Happy Birthday, Scheurebe!

Vor 100 Jahren hat Georg Scheu eine neue Rebsorte gezüchtet. Aus dem Sämling 88 wurde die Scheurebe, wie die weiße Traube seit 1950 bezeichnet wird. Einst äußerst beliebt, gerät sie fast in Vergessenheit. Ihre starken Fruchtaromen sind nicht mit jedem Weintrend vereinbar.


Die Scheurebe ist die „Rebsorte des Jahres 2016“. Zwei Gründe sprechen dafür, dass die Pfalzweinwerbung diese weiße Rebsorte auserkoren hat: Vor genau 100 Jahren gelang Georg Scheu diese Neuzüchtung in der damaligen Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey. Zudem ist die Scheurebe aktuell wieder nachgefragt, erwacht mit dem zunehmenden Interesse an aromatischen Sorten wie aus einem Dornröschenschlaf. Was lange als Besonderheit einer treuen, aber überschaubaren Fangemeinde galt, wird nunmehr schon als deutsche Antwort auf den Sauvignon blanc gesehen, der die vergangenen Jahre wie kaum ein anderer die moderne Weinwelt bestimmt hat. 

 

Aufstieg mit "süßer Welle"

Georg Scheu hat für seine Züchtung Riesling mit einer unbekannten Wildrebe gekreuzt, was jedoch erst Ende der 1990er Jahre mittels einer DNA-Analyse herausgefunden worden war. Bis dahin nahm man an, dass Scheu Riesling und Silvaner gekreuzt habe. 1950 erhielt der Sämling 88, wie die Rebe anfangs benannt worden war, die Bezeichnung Scheurebe, 1956 wurde diese in die Sortenliste eingetragen. Bis sich die Scheurebe bei Winzern wie Weinfreunden durchsetzte, dauerte es einige Jahre. Doch dann boomte der Anbau regelrecht, gerade die Dessertweine aus Scheurebe-Trauben passten wunderbar in die „süße Welle“ der 1970er Jahre. So steil die Beliebtheitskurve während dieser Zeit nach oben ging, so schnell verschwand die Traube auch wieder aus den Pfälzer Weinbergen. Trockene Weine waren auf einmal angesagt, da passte ein intensives Aroma von Pfirsich, Cassis und reifen Birnen nicht dazu.

Anbaufläche stark geschrumpft

In der Pfalz sind aktuell 350 Hektar mit Scheurebe bestockt, die sich zu gleichen Teilen auf die beiden Bereiche Mittelhaardt und Südliche Weinstraße verteilen. Diese Fläche entspricht rund einem Viertel der gesamten Scheurebe-Fläche in Deutschland. Zum Vergleich: Während der Hochphase der Rebsorte nahm die Scheurebe etwa viermal so viel Anbaufläche ein.

 

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Die Scheurebe zählt neben dem Müller-Thurgau zur wichtigsten deutschen Neuzüchtung. Sie stellt an den Standort fast so große Ansprüche wie ihr Vater Riesling und reift auch fast so spät wie dieser. Je nach Anbaustil entwickelt die Scheurebe jedoch viele Gesichter: Sie wird in der Regel als Prädikatswein ausgebaut, sie eignet sich gut für trockene oder halbtrockene Spätlesen. Beliebt sind besonders edelsüße Auslesen oder Eisweine, vereinzelt wird die Traube aber auch für Sekt verwendet. Während ein Sauvignon blanc durchaus an grüne Paprika, Stachelbeere oder Kaktus erinnern kann, riecht man bei der Scheurebe deutlicher die Vielzahl von Obstaromen wie schwarze Johannisbeere, Pfirsich, Birne, Grapefruit, Mango, Maracuja, Kiwi und Ananas. Bei gereien edelsüßen Weinen kommt ein intensiver Rosenduft hinzu. (red)

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