie Dolce & Gabbana, Premiata, Prada, Bally oder Trussardi als Designerin. In die Pfalz kam sie über ein Engagement bei Peter Kaiser Schuhfabrik in Pirmasens. „Nicht zu crazy. Die eigene Kollektion hat ein elegantes, feminines Minimaldesign“, charakterisiert Cacopardo ihre Schuhe. Die Designerin, die auch Lehrbeauftragte für Grundlagendesign an der Hochschule Kaiserslautern ist, will künftig – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – intensiver mit Werkstätten in der Region zusammenarbeiten. Ganz nach dem Motto „von der Pfalz in die Welt“.

Text: dot | Foto: Norman Krauß | Info: copardo.com, Instagram: copardoshoes/

Ida Wilden, Jungkonditorin

„Das Kreative ist einfach faszinierend.“ So beschreibt die Konditorgesellin Ida Wilden ihren Beruf, für den man brennen müsse. Und dies tut die im Jahr 2000 geborene Frau aus Schmitshausen (Landkreis Südwestpfalz) ohne Frage. „Torten sind mein Hauptding. Am allerliebsten modellierte Torten für Hochzeiten, Geburtstage oder andere Feierlichkeiten“, erzählt Wilden begeistert, weil man damit „den Kunden eine besondere Freude macht.“ Manche zeigten ein Bild, wie die Torte für einen großen Moment aussehen soll. Andere würden nach dem Motto „Machen Sie was Schönes“ viel Freiraum lassen. Von einer Jury aus Fachleuten der Handwerkskammer und der Konditoren-Innung wurde Wilden in Koblenz zur zweitbesten Nachwuchskonditorin in Rheinland-Pfalz gekürt.

Ihre Ausbildung absolvierte sie im „Hotel Café Konditorei Goldinger“ in Landstuhl (Landkreis Kaiserslautern), wo sie nach wie vor gerne arbeitet. Zuvor hatte Wilden nach dem Fachabitur bereits die Ausbildung zur Hauswirtschafterin erfolgreich beendet. „Schon mit meiner Oma, die bei den Landfrauen war, habe ich viel gebacken und gekocht“, erinnert sich die Konditorgesellin, deren Vision ein eigener Betrieb ist. Auf dem Weg dorthin sammelt sie nun zusätzliche Erfahrungen. 2023 wird sie als Commis Pâtissier in einem Sternelokal auf Sylt arbeiten. Hier reizt sie „das Kombinieren von bis zu zwölf Komponenten des Geschmacks auf einem Dessertteller.“ Und im Februar 2024 geht es dann auf die Meisterschule in Heidelberg.

Text: ayß | Foto: view – die agentur | Info: hotel-goldinger.de

Frank Schuster, Pfarrer

Das Wort und der Wein spielen für Pfarrer Frank Schuster eine wichtige Rolle. Der 1964 geborene Neustadter betreut seit 2014 die protestantische Martin-Luther-Kirchengemeinde in seiner Heimatstadt. Zuvor war er fast 25 Jahre lang in Kaiserslautern als Pfarrer aktiv. Von dort hat er eine Idee mitgebracht, die mittlerweile 75-mal realisiert wurde: die Soiree. Sie ersetzt traditionell am zweiten Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertag um 17 Uhr den Predigtgottesdienst. „So wird ein neuer und ungewohnter Zugang mit hoher emotionaler Verbundenheit zum jeweiligen Fest möglich. Es finden zudem mehr Menschen den Weg in die Kirche“, erläutert Schuster das Konzept. Immer werden Musik und Worte miteinander kombiniert. Die Bandbreite reicht von Jazz bis Rock, von Harfe über Flöte bis Gospel.

„Bei den Texten geht es nicht ums schlichte Gedicht“, verweist Schuster unter anderem auf Helga Schneider, Marliese Fuhrmann oder Markus Merk, die jeweils passende Texte vorgetragen haben. Und nach der Soiree wechseln die Besucher bei einem Glas Wein weitere Worte. „Wein spielt in der Bibel und in der Pfalz eine große Rolle. Ich will aber nicht nur wissen, ob ein Wein schmeckt, sondern auch warum“, erklärt Schuster, weshalb er einen Kurs zum Assistant Sommelier (IHK) gemacht hat. Seit fünf Jahren arbeitet er zudem beim Sensorik-Panel des Weincampus Neustadt mit und unterstützt damit Projekte der Studie- renden. Wein und Worte spielen eben eine wichtige Rolle.

Text: dot | Foto: Kai Mehn | Info: martin-luther-kirche-nw.de

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