So gesund kann Genuss sein

Auf den richtigen Mix kommt es an: Die richtigen Lebensmittel und der achtsame, bewusste Umgang mit ihnen machen eine gesunde und gleichzeitig genussvolle Ernährung möglich. Die Titelgeschichte dieser VielPfalz-Ausgabe beleuchtet "Gesunden Genuss" aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln mit vielen Anregungen zum Nachahmen.


Foto: view – die agentur
Foto: view – die agentur

Gesunder Genuss – die Expertenmeinungen

Für Mediziner, Wissenschaftler und Ernährungsexperten sind Gesundheit und Genuss in der Pfalz kein Widerspruch – im Gegenteil. Die Basis für beides schafft allerdings nur, wer sich ganzjährig sinnvoll ernährt. Dafür gibt es aber keine einfachen Rezepte, denn gesunder Genuss braucht viele Zutaten:

die richtigen Lebensmittel, deren nachhaltige Erzeugung und Zubereitung,

eine stilvolle Umgebung, gemeinsame Tischrunden, das Vermeiden von Hektik,

ausreichend Bewegung und Schlaf.

Auch in der Pfalz, wo es alle Zutaten für Genuss in Hülle und Fülle gibt, wissen ihn viele nicht mehr wirklich wertzuschätzen. Wir haben uns deshalb für Sie auf den Weg gemacht, um zu untersuchen, was schiefläuft in unserem Schlaraffenland der Selbstverständlichkeit, wo es jederzeit und überall Essen und Trinken im Überfluss gibt.

Die komplette Titelgeschichte von Geschäftsführer und Redakteur Michael Dostal „Schlaraffenland Pfalz – So gesund kann Genuss sein“ gibt es ausschließlich in der der VielPfalz zu lesen.

Die VielPfalz-Ausgabe: Dezember-Januar 2019/2020

Gesund genießen am Familientisch

Ein Auszug aus dem begleitenden Beitrag zur Titel-Geschichte:

Breischlachten, Wutanfälle, Dauer-Nörgler, Pommes bis zum Abwinken: Das gemeinsame Essen am Familientisch ist für viele Erwachsene eine Horrorvorstellung. Oder zumindest definitiv kein Genuss. Gesund auch eher selten. Experten geben Tipps, wie sich das einfach ändern lässt und warum gesund genießen so bedeutend für Kinder, Eltern und die Gesellschaft ist.

Der Rheinland-Pfälzische Verein "Die LeckerEntdecker" und seine Partner  führen Kinder spielerisch an eine gesunde Ernährung heran. Hier zu sehen sind Grundschulkinder beim Gemüseschnippeln im Wasgau-Supermarkt. Foto: Wasgau AG
Der Rheinland-Pfälzische Verein "Die LeckerEntdecker" und seine Partner führen Kinder spielerisch an eine gesunde Ernährung heran. Hier zu sehen sind Grundschulkinder beim Gemüseschnippeln im Wasgau-Supermarkt. Foto: Wasgau AG

Die Sicht der Ernährungsberaterin:

Marlein Stasche ist zertifizierte Ernährungsberaterin in Kaiserslautern. Unter dem Pseudonym Anne Iburg schreibt sie seit 20 Jahren Bücher über aktuelle ernährungswissenschaftliche Themen. Darunter „Die besten Rezepte für Ihr Kleinkind“. Darin erklärt sie alltagsnah das Abenteuer Essenlernen und liefert einfache Rezepte für die ganze Familie.

Frau Stasche, Sie betonen, dass Kinder ab einem Jahr fast alles essen dürfen und mehr mögen als Erwachsene denken. Warum ist das zweite Lebensjahr in Sachen Ernährung so wichtig?

Mit dem zweiten Lebensjahr beginnt das Essen am Familientisch. Das heißt, die Breiphase geht zu Ende und das Kind möchte und kann jetzt essen wie die Großen. Diese Zeit ist bezogen auf die Geschmacksentwicklung von großer Bedeutung, weshalb Eltern dem Kind so viele unterschiedliche Geschmackserlebnissen bieten sollten, wie möglich. Denn Kinder, die in diesem Alter einseitige Kost erfahren, deren Geschmacksbild ist auch im späteren Leben vermutlich begrenzt.

Dem Kind muss dabei keineswegs alles schmecken, aber von jedem sollte ein Löffel probiert werden. Das Familienessen ist ein großer Abenteuerspielplatz. Denn alles, was für uns selbstverständlich ist, ist für das Kleinkind Neuland. Auch haptische und optische Eindrücke gehören dazu. Natürlich brauchen Eltern viel Geduld bei der Übergangsphase. Aber Kinder sind neugierig, lernen spielerisch und können schon wahre Genießer sein.

Marlein Stasche, Ernährungsberaterin aus Kaiserslautern

Kinder orientieren sich beim Essen zunächst an ihren Eltern. Wie können Eltern dieser Vorbildfunktion gerecht werden?

