Esskastanien heißen hier Keschde

Wo's Keschde gibt, gibt's auch Woi – besagt ein Pfälzer Sprichwort. Mag daran liegen, dass Keschde, zu hochdeutsch Esskastanien, immer dann reif werden, wenn es auch den ersten neuen Wein gibt. Längst ist das nicht mehr die einzige kulinarische Paarung. Die Keschde werden in der Pfalz vielfältig verarbeitet, angeboten und gefeiert. Auch einen Wanderweg gibt es, der durch die hiesigen Kastanienwälder führt.


Keschde in der Pfalz


Was sind Keschde?

Keschde, in Einzahl und Mehrzahl, nennen Pfälzer die Früchte der Edelkastanie. Ab Ende September bis Anfang Oktober rücken sie in den kulinarischen Fokus in der Vorderpfalz. Es werden Keschde-Feste gefeiert, Führungen angeboten und allerlei Schmackhaftes aus den Esskastanien kredenzt und in dieser Zeit mit auf die Speisekarten vieler Cafés, Weinstuben und Restaurants genommen. Außerdem ziehen Wanderer mit Tragetaschen bestückt los, um selbst auf dem Keschdeweg oder auch an der nördlichen Haardt die Esskastanien zu sammeln.

Die Edelkastanie

Die Bäume, die als sehr anpassungsfähig gelten und mildes Klima mögen, brachten einst die Römer mit in die Pfalz. Die Edelkastanien oder Esskastanien bilden vor allem im Süden der Genussregion den Übergang von der Weinlandschaft der Rheinebne zu den Wäldern des Biosphärenreservates Pfälzerwald. Dabei prägen die stattlichen Bäume das ganze Jahr die Landschaft der Haardt.

Im Juni stehen sie in der Blüte, die Imker und ihre Bienenvölker aus ganz Deutschland anlockt. Denn aus dem gesammelten Nektar entsteht ein zwar recht herber, aber einzigartiger Kastanienhonig. Im Sommer freuen sich Spaziergänger und Wanderer über die schattenspendenden Bäume und im Herbst, ja, da dreht sich eben alles um die Keschde.

Nicht nur die Blüten und die Frucht sind begehrt, auch das robuste Holz der Kastanie, welches wiederum im Winter geschlagen wird, ist gefragt für Holzbauten im Freien und in der Möbelindustrie. Es wird auch vermehrt zu Weinfässern weiterverarbeitet, da es dem Wein beim Ausbau eine besondere Note verleiht.

Zustand 2019

„Dieses Jahr war so ungewöhnlich trocken, dass selbst die Edelkastanie unter der Trockenheit leidet“, sagt Siegfried Weiter, Produktleiter beim Forstamt Haardt. Die Hitze sei für die wärmeliebenden Bäume wiederum kein Problem gewesen. Aktuell sehe man an den braunverfärbten Spitzen, dass die Edelkastanie das Wasser nicht mehr hochgenug bringen kann. Die Kastanienhaine am Haardtrand seien es gewohnt gewesen, auch in trockenen Jahren, gut mit Wasser versorgt zu sein – das hat sich 2019 mit seinen kaum vorhandenen Niederschlägen geändert.

Die Edelkastanie gilt als sehr anpassungsfähig und wärmeresistent, weshalb sie laut dem von Forschungsinstituten betriebenen Portal waldwissen.de auch in Deutschland das Potential als Zukunftsbaumart im Klimawandel hat. Gegen extreme Trockenheit sind ihr allerdings noch keine Wurzeln gewachsen.

In welchem Ausmaß die Edelkastanie in der Pfalz Schäden genommen hat, lässt sich erst im Folgejahr abschätzen: „Wenn wir in den Wintermonaten einen gleichmäßigen Regen haben, der den aktuellen Wassermangel ausgleicht, dann können sich die Bäume erholen“, erklärt Siegfried Weiter. „Bis dahin kann man nichts tun und hoffen, dass die Natur eine Lösung findet.“

Dies trifft noch mehr auf einen Schädling zu, welcher der Edelkastanie 2019 zusätzlich schwächt. „Die japanische Esskastanien-Gallwespe kam erst 2013 über die Alpen zu uns und hat die Bäume dieses Jahr ganz heftig befallen. Sie impft die Knospen, wodurch statt Blätter ein Knuppel entsteht, in dem die Wespeneier abgelegt werden, die Larven schlüpfen und die Wespe überwintert“, erklärt der Wald-Fachmann. Kleinere Blätter, weniger Blüten und kleinere Früchte können die Folgen sein. Ein bis zwei Jahre könne ein Baum so ein Befall durchstehen, danach werde es kritisch. Aktuell ist der Befall gut an den Kastanienbäumen am Friedensdenkmal in Edenkoben zu beobachten.

„Zum Glück ist eine Art der Schlupfwespe, die bereits in Italien als biologische Bekämpferin eingesetzt wird, von allein der japanischen Esskastanien-Gallwespe über die Alpen gefolgt. Wir hoffen, dass sich dadurch der Befall natürlich reguliert“, fügt Weiter hinzu.

Während in den vergangenen Jahren in der Pfalz schon Ende September die Keschde gesammelt wurden, verschiebt sich die Ernte 2019 in den Oktober. „Was ich bis jetzt gesehen habe, werden es im Vergleich zu Vorjahren keine riesigen Früchte. Aber alles, auch mengenmäßig, noch in Ordnung."

