Esskastanien heißen hier Keschde

Wo's Keschde gibt, gibt's auch Woi – besagt ein Pfälzer Sprichwort. Mag daran liegen, dass Keschde, zu hochdeutsch Esskastanien, immer dann reif werden, wenn es auch den ersten neuen Wein gibt. Längst ist das nicht mehr die einzige kulinarische Paarung. Die Keschde werden in der Pfalz vielfältig verarbeitet und angeboten. Auch einen Wanderweg gibt es, der durch die hiesigen Kastanienwälder führt.


Keschde in der Pfalz


Was sind Keschde?

Keschde, in Einzahl und Mehrzahl, nennen Pfälzer die Früchte der Edelkastanie. Ab Ende September bis Anfang November rücken sie in den kulinarischen Fokus in der Vorderpfalz. Es werden Keschde-Feste gefeiert, Führungen angeboten und allerlei Schmackhaftes aus den Esskastanien kredenzt und in dieser Zeit mit auf die Speisekarten vieler Cafés, Weinstuben und Restaurants genommen. Außerdem ziehen Wanderer mit Tragetaschen bestückt los, um selbst auf dem Keschdeweg oder auch an der nördlichen Haardt die Esskastanien zu sammeln.

Die Edelkastanie

Die Bäume, die als sehr anpassungsfähig gelten und mildes Klima mögen, brachten einst die Römer mit in die Pfalz. Die Edelkastanien oder Esskastanien bilden vor allem im Süden der Genussregion den Übergang von der Weinlandschaft der Rheinebne zu den Wäldern des Biosphärenreservates Pfälzerwald. Dabei prägen die stattlichen Bäume das ganze Jahr die Landschaft der Haardt.

Im Juni stehen sie in der Blüte, die Imker und ihre Bienenvölker aus ganz Deutschland anlockt. Denn aus dem gesammelten Nektar entsteht ein zwar recht herber, aber einzigartiger Kastanienhonig. Im Sommer freuen sich Spaziergänger und Wanderer über die schattenspendenden Bäume und im Herbst, ja, da dreht sich eben alles um die Keschde.

Nicht nur die Blüten und die Frucht sind begehrt, auch das robuste Holz der Kastanie, welches wiederum im Winter geschlagen wird, ist gefragt für Holzbauten im Freien und in der Möbelindustrie. Es wird auch vermehrt zu Weinfässern weiterverarbeitet, da es dem Wein beim Ausbau eine besondere Note verleiht.

Keschde/Esskastanien zubereiten


Als Brot des Waldes galt die Esskastanie früher als Armenessen, wenn die Getreideernte schlecht und der Preis für Weizen zu hoch war. Heute erlebt die Keschde eine kulinarische Renaissance. Nicht nur gehört der Duft der gerösteten Maronen, eine Weiterzüchtung der Esskastanie, auf vielen Weihnachtsmärkten dazu, auch (Hobby-)Köche experimentieren mehr mit der Waldfrucht, um sie auf ein nächstes Genuss-Level zu heben.

Esskastanien können sowohl in der herzhaften Küche als auch in der Dessert-Werkstatt eine Haupt- oder Gastrolle übernehmen. Als sättigende Beilage werden sie gekocht oder geröstet gerne zu Fleischgerichten gereicht. Die Pfälzer lieben ihre Keschde in allen Varianten und sind sehr ideenreich, wo und wie man die Delikatesse darüber hinaus verarbeiten kann.

So werden auf der herzhaften Seite beispielsweise Kastaniensaumagen, Kastanienbratwurst, Kastaniennudeln samt Kastanienpesto, Kastaniensenf, Kastanienbrot oder Kastanienaufstriche offeriert. Auch in diversen Braten findet man Esskastanien als geschmacksgebende Füllung. Als süße Versuchung kommt die Keschde in Torten, Kuchen, Waffeln, Pralinen, Eis oder eben im Honig vor. Auch zu flüssigen Leckereien wie Kastanienbier, -likör, -kaffee, -essig oder -öl lässt sich die Edelkastanie verarbeiten.

Warum die Herbstfrucht so ein Alleskönner ist und welche Nährwerte sie auszeichnen, steht in der VielPfalz-Warenkunde:

E wie Esskastanie - Pfälzer Warenkunde

E wie Esskastanie - Pfälzer Warenkunde

Herbstzeit ist in der Pfalz Keschdezeit. Bei Spaziergängen entlang des Pfälzer Keschdewegs, der von...

Die beliebtesten Gerichte für den heimischen Herd sind geröstete und zu Suppe oder Püree verarbeitete Keschde. Pro Person rechnet man etwa 250 Gramm Esskastanien.

Zubereitung geröstete Esskastanien:

1. Ofen auf 200 Grad Umluft vorheizen.

2. Die Schale auf der gewölbten Seite kreuzförmig einritzen. 

3. Esskastanien mit der angeritzten Seite nach oben auf ein Backblech legen

4. Je nach Größe der Früchte zwischen 15 und 20 Minuten rösten. Wenn die Esskastanien gar sind, biegt sich die Schale deutlich nach außen.

5. Esskastanien schälen und auch die pelzige Haut entfernen, da nur das Fruchtfleisch ein Genuss ist. 

Zubereitung gekochte Esskastanien:

1. Die Schale der Früchte auf der gewölbten Seite kreuzförmig einritzen.

2. Salzwasser zum Kochen bringen und die Esskastanien darin rund 20 Minuten kochen.

3. Wasser abgießen und Kastanien kalt abschrecken. Im Anschluss direkt schälen und häuten.

Gekochte Keschde lassen sich hervorragend zu einer Suppe oder Püree weiterverarbeiten.