Zunächst sollten Eltern das eigene Essverhalten reflektieren – am besten vor Geburt des Kindes, denn Gewohnheiten abzulegen, das braucht seine Zeit. Wer sein Kind gesund ernähren möchte, sollte sich selbst einigermaßen gesund ernähren. Was gesund bedeutet, ist sehr abstrakt und radikale Veränderungen sind oft nicht nachhaltig. Lieber in kleinen Schritten zu einem gesunden Lebensstil. Jeder sollte für sich einen Ernährungsweg finden, der Spaß macht, mit dem man zufrieden ist. Wenn ich einen Weg nicht als meinen annehmen kann, dann halte ich es auch nicht durch und breche aus diesem Zwang wieder aus.

Wenn ich meinem Kind nicht glaubhaft vermitteln kann, dass Vollkornbrot essen etwas ganz Normales ist, wird sich das Kind nicht dafür begeistern. Schon die Kleinsten sind so intelligent und merken, wenn sie anderes Essen haben oder ihre Eltern heimlich ein Nutella-Brot essen. Dann wird das für sie noch interessanter. Wichtig für eine gesunde Ernährung und spannende Familienkost ist auch, die eigene Kochkompetenz zu steigern. Fertigprodukte schmecken und sehen immer gleich aus. Das ist der größte Unterschied zu Selbstgekochtem.

Die Sicht der Ärztin:

Dr. med. Gabriele von der Weiden arbeitet bei der Kreisverwaltung Mainz-Bingen in der Abteilung Gesundheitswesen und ist dort im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst eingesetzt. Zudem ist sie Vorsitzende des Rheinland-Pfalz-weiten Vereins „Die LeckerEntdecker“, dem sich viele Pfälzer Firmen angeschlossen haben. Er entstand 2014 aus einem von der „Initiative Gesundheitswirtschaft“ des Landes Rheinland-Pfalz geförderten Projekt zur gesundheitsbewussten Ernährung von Kindern.

Frau Dr. von der Weiden, Sie kamen als Medizinerin zur Initiative „Die LeckerEntdecker“. Was ist das Besondere an diesem Gesundheitsprojekt?

Die individuelle Ernährung ist einer der wichtigsten Bausteine für die Gesundheit eines Menschen. Mit den „LeckerEntdeckern“ setzen wir bewusst relativ früh im Grundschulalter mit der Ernährungsbildung an, da es hier noch leichter ist, Kinder in ihrem Verhalten zu prägen und zu ändern. Das ist in vielen Fällen auch unbedingt nötig.

Dr. Gabriele von der Weiden, Ärztin und Vorsitzende des Vereins "Die LeckerEntdecker". Foto: Techniker Krankenkasse

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland des Robert-Koch-Instituts hat zwar der Konsum von Obst und Gemüse innerhalb von zehn Jahren zugenommen. Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen stagniert allerdings auf einem hohen Niveau. Wenn eine gesunde Ernährungsweise mit Spaß und Genuss vermittelt wird, öffnet dies Türen für solche schwierigen gesellschaftlichen Probleme.

Wie gehen Sie dabei vor?

Bei allen Projekten dürfen die Kinder selbst forschen, handanlegen und entdecken. Reine Informationsvermittlung würde zu keiner Verhaltensänderung führen. Klar, gehört bei den Erlebnistagen in den Schulen trotzdem Theorie in Form von der Ernährungspyramide dazu. Im Supermarkt dürfen die Kinder diese dann mit echten Lebensmitteln nachbauen und bekommen eine Marktführung, bei der sie den Weg des Lebensmittels vom Lastwagen am Lagereingang über das Kühlhaus bis zum Regal verfolgen können. Anschließend merken sie beim gemeinsamen Obstsalat-Schnippeln, wie lecker frische Zutaten sind. Unser Anspruch ist, dass die Kinder die Begeisterung dieses Tages mit in ihre Familien tragen.

3 Tipps, wie das Familienessen zum Genuss wird

1. Die Familienmitglieder sollten ein Zeitfenster festlegen, wann alle gemeinsam am Familientisch essen, zum Beispiel abends. Das kann dann um eine Stunde variieren, aber es sollte an dem Plan festgehalten werden. Es geht dabei nicht nur um die Nahrungsaufnahmen, sondern um das Zusammengehörigkeitsgefühl „Wir sind eine Familie“, um Geborgenheit, um Sicherheit. Das merken schon die Allerkleinsten.

2. Der Medienkonsum sollte beim Essen deshalb unbedingt auf null gesetzt werden. Das heißt, kein Fernseher, keine Zeitung, kein, Buch, kein Handy, kein Radio.

3. Der respektvolle Umgang am Tisch ist außerdem ganz wichtig. Angefangen bei dem Aufgetischten. Es sollte für jeden etwas dabei sein, das er/sie mag. Alle sind gleichberechtigt und dürfen die Chance nutzen zu erzählen. Es sollten aber keine Problemthemen angesprochen werden. Für schlechte Noten zum Beispiel findet sich ein anderer Rahmen. Rituale passen auch zu einem gemeinsamen Genusserlebnis. Ein Spruch am Anfang oder das gemeinsame Aufstehen am Ende. Die Esskultur einer Familie ist Nahrung für die Seele. (Marlein Stasche)

Worauf es aus Sicht des Lebensmitteleinzelhandels und der Landwirtschaft bei der gesunden Familienernährung ankommt und welche Projekte in der Pfalz dafür realisiert werden, steht in der aktuellen VielPfalz-Ausgabe 6/2019.

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