Abschied beim größten Weinfest der Welt

Im Weindorf auf dem Dürkheimer Wurstmarkt gehören gute Tropfen und gutes Essen traditionell zusammen. Peter Döngi sorgt anno 2019 ein letztes Mal als Weindorf-Sprecher mit präziser Organisation dafür, dass dabei alles klappt. Eine Geschichte vom Wuma-Virus und seinen Langzeitfolgen.


Es war eine Infektion mit absoluter Langzeitwirkung: Peter Döngi, seit 2004 Sprecher des Weindorfes auf dem Dürkheimer Wurstmarkt, hat es im Jahr 1973 so richtig erwischt. Hinter der Saline arbeitete er seinerzeit bei einer parallel stattfindenden Schau für eine Landmaschinenfirma. Die Arbeit war das eine. Das andere der Wurstmarkt-Besuch am Abend – jeden Tag, versteht sich. Der Wuma-Virus ist geblieben und wird auch ohne offizielle Aufgabe weiter bleiben. „Ich freue mich schon darauf, das Weindorfzelt mal von der anderen Seite zu sehen“, sagt Döngi schmunzelnd.

Zunächst ist er aber noch ein letzte Mal als Lenker im Hintergrund gefordert. Döngi ist als Sprachrohr der zwölf Winzer und vier Gastronomen fürs Programm verantwortlich, etwa die beiden Jazzsonntage. Er stellt das Bindeglied zwischen Weindorf und Stadtverwaltung dar und kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nicht zuletzt sorgt er mit Protokollen von allen Zusammenkünften dafür, dass am Ende alle schwarz auf weiß haben, wer wann was zu tun hat. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich dies alles mal so lange mache“, wundert er sich selbst ein bisschen. Ausschlaggebend dafür sei neben dem Spaß an der Aufgabe gewesen, dass ihm die Winzer immer freie Hand gelassen hätten.

Döngi, 1953 in Düsseldorf geboren, kam im Alter von drei Jahren in die Pfalz. Eisenberg, Speyer, Gönnheim und seit 1992 Bad Dürkheim sind seine Stationen. Als Sänger, damals bei der Liedertafel Bad Dürkheim aktiv, wurde Döngi dort vom Winzer Karl Wegner sen. im Jahr 1999 mit der entscheidenden Frage konfrontiert: „Schubkarch-Stand oder Weindorf-Zelt?“ So kam das Weingut Wegner ins Weindorf und Döngi kümmert sich seitdem als „Zäpfler“ um den Ausschank. Dann habe ihn Egon Schmitt sen., bis 2004 erster Weindorf-Sprecher, mit dem Hinweis, er solle das Sprecheramt nun von ihm übernehmen, „quasi völlig überfahren“.

 

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Nach seinem Ja ging er – im ersten Jahr noch unterstützt von Egon Schmitt – ans Werk. Rückblickend auf 15 Jahre nennt Döngi eine einheitliche weiße Bestuhlung außerhalb der Zelte oder neue Zelteinmessungen als wichtige Entscheidungen. Nachdem aus ursprünglich elf Winzer zwölf wurden, war der zur Verfügung stehende Platz neu aufzuteilen. Seitdem ziehen zudem die Winzer Jahr für Jahr im Uhrzeigersinn einen Standort weiter. In der Mitte des Weindorfes wurde das Bühnenzelt neu platziert. „Fünf Jahre lang haben wir zwischen 2009 und 2014 dienstags mit den Gastronomen das kulinarische Weindorf gefeiert“, erinnert sich Döngi an die Zusammenarbeit mit den Köchen Uwe Krauß und Huges Daroman.

Heute ist das Weindorf so etabliert, dass keine zusätzlichen Events mehr nötig sind. Vier Gastronomiebetriebe sorgen in zwei Gastrozelten dafür, dass es ein breites Angebot an Speisen auf gehobenem Niveau gibt. Es reicht von mediterranen Leckereien bis zu Wildgerichten. Hier gibt es Kleinigkeiten zur Weinbegleitung genauso wie Gerichte zum Sattessen. Winzersekte und Weine, die im Weindorf bevorzugt als Achtel und Viertel ausgeschenkt werden, begleiten diese Speisen optimal. Überhaupt ist die Auswahl an Getränken in Weiß, Rosé, Rot oder Prickelnd auf dem Dürkheimer Wurstmarkt riesig.

Rund 300 Weine und Sekte, die alle aus Dürkheimer Lagen stammen und als Erzeuger- beziehungsweise Gutsabfüllung in Bad Dürkheim hergestellt sind, werden Jahr für Jahr ausgeschenkt. Zugelassen werden die Weine zudem nur, wenn sie über das Deutsche Weinsiegel, eine Auszeichnung der Deutschen-Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) oder eine Prämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz verfügen. Trotz des Namens des Wurstmarkts spielen also gute Tropfen die wichtigste Rolle beim größten Weinfest der Welt. Diese wird Peter Döngi nicht mehr ausschenken, denn er hört auch als „Zäpfler“ auf. „Die Nächte sind mir mittlerweile einfach zu lang“, erklärt er, warum er sich 2020 darauf freut, selbst wieder Wein im Weindorf zu genießen. Und parallel wird er für seine Nachfolge, die noch nicht feststeht, natürlich als Ratgeber zur Verfügung stehen. [dot]

Zahlen, Daten, Fakten

9 Tage feiern, 36 Schubkarchstände, 300 Weine & Sekte, 600 Jahre Tradition, rund 685.000 Besucher. Freitag bis Dienstag, 6. bis 10.9., Freitag bis Montag, 13. bis 16.9. duerkheimer-wurstmarkt.de, bad-duerkheim.com

Fotos: Stadt Bad Dürkheim

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