E wie Esskastanie - Pfälzer Warenkunde

Herbstzeit ist in der Pfalz Keschdezeit. Bei Spaziergängen entlang des Pfälzer Keschdewegs, der von Hauenstein über Annweiler, Edenkoben und Maikammer bis nach Neustadt an der Weinstraße führt, sollte man jetzt wieder Ausschau halten nach den stacheligen grünen Früchten. Denn gekocht oder geröstet sind Esskastanien ein köstlicher Snack und passen hervorragend zu neuem Wein. Ernährungswissenschaftlerin Dr. Michaela Schlich verrät Interessantes zu dieser herbstlichen Leckerei im Interview.


Frau Dr. Schlich, ist die Kastanie eine Nuss oder eine Frucht?

Michaela Schlich: Kastanie als Oberbegriff bezieht sich auf den Baum Castanea aus der Familie der Buchengewächse. Dabei gibt es unterschiedliche Vertreter, die verschiedene Früchte ausbilden. Botanisch gesehen gehört die Edelkastanie, auch Esskastanie oder Marone genannt, zu den Achänen, einer Sonderform der Nussfrüchte. In ihrer Nährwertzusammensetzung ist sie jedoch nicht unbedingt zu vergleichen mit anderen echten Nüssen wie beispielsweise der Haselnuss. 

Hierzulande sind Rosskastanien und Esskastanien besonders verbreitet. Wo liegen denn die Unterschiede?

Edelkastanien und Rosskastanien sind aus botanischer Sicht nicht verwandt. Die Rosskastanie gehört zu den Seifengewächsen und die Früchte sind für den Menschen ungenießbar und sogar leicht giftig. Esskastanien hingegen galten in den Alpenregionen als sogenannte „Brotbäume“, weil sie dem Menschen alles Notwendige lieferten: Streu für den Stall, Futtermittel für das Nutzvieh, Holz für den Ofen und Früchte für das Brot. Maronen sind ebenfalls Esskastanien, sie bilden aufgrund spezieller Züchtungen jedoch größere Früchte aus.

 

Wie gesund sind Esskastanien?

Esskastanien haben im Vergleich zu anderen Nüssen mit 27 Gramm pro 100 Gramm einen relativ hohen Stärkegehalt. Allerdings weisen unsere eigentlichen Stärkelieferanten wie Getreide mit durchschnittlich 70 Gramm pro 100 Gramm höhere Werte auf. Gleichzeitig ist der Zuckergehalt (insbesondere Saccharose) der Kastanien mit bis zu 14 Gramm pro 100 Gramm relativ hoch. Deshalb ist Kastanienmehl nicht unbedingt ein guter Ersatz für Getreidemehl. Eine interessante Alternative kann es jedoch bei einer Glutenunverträglichkeit sein, denn Kastanien enthalten kein Gluten. Sie haben einen relativ hohen Gehalt an den Fettsäuren Linol- und Linolensäure, insgesamt aber einen sehr viel niedrigeren Gesamtfettgehalt als zum Beispiel Haselnüsse. Hoch ist mit 710 Milligramm pro 100 Gramm der Kaliumgehalt (Kaliumbedarf: 3500 Milligramm pro Tag). Bis auf einen recht hohen Gehalt an Vitamin C (27 Milligramm pro 100 Gramm) können sie bei den Vitaminen leider nicht punkten.

Was ist die beste Zubereitungsart aus ernährungsphysiologischer Sicht: kochen, rösten oder backen?

Frische Kastanien sind leicht verderblich und trocknen schnell aus. Zusätzlich werden sie oft von Schimmelpilzen und Insekten befallen. Daher gilt es, nach der Ernte direkt mit der Verarbeitung zu beginnen. Kastanien können gekocht und zu Püree verarbeitet werden, als ganze, geschälte Früchte zum Einsatz kommen oder eingelegt und kandiert werden. Saubere und einwandfreie Früchte können getrocknet und zu Mehl verarbeitet werden. Geröstete Kastanien finde ich persönlich sehr lecker. Auch zu einer süßen Maronencreme als Dessert würde ich nicht nein sagen.

 

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