Pälzer Keschde-Cremesupp’

Pälzer Keschde-Cremesupp’

Helmut Warth ist promovierter Maschinenbau-Ingenieur und lebt in Ludwigshafen. Aufgrund seiner famil...

Übrigens: Esskastanien sind leicht verderblich. Nach dem Sammeln können frische Keschde noch etwa eine Woche bei Raumtemperatur gelagert werden, bevor man sie verarbeiten sollte, da sie sonst keimen und ihr Aroma verlieren. Eine andere Möglichkeit ist, die Keschde wenige Minuten zu blanchieren, zu schälen und einzufrieren.

Mehr Rezepte gibt es beim Tourismusverein Südliche Weinstraße.

Pfälzer Keschdeweg – Keschde sammeln


Foto: Axel Brachat, Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.

Der Pfälzer Keschdeweg ist rund 60 Kilometer lang und führt von Hauenstein im Süden, über Annweiler, Landau-Land, Edenkoben und Maikammer bis nach Neustadt an der Weinstraße.

Wer durch die herbstlich gefärbten Kastanienwälder schlendert, kann die Seele baumeln und den Blick über die Rheinebene schweifen lassen. Wobei dieser ist auch oft nach unten auf den Laubboden gerichtet ist. Denn dort liegen die reifen Keschde. Wer die Esskastanien sammelt, sollte maßvoll dabei vorgehen. Denn die Früchte sind auch für Waldtiere ein Genuss.

„Kastaniensammeln hat in der Pfalz Tradition. Es ist genug für alle da, wenn jeder nur das sammelt, was er auch wirklich verbraucht", sagt Siegfried Weiter vom Forstamt Haardt, der die Edelkastanien im Blick hat. Und: „Auch bei den Wildschweinen haben sich die Keschde als Delikatesse rumgesprochen. Sie kommen sogar aus dem Inneren des Waldes, um sich die Früchte schmecken zu lassen."

Hier zwei Rundwanderungen, die zur Keschdezeit besonders reizvoll ist:

Sonntagstour – Ausflugstipp Kastaniensammeln in Rhodt

Sonntagstour – Ausflugstipp Kastaniensammeln in Rhodt

Spontan raus in die Natur, eine kleine Runde drehen, vielleicht schön einkehren – genau dafür sind u...

Der Keschde-Erlebnisweg


Foto: Dominik Ketz, Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.

Der Keschde-Erlebnisweg

Bei einer gemütlichen Familienwanderung mehr über Keschde erfahren und gleich ein paar von ihnen sammeln? Das ist seit Kurzem auf dem Keschde-Erlebnisweg rund um den Föhrlenberg zwischen Annweiler und Leinsweiler möglich. Der 6,1 Kilometer lange Rundweg, der den Pälzer Keschdeweg kreuzt, kann entweder an den Wanderparkplätzen Ahlmühle (hierhin fährt auch der ÖPNV) oder Slevogthof begonnen werden.

Ohne nennenswerte Steigung und auf breiten Forstwegen ist der Weg auch für Familien mit kleineren Kindern im (geländegängigen) Kinderwagen machbar. Laufmotivation für größere Kinder liefern die zwölf Stationen rund um die Keschde: Ein Kastanienbaumstamm-Mikado zum Klettern, eine Wippe, die das ökologische Gleichgewicht im Wald symbolisiert, oder Holzwürfel bedruckt mit „Freunden und Feinden“ der Esskastanie, die in die richtige Reihenfolge gebracht werden wollen, laden zum aktiven Mitmachen ein.

Tafeln entlang des Weges vermitteln ökologische und ökonomische Fakten rund um die Keschde, und natürlich kommt auch der kulinarische Aspekt nicht zu kurz: Scannt man mit dem Handy einen QR-Code auf einer der Tafeln, öffnet sich ein Video-Tutorial dazu, wie sich aus den unterwegs gesammelten Keschde eine leckere Suppe für das Abendessen machen lässt.

Wer möchte, kann sich vorab eine eigens entwickelte App aufs Handy herunterladen. Via App liefern die Keschdeprinzessin, der Forstamtsleiter aus Annweiler oder eine Gästeführerin spannendes Hintergrundwissen – beispielsweise, dass alle Stationen des Keschde-Erlebniswegs aus Kastanienholz hergestellt sind, da dieses besonders langlebig ist. [lmk]

Info: suedlicheweinstrasse.de/keschdeerlebnisweg

Die Keschdeburg

Wenn Pfälzer über die „Keschdeburg“ sprechen, meinen sie das berühmte Hambacher Schloss. Es thront am Hang hoch über Neustadt an der Weinstraße,  umgeben von unzähligen Edelkastanien. Doch nicht nur das macht das imposante Gebäude zur Keschdeburg. Tatsächlich hieß es viele Jahrhunderte lang „Kästenburg“. Im Auftrag der Speyerer Kirche auf den Resten einer Burg in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet, behielt es den Namen, bis es 1815 von einer Gruppe wohlhabender Neustadter Bürger ersteigert und umbenannt wurde. Bei einer thematischen Führung erfahren Besucher, was das Hambacher Schloss und die Edelkastanie miteinander verbindet, und welche Bedeutung beide für die gesamte Region haben. [lmk]

Info

Die Führung dauert rund 45 Minuten. Sie kostet 55 Euro Gebühr pro Gruppe (derzeit coronabedingt 15, normal bis zu 25 Personen), zzgl. Schlosseintritt von 4,50 Euro pro Person. Buchungsanfragen an: zeitreisen@hambacher-schloss.de

Foto: Pixabay

Wer bei uns ist, abonniert Genuss.

Wer sich geballtes Keschdewissen anlesen möchte, dem sei die Ausgabe 4/2021 der Vielpfalz empfohlen. Hier kommen die Keschdeprinzessin, Forstleute und Touristiker zu Wort.

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