Natürlich gärtnern: Schädlinge und Krankheiten

Läuse sind lästig. Schnecken ärgerlich. Und wer braucht schon die Krautfäule? Es gibt einige Prozesse und Bewohner, die dem Gärtner missfallen. Warum sie oft ein Zeichen dafür sind, dass der Garten nicht im Gleichgewicht ist. Im Garten langfristig ein gesundes Ökosystem aufzubauen und ein Ungleichgewicht zu vermeiden, heißt das Ziel. Dazu gehört es, Tiere und Krankheiten natürlich fernzuhalten. Die promovierte Biologin Dr. Hannah Loranger von der Ebertsheimer Bildungsinitiative (EBI) gibt dazu im Gespräch mit Kathrin Engeroff Tipps.


Die Serie

„Natürlich gärtnern“ heißt die neue VielPfalz-Serie. Gesund und klimafit soll und muss der eigene Garten heute sein. Experten aus der Pfalz geben Tipps, wie der Ein- oder Umstieg zum naturnahen Gärtnern gelingt. Bereits erschienen: Gemüseanbau (2/2022).

Unsere Expertin: Dr. Hannah Loranger

Dr. Hannah Loranger ist promovierte Biologin. 2018 zog sie gemeinsam mit ihrem Mann, ebenfalls ein Doktor der Biologie, in das gemeinschaftliche Wohnprojekt „Alte Papierfabrik“ in Ebertsheim. In den ehemaligen Fabrikhallen befinden sich auch die Räume des Vereins „Ebertsheimer Bildungsinitiative (EBI)“, dessen Geschäftsführerin Hannah Loranger ist.

Der Verein ist eine Einrichtung für Kinder- und Erwachsenenbildung, der Menschen darin unterstützt, ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit zu leben. Auf Lorangers Initiative hin entstanden auf dem Gelände ein Waldgarten (Agroforst) mit essbaren Kräutern, Sträuchern und Bäumen sowie der Permakultur-Gemüsegarten. Es werden Führungen, Workshops und Vorträge angeboten. Beratungen zum Thema Permakultur bieten Hannah Loranger und ihr Mann auch als selbstständige Gartenplaner an.

Biologin Dr. Hannah Loranger. Foto: Loranger

„Kein Tier ist per se schädlich“

Auszug aus dem Interview in der VielPfalz-Ausgabe 3/2022:

Dr. Hannah Loranger: Viele Gärtner kennen das Problem der Schnecken. Es ist ganz hilfreich, den Zweck der Schnecken für den Garten zu kennen, um Verluste leichter hinnehmen zu können. Ganzheitlich betrachtet fungieren Schnecken als externes Verdauungssystem des Bodens, wenn der Boden selbst nicht genug Lebewesen hat, um die Biomasse zu verarbeiten. Schnecken bringen über ihre Ausscheidungen zudem Pilzsporen in den Boden und werten ihn damit auf.

Sie tun unserem Garten also eigentlich etwas Gutes. Wie gehen Sie dann mit den Schnecken um?

Es gibt Ansätze, um zu erreichen, dass es möglichst nicht der Salatkopf ist, der gefressen wird. Kurzfristig kann ich zum Beispiel Barrieren errichten und Wege mit Sägespänen auslegen. Das ist für die Schnecken zumindest in trockenen Zeiten sehr unangenehm, darüber zu kriechen. Hier gibt es wahrscheinlich so viele verschiedene Tipps, wie es Gärtner gibt und man muss ein wenig experimentieren, was im eigenen Garten funktioniert.

Blattläuse. Foto: ayß
Blattläuse. Foto: ayß

Und was ist, wenn es einfach zu viele Schnecken sind?

Wenn sich der Befall nicht von allein reguliert, ist das ein Symptom eines Ungleichgewichts im Garten. Es ist eigentlich ein Impuls des natürlichen Systems, ein Gleichgewicht zu schaffen. Normalerweise kommen in der Entwicklung eines Ökosystems auf offenem Boden zunächst schnell wachsende, einjährige Pflanzen, diese ziehen Pflanzenfresser wie Schnecken und Läuse an – das ist dann der Stand vieler Gemüsebeete – und dann folgen die kleinen Räuber wie Florfliegen, Laufkäfer, Marienkäfer, Echsen und Vögel, deren Nahrung wiederum die Pflanzenfresser sind.

Welche Gründe kann es haben, dass die kleinen Räuber fernbleiben?

Unsere Gärten sind für die Räuber oft zu abgeschottet oder als Lebensraum unattraktiv. Letzterem kann man zum Beispiel mit Nistkästen für Meisen, Totholzhaufen im Schatten für Laufkäfer oder Steinhaufen für Echsen sowie Reisighaufen für Igel und Marienkäfer entgegenwirken. Auch ein paar wildwachsende Ecken sind sehr hilfreich für einen vielfältigen Lebensraum.