Keschde/Esskastanien zubereiten


Als Brot des Waldes galt die Esskastanie früher als Armenessen, wenn die Getreideernte schlecht und der Preis für Weizen zu hoch war. Heute erlebt die Keschde eine kulinarische Renaissance. Nicht nur gehört der Duft der gerösteten Maronen, eine Weiterzüchtung der Esskastanie, auf vielen Weihnachtsmärkten dazu, auch (Hobby-)Köche experimentieren mehr mit der Waldfrucht, um sie auf ein nächstes Genuss-Level zu heben.

Esskastanien können sowohl in der herzhaften Küche als auch in der Dessert-Werkstatt eine Haupt- oder Gastrolle übernehmen. Als sättigende Beilage werden sie gekocht oder geröstet gerne zu Fleischgerichten gereicht. Die Pfälzer lieben ihre Keschde in allen Varianten und sind sehr ideenreich, wo und wie man die Delikatesse darüber hinaus verarbeiten kann.

So werden auf der herzhaften Seite beispielsweise Kastaniensaumagen, Kastanienbratwurst, Kastaniennudeln samt Kastanienpesto, Kastaniensenf, Kastanienbrot oder Kastanienaufstriche offeriert. Auch in diversen Braten findet man Esskastanien als geschmacksgebende Füllung. Als süße Versuchung kommt die Keschde in Torten, Kuchen, Waffeln, Pralinen, Eis oder eben im Honig vor. Auch zu flüssigen Leckereien wie Kastanienbier, -likör, -kaffee, -essig oder -öl lässt sich die Edelkastanie verarbeiten.

Warum die Herbstfrucht so ein Alleskönner ist und welche Nährwerte sie auszeichnen, steht in der VielPfalz-Warenkunde:

E wie Esskastanie - Pfälzer Warenkunde

E wie Esskastanie - Pfälzer Warenkunde

Herbstzeit ist in der Pfalz Keschdezeit. Bei Spaziergängen entlang des Pfälzer Keschdewegs, der von...

Die beliebtesten Gerichte für den heimischen Herd sind geröstete und zu Suppe oder Püree verarbeitete Keschde. Pro Person rechnet man etwa 250 Gramm Esskastanien.

Zubereitung geröstete Esskastanien:

1. Ofen auf 200 Grad Umluft vorheizen.

2. Die Schale auf der gewölbten Seite kreuzförmig einritzen. 

3. Esskastanien mit der angeritzten Seite nach oben auf ein Backblech legen

4. Je nach Größe der Früchte zwischen 15 und 20 Minuten rösten. Wenn die Esskastanien gar sind, biegt sich die Schale deutlich nach außen.

5. Esskastanien schälen und auch die pelzige Haut entfernen, da nur das Fruchtfleisch ein Genuss ist. 

Zubereitung gekochte Esskastanien:

1. Die Schale der Früchte auf der gewölbten Seite kreuzförmig einritzen.

2. Salzwasser zum Kochen bringen und die Esskastanien darin rund 20 Minuten kochen.

3. Wasser abgießen und Kastanien kalt abschrecken. Im Anschluss direkt schälen und häuten.

Gekochte Keschde lassen sich hervorragend zu einer Suppe oder Püree weiterverarbeiten.

Pälzer Keschde-Cremesupp’

Pälzer Keschde-Cremesupp’

Helmut Warth ist promovierter Maschinenbau-Ingenieur und lebt in Ludwigshafen. Aufgrund seiner famil...

Übrigens: Esskastanien sind leicht verderblich. Nach dem Sammeln können frische Keschde noch etwa eine Woche bei Raumtemperatur gelagert werden, bevor man sie verarbeiten sollte, da sie sonst keimen und ihr Aroma verlieren. Eine andere Möglichkeit ist, die Keschde wenige Minuten zu blanchieren, zu schälen und einzufrieren.

Mehr Rezepte gibt es bei den Kollegen des Vereins Südliche Weinstraße.

Pfälzer Keschdeweg – Keschde sammeln


Foto: Axel Brachat, Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.

Der Pfälzer Keschdeweg ist rund 60 Kilometer lang und führt von Hauenstein im Süden, über Annweiler, Landau-Land, Edenkoben und Maikammer bis nach Neustadt an der Weinstraße.

Wer durch die herbstlich gefärbten Kastanienwälder schlendert, kann die Seele baumeln und den Blick über die Rheinebene schweifen lassen. Wobei dieser ist auch oft nach unten auf den Laubboden gerichtet ist. Denn dort liegen die reifen Keschde. Wer die Esskastanien sammelt, sollte maßvoll dabei vorgehen. Denn die Früchte sind auch für Waldtiere ein Genuss.

„Kastaniensammeln hat in der Pfalz Tradition. Es ist genug für alle da, wenn jeder nur das sammelt, was er auch wirklich verbraucht", sagt Siegfried Weiter vom Forstamt Haardt, der die Edelkastanien im Blick hat. Und: „Auch bei den Wildschweinen haben sich die Keschde als Delikatesse rumgesprochen. Sie kommen sogar aus dem Inneren des Waldes, um sich die Früchte schmecken zu lassen."

Hier eine Rundwanderung, die zur Keschdezeit besonders reizvoll ist:

Sonntagstour – Ausflugstipp Kastaniensammeln in Rhodt

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Veranstaltungen rund um die Esskastanie

Kastanienwanderung mit Lamas

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25.09.2019 11:00 - 30.10.2019 15:00

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Wein- und Kastanienmarkt in Edenkoben

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12.10.2019 11:00 - 13.10.2019 17:00

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Genusstour rund um die Esskastanie in Bad Bergzabern

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Kastanienmarkt Hauenstein

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20.10.2019 11:00 - 18:00

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