Pfälzer Lieblingscafés an der Mittelhaardt

Wollen wir uns auf einen Kaffee treffen? Bei dieser einladenden Frage geht es um mehr als nur um das Heißgetränk. Es geht um Plauderei, darum einen Platz zu finden, an dem man für ein paar Augenblicke gemeinsam den Alltag vergessen kann. Die Pfalz bietet dafür unterschiedliche Café-Typen – von traditionell und nostalgisch bis modern und avantgardistisch. Bei vielen Häusern geht das Angebot dabei über klassischen Kaffee und Kuchen hinaus. Sechs Beispiele von der Mittelhaardt.


VON MICHAEL HÖRSKENS

Einer der heißesten Hotspots in Sachen  Kaffee-Genuss ist in der Pfalz momentan das Café Solo in Weisenheim am Berg. Der Außenbereich besticht durch sein mediterranes Flair. Hochwertiges Mobiliar und Kronleuchter vermitteln im Inneren eine noble Atmosphäre.

Im Café Solo von Kirsten und Can Parmakerli finden sich auf der Karte neben klassischen Kaffee-Spezialitäten kreativ klingende Varianten wie etwa der White Chocolate Mocha (weiße Schokolade, Espresso, Milchschaum) oder Baileys Latte (Baileys, Espresso, Milchschaum).

Exquisites entdeckt der Gast auch beim Tee. Ihre Chais bezieht Familie Parmakerli aus San Francisco von David Rio. „Wir lieben das Außergewöhnliche“, unterstreicht Can Parmakerli. Daher wird im Café Solo demnächst auch russischer Kusmi-Tee serviert, berichtet der Sozialpädagoge. Die passenden Kuchen stammen aus der hauseigenen Backstube in Bad Dürkheim. Belegte Baguettes, Panini oder Flammkuchen gehören zum Snacksortiment. Im Winter gibt es freitags einen Dampfnudeltag. Nicht zuletzt werden verschiedene Frühstücksvarianten offeriert, mediterran oder kontinental, sonntags ist das Café Solo Treff für Fans von Frühstücksbüffets.

Frühstück auf Etageren

In Freinsheim beeindruckt das Café Zucker & Salz mit seinem avantgardistisch angehauchten Interieur und seinem breiten Angebot, das ebenfalls über jenes der Kaffeestuben von einst hinausgeht. Monique und Markus Thyssen, die zuvor das Weinrefugium in Bad Dürkheim geführt haben, eröffneten am 1. Mai 2015 ihr Café. Sie backen die Kuchen überwiegend selbst. Nur, wenn sich Reisegruppen anmelden, arbeiten sie mit der Bäckerei Sippel in Bad Dürkheim zusammen. Eine Spezialität sind die belgischen Waffeln, die mit Dinkelmehl und Bio-Eiern vom Bauernhof Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe hergestellt werden.

Begehrt ist auch die „Belgische Schokoladen-Wehe“ mit Dinkel-Boden und Mousse au chocolat, „die es nur bei uns gibt“, versichert Monique Thyssen.

Beim Frühstück kann der Gast zwischen den Varianten „Zucker“ (Brotkorb, Marmelade, Honig, Heißgetränk) oder „Salz“ (Brotkorb, Schinken, Salami, Käse, Heißgetränk) wählen. „Dabei gehen wir in die Höhe“, berichtet Monique Thyssen schmunzelnd. Was bedeutet, dass das Frühstück in kreativ dekorierten Etageren serviert wird.

Das Café Zucker & Salz bietet auch einen täglich wechselnden, saisonal ausgerichteten Mittagstisch an. Daneben gibt es Extras wie eine Curry-Linsen-Suppe oder den Pot au Feu. Auch typisch Pfälzisches wie die „gebratene Dosenbratwurst mit Schmelzzwiebeln“ kann man sich schmecken lassen.

Raumgestaltung nach Feng-Shui

Das Dürkheimer Kaffeehaus Le Café ist eine Adresse mit moderner Prägung. Auch hier ist das klassische Angebot erweitert durch wechselnde Mittagstische und Hauptgerichte, beispielsweise dem Winzersteak mit Rieslingzwiebeln, Bratkartoffeln und Salat. Auch als Frühstückstreff bietet sich das Kaffeehaus an. Sonntags und an Feiertagen gibt es zudem ein Frühstücksbüffet, „dessen Aufbau gute zwei Stunden dauert“, erläutert die Inhaberin, Angelika Paul-Brohammer.

Torten und Kuchen werden im gemütlichen Dürkheimer Kaffeehaus, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, schon immer vom Personal selbst gebacken. „Neben einem Standardprogramm wie Apfel- oder Käsekuchen bauen wir drum herum auf ein breites, saisonal ausgerichtetes Sortiment“, berichtet Paul-Brohammer.

