B wie Brennnessel - Pfälzer Warenkunde

Vor allem Hobbygärtner rücken während der Freiluftsaison Brennnessel, Löwenzahn und anderen vermeintlichen Unkräutern im heimischen Garten mit Hacke und Handschuh zu Leibe. Dass viele dieser Wildkräuter jedoch äußerst schmackhaft und vor allem gesund sind, erklärt Dr. Michaela Schlich im Interview und stellt das „Superfood“ Brennnessel vor.



Frau Dr. Schlich, wo kann und wo darf man bei uns Wildkräuter sammeln?

Michaela Schlich: Man sollte grundsätzlich nur die Kräuter sammeln, die man kennt und eindeutig identifizieren kann. Denn es gibt Pflanzen, die essbaren Kräutern zum Verwechseln ähnlich, jedoch ungenießbar bis giftig sind. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel zwischen Bärlauch und dem giftigen Maiglöckchen. Es bietet sich an, erstmal eine geführte Kräuterwanderung mitzumachen oder ein Fachbuch zu lesen. Wildkräuter sollten nicht in Straßennähe, in der Nähe intensiver Landwirtschaft oder von Industriestandorten gesammelt werden. Ideal zum Sammeln sind feuchte Wiesen, Bachufer und Obstbaumwiesen. 

Welche in der Küche verwendbaren Wildkräuter findet man bei uns am häufigsten?

Zu den bekanntesten Pflanzen gehören Löwenzahn, Wiesensalbei, Spitzwegerich, Giersch, Wiesen-Schaumkraut, Gänseblümchen und natürlich die Brennnessel. 

Stichwort Brennnessel: Warum könnte man sie gar als „Superfood“ bezeichnen?

100 g Brennnessel versorgen uns mit 300 mg Vitamin C (100 g Kopfsalat im Vergleich: 11 mg), 480 mg Kalium (Kopfsalat 300 mg), 80 mg Magnesium (Kopfsalat 9 mg) und 710 mg Calcium (Kopfsalat 20 mg). Beachtlich ist auch die enthaltene Menge an Fluor von 80 µg pro 100 g (Kopfsalat 23 µg). Etwas kritisch sollte der relativ hohe Nitratgehalt von 146 mg pro 100 g (Kopfsalat 220 mg) betrachtet werden. Alle diese Angaben beziehen sich übrigens auf Rohware, die Zubereitung, insbesondere das Garen, verändert die angegebenen Werte.

Wie sollte man die Brennnessel ernten und verarbeiten?

Die Brennhaare sitzen am Stängel und auf den Blättern. Man sollte die Stängel beim Pflücken von unten nach oben greifen und abschneiden. Besser geht es natürlich mit Handschuhen. Die Brennhaare der Nessel werden entweder durch Kochen oder durch kurzes Blanchieren, Zerschneiden oder Walken mit dem Nudelholz entfernt beziehungsweise unwirksam gemacht. Beim Pürieren werden die Brennhaare ebenfalls zerstört. Unbearbeitet können sie jedoch unangenehme Hautreaktionen hervorrufen.

Welche Ideen haben Sie persönlich für die Verwendung der Brennnessel in der Küche?

Verwenden lassen sich die Blätter, die Wurzeln und auch die Samen. Der Geschmack der Blätter erinnert an Spinat, die Samen schmecken nussartig. Spannend findet ich Brennnesselchips, Brennnessel-Pesto oder eine Brennnesselcreme mit Ingwer. 

Welche gesundheitsfördernden Eigenschaften hat die Brennnessel?

In den Blättern (Urtica folium) finden wir neben den Makro- und Mikronährstoffen verschiedene sekundäre Inhaltsstoffe wie Flavonoide, ätherische Öle, organische Säuren und biogene Amine. Die Flavonoide wirken leicht harntreibend und können bei Problemen mit Harnleiter und Blase helfen. Auch bei rheumatischen Erkrankungen können Brennnesselblätter zum Einsatz kommen. Bei Prostatabeschwerden kann ein Extrakt aus der Brennnesselwurzel (Urtica radix) helfen. Die Wirkung entfaltet sich jedoch erst nach einigen Wochen der Einnahme.

 

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