Bad Dürkheimer Wurstmarkt 2022

Nach zweijähriger Zwangspause rüstet sich Bad Dürkheim wieder für den Wurstmarkt. Für Weinprinzessin Lea Baßler wird es ein ganz besonderer. Nicht nur, weil die Schubkarchstände und das Weindorf endlich wieder öffnen. Ein Ausblick auf das größte Weinfest der Welt mit persönlicher Note. Außerdem: der Festplan mit allen Ständen und Eingängen.


Mit grenzenloser Euphorie


Von Michael Dostal

„Ja! Jeden Tag einfach ja!“ Wenn Lea Baßler an der digitalen Uhr am Wurstmarktkreisel vorbeikommt, freut sie sich, dass der Countdown läuft. Und dies, obwohl sie nach drei Jahren ihre Krone an die Nachfolgerin abgeben muss, was ihr „schon ein bisschen weh tut“. Für die amtierende Bad Dürkheimer Weinprinzessin ist das größte Weinfest der Welt aber vor allem ein Lebensgefühl. „Die unterschiedlichsten Menschen treffen sich und man geht völlig barrierefrei miteinander um. Man kommt hier einfach mit jedem ins Gespräch“, charakterisiert sie ihren „Wuma“, wie ihn die Dürkheimer liebevoll nennen. Endlich gilt die Bad Dürkheimer Zeitrechnung wieder, die sich schlicht an „vor“ oder „nach“ dem Wurstmarkt orientiert.

Stacheliger Störenfried

Diese Zeitrechnung hat ein kleiner stacheliger Störenfried völlig durcheinandergebracht. Eigentlich unvorstellbar, gleich zweimal nacheinander musste der Wurstmarkt in der Pandemie ausfallen. Für Lea Baßler hat damit der „Herzschlag von Bad Dürkheim“ gefehlt. Kein Wunder: Für die im April 2000 geborene Dürkheimerin folgte bereits im September ihres Geburtsjahres der erste „Wuma“, weil ihre Eltern sie selbstverständlich im Kinderwagen mitgenommen haben. Der Wurstmarkt ist seitdem für Lea eine Familientradition, die für sie mittlerweile schon mit dem Einsitzen am Donnerstag vor der offiziellen Eröffnung beginnt. „Es gibt bei uns in der Familie auch das sonntägliche Mittagessen im Weindorf oder den Vater-Tochter-Tag als Rituale“, erzählt die Weinprinzessin begeistert.

Der „halbe“ Wurstmarkt

Lea Baßler, die 2019 am ersten Wuma-Montag gekrönt wurde, erlebte dann mit dem zweiten Wochenende einen „halben“ Wurstmarkt als Weinrepräsentantin. „Doch das Highlight, die Eröffnung, fehlt mir bisher“, so die Weinprinzessin, die sich schon jetzt auf die zweite „Hälfte“ freut, die nun im September mit großer Verspätung folgt. „Für mich ist es ein Privileg, dass ich zwei Jahre länger die Krone tragen durfte“, betont sie und ist froh, dass sie in ihrer Amtszeit trotz Corona sehr präsent sein konnte. „Zum Beispiel beim Drehen der Videos war Mitgestalten gefragt“, sagt Lea, die etwa durch Projekte wie „Mein Lieblingswein des Jahrgangs 2020“ für eine eigene Note sorgte. „Ich wollte alle meine Weingüter sozusagen privat kennenlernen“, beschreibt sie den Hintergrund für ihre persönliche Weinreise durch die Betriebe.

Historisches Fest wird Kult

„Der Wurstmarkt ist Kultur und Tradition mit historischen Wurzeln. Und natürlich Kult“, sagt Lea Baßler. Ursprünglich war das Fest mit über 300 Weinen, das heute mehr als 600.000 Besucher an neun Tagen anzieht, als Michaelismarkt eine Art mittelalterliche Verbrauchermesse. Sie diente der Versorgung der Pilger am Patronatstag des Heiligen Michael rund um die gleichnamige Kapelle. Die erste urkundliche Erwähnung ist eine Rechnung über geliefertes Leder aus dem Jahr 1417. Der heutige Weinfestname geht wohl darauf zurück, dass der Michaelismarkt Anfang des 19. Jahrhunderts angesichts eines immensen Wurstverbrauchs im Volksmund immer häufiger Wurstmarkt genannt wurde.

Bad Dürkheims Weinprinzessin Lea Baßler.

Fester Eintrag im Kalender

Vor dem Hintergrund erklärt sich von selbst, dass sich in Bad Dürkheim im September fast jeder die Zeit im Kalender freihält. Dies war auch 2020 und 2021 so. Nicht zuletzt, weil man jedes Jahr lange hoffte, dass es doch einen Wurstmarkt geben würde. „Natürlich hat ein Stück gefehlt, wir haben es aber zum Beispiel mit einem Schubkärchler im Hof aufrecht erhalten“, beschreibt Lea Baßler, wie – nicht nur in ihrer Familie – aus der Not eine Tugend gemacht wurde. Alles war natürlich einige Nummern kleiner. Was denkt die Weinprinzessin also über das Motto „Endlich wieder Wurstmarkt“ in diesem Jahr? Die Antwort ist kurz und knapp: „Grenzenlose Euphorie.“

Wurstmarkt-Wandel

Wuma-Umzug und Eröffnungsspiel. Feuerwerke und Literarischer Frühschoppen. Schubkarchstände und Weindorf. Rummel und Genuss. Der Wurstmarkt wird 2022 wieder ein richtiger Wurstmarkt sein. Trotzdem gibt es einige Veränderungen. Nicht mehr dabei sind einige Gastronomen, die ihre Betriebe geschlossen haben oder denen Personal fehlt. Die sogenannte Fressgasse mit ihren Essensständen wird auch wegen der Thermen-Großbaustelle etwas kürzer. Das Weindorf wird jedoch wachsen und künftig aus drei Teilen mit zwei Durchgangswegen bestehen. Hinzu kommt ein neuer Weingarten. Unverändert bleiben die Schubkarchstände.

Wuma-Eröffnung mit Krone

Lea Baßler kann sich also, wie alle anderen, auf neun Tage Wuma-Gefühl freuen. Dem Höhepunkt einer Wurstmarkt-Eröffnung, der sie mit Krone beiwohnt, folgt dann am Montag die Weitergabe derselben an ihre Nachfolgerin. „Nicht nur offizielle Termine machen, sondern auch selbst Initiative ergreifen“, lautet Leas Empfehlung nach drei Jahren Amtszeit in Bad Dürkheim, an die sie sich auch selbst halten will. Denn eine Krone wird sie bald wieder tragen. Zusammen mit zwei weiteren Kandidatinnen bewirbt sie sich Anfang Oktober ums Amt der Pfälzischen Weinkönigin. Als Königin oder als Pfälzische Weinprinzessin darf sich Lea dann schon auf die Eröffnung des Wurstmarkts 2023 freuen. Und dann wieder mit Krone.

Das Festgelände des Wurstmarkts

Fotos: Stadt Bad Dürkheim/Mehr Infos unter: duerkheimer-wurstmarkt.de

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