Großen Wert legt man im Le Café auf gut durchgerösteten, aromatischen Kaffee. Alle Tees, die von einer Manufaktur auf der Insel Sylt bezogen werden, stammen aus biologischem Anbau und werden in offener Variante serviert. Was beeindruckt im Le Café ist die stilvolle Einrichtung mit hochwertigem Mobiliar. „Wir haben großen Wert gelegt auf geöltes Erlen- und Buchenholz“, betont die Chefin. Ein Designer hat dazu die Räumlichkeiten nach Feng-Shui gestaltet.

Ein Traditionshaus ist ebenfalls das Café Tempel in Bad Dürkheim. Entstanden aus einer Bäckerei und Konditorei, die Anfang der 50er-Jahre um ein Café erweitert wurde. Peter Tempel übernahm den Betrieb seines Vaters 1975 und führte ihn bis 2002. Seither ist das Café Tempel ein Filialbetrieb der Backparadies GmbH von Albert Schmitt in Eisenberg. Hier treffen sich Einheimische, Reha-Patienten und Touristen.

Das Angebot an süßen Teilchen, Kuchen, Torten und  Desserts ist umfangreich. In der hauseigenen Konditoreiproduktion in Eisenberg werden von zwei Konditormeistern und einem Konditorgehilfen täglich auch Spezialitäten wie Sacher-, Amaretto-, Prinzregenten- oder Tiroler Kirsch-Torte. Hergestellt. „Auch ‚Derkemer Kurschatten‘ wird im Cafe Tempel angeboten“, Albert Schmitt schmunzelnd.

Neben dem süßen Angebot gibt es in dem Bad Dürkheimer Café auch ein reichhaltiges Frühstücksangebot – vom einfachen Klassiker über Aufschnittplatte bis zum XXL-Frühstück inklusive Sekt. Es werden ebenfalls kleine warme Mahlzeiten angeboten.

Flair und schottischer Whisky

Das Café Fridericus in Neustadt versprüht das wunderbare Flair eines Wiener Kaffeehauses. In einer ehemaligen Drogerie beheimatet, fühlt sich der Gast wie von Literaten und Künstlern umgeben. Derek Morrison, gebürtiger Schotte, hat das Fridericus zusammen mit seiner Frau vor sieben Jahren übernommen. „Bei uns geht es sehr familiär zu“, erzählt er. „Viele Gäste kommen zu einem Small-Talk, man redet über die Familie oder Fußball.“ Es werde auch viel Englisch gesprochen, da mehrere Frauen von Mitarbeitern regionaler Großkonzerne, die aus Australien oder Südafrika stammen, sich hier zum Plausch treffen.

Bekannt ist das Fridericus auch für seine überaus kreativ gestalteten Schaufenster. Zu Kaffee oder Tee können die Gäste frischen Kuchen und Torten der Traditionsbäckerei Liebenstein genießen, neben einem Frühstücksangebot in drei Varianten werden auch diverse Snacks wie Panini offeriert. Was auffällt, ist das umfangreiche und originelle Kaffeesortiment. Milchgetränke werden per Hand aufgeschäumt und sind daher von besonderer Qualität. Wer im Café Fridericus lieber bei einem Bier oder einem guten Wein plaudern möchte, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Was bei Morrison auf der Karte nicht fehlen darf, ist Whisky.

Charme der 1950er Jahre

Im Neustadter Café Schluckebier scheint die Zeit still zu stehen. Hier sieht es aus, wie in den 50er Jahren zu Zeiten der Kaffeekränzchen. Thomas Wolf, Enkel des Begründers mit dem Namen Schluckebier, hat bewusst den Charme der damaligen Zeit bewahrt. Er hat das Traditionscafé in der Fußgängerzone, nun in der dritten Generation in Familienbesitz, behutsam renoviert, und dabei die Original-Einrichtung von 1951 erhalten. „Stoffbezüge der Sitze, Tapeten oder der Fußböden wurden allerdings erneuert“, sagt Wolf.

Als Konditormeister stellt er zusammen mit seiner Ehefrau alle Kuchen und Torten in der hauseigenen Backstube selbst her. Darüber hinaus fertigt er süße Teilchen und Pralinen. Eine der Spezialitäten des Hauses ist die „Kunigunden-Torte“ mit Kastanien, Feigen und Mandeln. Auch ein komplettes Frühstück können die Gäste im Café Schluckebier ordern. Es gibt – eine weitere Hommage an die 50er-Jahre – Ragout fin in Pastetchen. Gäste können sich Tropfen aus Mußbach oder Gimmeldingen munden lassen.

Fotos: Michael Hörskens

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