Natürlich gärtnern in der Pfalz

„Natürlich gärtnern“ heißt die neue VielPfalz-Serie, die mit dieser Ausgabe startet. Natürlich, weil Gärtnern über Generationen hinweg einen Aufschwung erlebt – nicht erst, aber verstärkt, durch die Pandemie. Natürlich auch deshalb, weil der Weg zum Gartenglück für viele heute ein anderer ist als noch vor 20 Jahren. Gesund und klimafit soll der Garten sein. Experten aus der Pfalz geben in dieser Serie Tipps, wie der Ein- oder Umstieg zum naturnahen Gärtnern gelingt. Los geht es mit dem Gemüsegarten.


Unsere Experten: Die Gemüsehelden aus Dierbach

Melanie und Sven Hildebrand sind die Gemüsehelden aus dem südpfälzischen Dierbach. Ihr ökologischer Experimentalgarten ist 1200 Quadratmeter groß. Dort erfahren Teilnehmer in Workshops zum Beispiel, wie man (Hügel-)Beete nachhaltig und naturnah plant bzw. anlegt, wie man in die Selbstversorgung startet oder Gemüse haltbar macht. In den Ferien gibt es außerdem „Ackerdemien“ für Kinder ab sechs Jahren. „Wir möchten den Gedanken der Selbstversorgung weitertragen. Wie weit die Selbstversorgung dabei geht, definiert jeder für sich“, erklärt Sven Hildebrand. „Wühl dich glücklich“ ist ein Leitsatz der Gemüsehelden, die auch individuelle Gartenberatung und Planung eines naturnahen Gartens bei Hobbygärtnern vor Ort anbieten.

Das richtige Saatgut

Liebe Gemüsehelden, wo sollte ich als naturnaher Gärtner denn meine Samen kaufen?

Sven: Es spricht erstmal nichts dagegen, seine Samen oder Pflanzen im Baumarkt zu kaufen. Das Einzige, worauf man achten sollte, ist dass man keine Hybridsamen, sondern samenfestes Bio-Saatgut nimmt. Hybride erkennt man an der Kennzeichnung F1-Hybrid. Diese Pflanzen sind zwar oft resistenter gegen Krankheiten oder bringen einen höheren Ertrag, ihre Samen eignen sich aber nicht zur Fortpflanzung. Also, man kann aus den Samen keine neuen Pflanzen für das nächste Jahr ziehen. Saatgut ist ein sehr politisches Thema. Industrielles Saatgut macht nicht nur Gärtner und Landwirte abhängig, es schadet auch dem Saatenerhalt und der Artenvielfalt. Viele Hobbygärtner machen auch hier eine Entwicklung durch. Zuerst holt man seine Samen oder Pflanzen im Bau- und Gartenmarkt, dann deckt man sich auf einem Jungpflanzenmarkt ein und nach ein paar Jahren geht es in die Selbstzucht über.

Melanie: Um noch einen konkreten Tipp zu geben, wir bestellen unser Saatgut bei den ökologischen Saatgutlieferanten Bingenheimer, Dreschflegel und Arche Noah. Mit Gartenfreunden sich austauschen ist auch eine gute Möglichkeit, um an regionales Saatgut zukommen.

Was sollte beim Aussäen im April oder Mai beachtet werden?

Sven: Für die Anzucht ist es aus ökologischen Gesichtspunkten ratsam, torffreie Erde zu verwenden. Bei der Aussaat direkt ins Beet schiebt man die Mulchschicht zum Einsäen kurz auf die Seite und bedeckt den Boden anschließend gleich wieder. So sind auch die Saatreihen direkt wieder vor Austrocknung geschützt. Die Aussaat für Fruchtgemüse wie Paprika, Aubergine, Physalis, etc. ist ab April zu spät. Da muss man dann schauen, was es in den Gartenmärkten für Sorten gibt und sich dort beraten lassen.

Aussaat-Tipps für April und Mai

Tipps von den Gemüsehelden Melanie und Sven Hildebrand, was im April und Mai ausgesät werden kann und Vielfalt in den Garten bringt. Bei einzelnen Sorten gibt es die Empfehlung nur für April oder nur für Mai.

DIREKTSAAT

Die nachfolgenden Sorten können im April und Mai direkt ausgesät werden:

Radieschen De Dix-Huit-Jours (2farbig weiß/pink, länglich, 18 Tage von der Aussaat bis zur Ernte)

• Rettich Ostergruss rosa 2 (zarter Sommerrettich, rote Haut)

• Mairübchen Golden Ball

• Wurzelpetersilie Halblange (toleriert leichten Frost, als Gemüse oder Suppengewürz geeignet)

• Karotte Purple Dragon (violett-purpurne Schalenfarbe)

• Schwarzwurzel Hoffmanns Schwarze Pfahl

• Markerbse Blauwshokker

• Zuckererbse Graue Buntblühende

• Lauchzwiebel Lange Rote und Lange Weiße (kann bis in den Winter wie Frühlingszwiebel verarbeitet werden)

Die nachfolgenden Sorten können im Mai direkt ausgesät werden:

• Roter Popp-Mais Erdbeermais

• Gelber Zuckermais Golden Bantam

VORZIEHEN

Die nachfolgenden Sorten können im April vorgezogen werden:

Mexikanisches Zwerg-Gürkchen (Snack-Gurke 2-3cm)

Gurke Fatum Typ Riesen Schäl (zur Herstellung von Senfgurken geeignet)

Gurke Vyaznikovsky (kältetolerant, Freilandgurke)

Wintermelone Piel de Sapo (lagerfähig bis Jahresende)

Moschuskürbis Napolitaner (rankend, Schale essbar, gut lagerfähig)

Neuseeländer Spinat (höher als der übliche Spinat, Blätter abzupfen zum Ernten)

Spargelsalat Chinesische Keule (Adelikates spargelähnliches Gemüse)

Die nachfolgenden Sorten können im April und Mai vorgezogen werden:

Zucchini Zuboda (grün)

Zucchini Gold Rush (gelb)

Kürbis Green Hokkaido (orangenes Fleisch, maronenartig-nussiger Geschmack)

Knollenfenchel Fino (schnellwachsen, speziell für den Frühjahrsanbau)

Rote Bete Erfurter lange rote Dunkellaubige (sehr alte Sorte)

Rote Bete Tonda di Chioggia (rot-weiß geringelt im Querschnitt)

Römersalat Forellenschluß (bewährte Sorte aus Österreich, sieht hübsch aus und hat so rosa Sprenkel/Tupfen auf den Blättern)

Natürlich gärtnern in der VielPfalz

Was versteht man unter Mischkultur? Warum ist mulchen so wichtig? Wie gelingt der Humusaufbau im Boden? Wieso sollten Hobbygärtner auf die Vier-Felder-Wirtschaft setzen? Diese und viele weitere Fragen beantworten unsere Experten im ersten Teil der neuen VielPfalz Serie "Natürlich gärtnern".

Sie möchten Ihren Garten auch klimafit machen? Dann holen Sie sich Anregungen für die Praxis. Jetzt die neue Ausgabe im VielPfalz-Onlineshop kaufen und das komplette Interview lesen.

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