Nützlinge in den Garten locken

Florfliege und Marienkäfer, vor allem ihre hungrigen Larven, sind als Blattlausvertilger gut bekannt. Damit sie in der Gartensaison im Einsatz sein können, brauchen sie jedoch einen Lebensraum mit Überwinterungsmöglichkeiten wie Laub- oder Steinehaufen sowie Blütenvielfalt für die erwachsene Florfliege, die sich ausschließlich von Nektar und Pollen ernährt.

Spitzmaus und Laufkäfer gehören ebenfalls zu den wichtigen kleinen Räubern, bei denen Schnecken, Drahtwürmer und andere Schädlingslarven auf dem Speiseplan stehen. Schon kleine Maßnahmen wie Tothholz- / Reisighaufen und ein Stückchen wilde Wiese helfen, damit sie sich im Garten wohl fühlen.

Unverzichtbar für gesunde Pflanzen ist ein lebendiger Boden! Durch Kultivierung von geeigneten Gehölzen in Beetnähe und die Bodenbedeckung mit kohlenstoffreichem Mulch (z.B. Stroh oder Holzhäcksel) können symbiotische und zersetzende Pilze gefördert werden, welche eine Schlüsselrolle beim Humusaufbau und der Nährstoffversorgung spielen. Hier gut zu erkennen, ist das feine weiße Pilzgeflecht, welches den Großteil des Pilzes ausmacht und eine enorme biologische Masse im Boden bilden kann.

Das Miteinander von Mensch & Natur

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen ist „Verrückt auf Morgen“. Zusammen mit VielPfalz bietet es einen Workshop zum Thema „Gartengleichgewicht und Pflanzenapotheke“.

UPDATE 11. Juli 2022: Die Veranstaltung fällt krankheitsbedingt leider aus!

Bei einem Morgenspaziergang Ende April startete in Burrweiler die Kampagne „Verrückt auf Morgen“, mit der die 18 deutschen Biosphärenreservate ihre Relevanz bekannt machen und ihre Mission voranbringen möchten, nämlich „für eine nachhaltige Zukunft auf unserem Planeten einzustehen“. Ein Mitmachwettbewerb für Schülerinnen und Schüler, eine Roadshow durch ganz Deutschland mit mehr als 60 Veranstaltungen und viele Online-Aktivitäten begleiten die Kampagne.

„Gärten für die Artenvielfalt"

„Biosphärenreservate sind Modellregionen, in denen das Zusammenleben von Mensch und Natur nachhaltig erprobt wird“, sagt Micaela Mayer. Sie leitete das deutsch-französische Projekt „Gärten für die Artenvielfalt – Jardiner pour la biodiversité“ des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Das ist eines von drei Projekten, das auf der Webseite verrueckt-auf-morgen.de präsentiert wird. Bundesweit standen mehr als 270 zur Auswahl. Zum Projekt gehörte auch der gleichnamige Gartenwettbewerb „Gärten für die Artenvielfalt“, der zwischen 2017 und 2021 insgesamt 50 Gewinnerinnen und Gewinner hervorbrachte. Ziel war es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie im eigenen Garten Artenvielfalt gefördert werden kann.


Vielfalt auf der Wildkräuterwiese. Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald

Für einen klimaresistenten Garten

„Jeder Beitrag zählt“, sagt Mayer und fügt hinzu: „Schon auf kleiner Fläche ist es sinnvoll, der Natur einen Platz einzuräumen. Studien zeigen, dass bereits vier Quadratmeter Wildwiese als sogenanntes Trittsteinbiotop die einheimische Flora und Fauna unterstützen.“ Die Vielfalt über dem Boden, also robuste, abwechslungsreiche Pflanzen, tun zudem dem Boden etwas Gutes. „Der Boden spielt eine zentrale Rolle, wenn wir über klimaresistente Gärten sprechen. Ein Boden, der funktioniert, kann Wasser speichern und den Pflanzen auf natürliche Weise Nährstoffe zuführen.“ Die standortgerechte Bepflanzung sowie die Bewässerungsart waren auch zwei Kriterien des Gartenwettbewerbs. Zu einer nachhaltigen, für manche vielleicht neuen Gartenkultur gehört laut Mayer auch, das Begleitgrün zu akzeptieren, die Ästhetik der vermeintlichen „Unkräuter“ anzunehmen und im Einklang mit der Natur im Garten zu arbeiten.

Natürlich gärtnern in der VielPfalz

Wie bauen Gärtnerinnen und Gärtner langfristig ein gesundes Ökosystem im Garten auf, in dem sich Schädlingsbefall und Krankheiten (fast) von selbst regulieren? Und welche biologischen Möglichkeiten gibt es, die kurzfristig bei enormen Schädlingsdruck helfen?

Lesen Sie das komplette Interview in der neuen VielPfalz-Ausgabe.

VielPfalz empfiehlt

Anzeigen