Kleine Brauereien in der Pfalz – aus Liebe zum Bier

Hopfen und Malz verloren? Nein! Pfälzer Kleinstbrauer sorgen für Vielfalt und behaupten sich in der (Corona-bedingten) Bierkrise. Sie legen enorm viel Wert auf Geschmack und Handwerkskunst. Sie brauen Bier für ihr Dorf, ihre Stadt, ihre Region. Sie nutzen die unzähligen Möglichkeiten des Reinheitsgebots und sind darüber hinaus kreativ. Mit dem Begriff „Craftbier“ tun sie sich allerdings schwer.


Die Zahl der Brauereien steigt

Mit mehr als 1500 gewerblich betriebenen Braustätten gibt es deutschlandweit so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Grund: Die Anzahl an Gasthaus- und Kleinstbrauereien nimmt zu. Sie brauen Bier abseits des industriellen Einheitsgebrodels. Diese Neugründungen haben in fast allen Bundesländern die Zahl der Schließungen überkompensiert. So zählte das statistische Bundesamt im Jahr 1995 für Rheinland-Pfalz 37 Brauereien. 25 Jahre später sind es doppelt so viele. Selbst im Corona-Jahr kamen in der Pfalz Mikrobrauereien dazu.

Die Sieben der Pfalz

Aktuell sind sieben Kleinstbrauereien in der Pfalz am Markt die alle weit unter 1000 Hektoliter Bier im Jahr produzieren. Alle werden im Nebenerwerb, oder im Falle vom Landauer BierProjekt, als Genossenschaft betrieben. Am Braukessel stehen Pfälzer, die ihr Hobby auf professionelle Beine gestellt haben. Alle treibt das Gleiche an: „Ein ehrlich hergestelltes, leckeres, regionales Bier anzubieten“, wie es Valentin Leibig formuliert. Er ist einer der Gründer der Speyerer Black Stork Braumanufaktur, die seit 2020 offiziell agiert.

Bier ist Genuss. Bier ist Vielfalt. Foto: Pixabay

Die gesamte Geschichte über Pfälzer Craftbier gibt es exklusiv im Print-Magazin zu lesen - die neue VielPfalz-Ausgabe ist im Handel und online in unserem Shop erhältlich.

Darum geht es:

• Was ist Pfälzer Craftbier?

• Die unzähligen Möglichkeiten des Reinheitsgebots

• Brauen und Gründen in der Pandemie

• Steckbriefe der Betriebe

Online-Bonus 1: Alkoholfreie Craftbiere?


Wie der Deutsche Brauer-Bund mitteilt, habe keine andere Sorte in den letzten zehn Jahren so stark zugelegt wie alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke. Deutschlands Brauereien verkauften 2020 der Gastronomie – trotz Lockdowns –mehr als 660 Millionen Liter alkoholfreies Bier und Malztrunk. Alkoholfreie Biere konnten sich in der Corona-Krise besser behaupten als alle alkoholhaltigen Sorten.

„Die Deutschen ernähren sich bewusster, die Popularität von alkoholfreiem Bier nimmt zu“, bestätigt Martin Flörchinger von der Holystoner Brauwerkstatt. Alle Pfälzer Kleinbrauereien halten alkoholfreie „Craftbiere“ für ein spannendes Thema, das sie zu gerne angehen würden. Natürlich mit dem Anreiz, es richtig lecker zu machen.

Allerdings sind ihnen technologisch Grenzen gesetzt, da alkoholfreie Biere sehr aufwendig sind, zu produzieren. „Man erhält alkoholfreies Bier zum Beispiel indem man das Bier durch einen Kurzzeiterhitzer schickt, der die Hefe abtötet und dadurch den Gärprozess unterbricht“, erklärt Martin Flörchinger.

Filtration ist eine andere Möglichkeit. Das seien alles sehr chemisch-physikalische Methoden, die in der Verfahrenstechnik angesiedelt sind. Diese ist mit entsprechendem Equipment verbunden und für kleine Brauereien sehr kosten- und ressourcenintensiv.

Die Produktionsweise entspreche auch nicht dem Craftbier-Gedanken von frischem, aromaintensivem Bier, in dem alle Geschmacksträger drinbleiben. Nur durch einen guten Hopfen lässt sich der Verlust nicht ausgleichen. Dadurch ist die Herstellung alkoholfreier Biere noch fast zu 100 Prozent in der Hand größerer Brauereien. [ayß]

Online-Bonus 2: Kommentar Craftbier


Bier ist wie Babybrei

Bitte, was? Ja, von großen Braukonzernen industriell hergestelltes Bier ist für Erwachsene wie Brei aus dem Gläschen für Babys. Qualitativ ist beides nicht zu beanstanden. Bier- und Babybreiproduzenten unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben in puncto Inhaltstoffe und Hygiene.

Beim Bier werden ausschließlich natürliche Zutaten verwendet, bei guten Babybreien ebenso. Sie machen satt, zufrieden und sind günstig überall zu haben. 1 Liter Pils von einer guten Standard-Biermarke kostet im Schnitt so viel, wie ein Gläschen Bio-Brei mit Karotte, Reis und Wildlachs – nämlich 1,50 Euro.

Warum mehr Geld ausgeben? Warum sich die Mühe machen, gezielt Bier einzukaufen oder selbst Brei zu kochen? Weil der Gaumen vor Ödnis eingeht! Weil sämtliche Sinneseindrücke ignoriert werden! Weil ich mir und meinem Kind zeige, dass Genuss- und Nahrungsmittel wertvoll sind. Weil ein Bier nach Speyer schmecken und ein Brei à la Mama zubereitet sein darf. Weil Essen und Trinken nur Leib und Seele zusammenhalten, wenn Spaß und Genuss dabei sind. Weil Vielfalt immer vor Einfalt steht. [ayß]

 

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